Lohnpolitik

Lohnpolitik

In Deutschland ist die Lohnpolitik nicht Sache des Staates, sondern in der Regel von Arbeitgeberverbänden und Gewerkschaften, die in Tarifverhandlungen die Höhe der Löhne für die Arbeitnehmer einer Branche aushandeln.

Von den so abgeschlossenen Flächentarifverträgen dürfen die Unternehmen nicht zu Lasten der Mitarbeiter abweichen. Eigentlich bindet der Tarifvertrag nur die unterzeichnenden Tarifparteien und deren Mitglieder. In der Praxis wirken Tarifverträge aber darüber hinaus. So bezahlen tarifgebundene Unternehmen in der Regel auch jene Mitarbeiter nach Tarif, die nicht in Gewerkschaften organisiert sind. Außerdem orientieren sich auch viele Unternehmen an Tarifverträgen, die nicht tarifgebunden sind.

Die Löhne sind ein wesentlicher Teil der Arbeitskosten und ausschlaggebend für die Situation am Arbeitsmarkt. Als Faustformel gilt: Der lohnpolitische Verteilungsspielraum wird durch das Produktivitätswachstum und die sogenannten Preisüberwälzungsmöglichkeiten der Unternehmen bestimmt. Zuletzt gingen die Abschlüsse jedoch häufig darüber hinaus: Die Tariflöhne stiegen kräftiger als Produktivität und Preissteigerungen erlaubt hätten. Wenn es den Unternehmen nicht gelingt, die höheren Lohnkosten auf die Güterpreise abzuwälzen, sinkt ihr Gewinn. Das wiederum mindert die Möglichkeit, zu investieren und neue Arbeitsplätze zu schaffen. So wie die lange geübte Lohnzurückhaltung half, die Massenarbeitslosigkeit zu überwinden, so wird eine anhaltend expansive Lohnpolitik mittelfristig die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wirtschaft verringern und sich auch auf die Beschäftigungsentwicklung auswirken.

Hagen Lesch

Hagen Lesch

Leiter des Kompetenzfelds Tarifpolitik und Arbeitsbeziehungen

Tel0221 4981-778

Maillesch@iwkoeln.de

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