Finanzmärkte und Geldpolitik

Finanzmärkte und Geldpolitik

An Finanzmärkten wird mit finanziellen Mitteln gehandelt, beispielsweise mit Aktien, Anleihen, Derivaten und Hypotheken. Ziel ist es, das Kapital in die produktivste Verwendung zu lenken.

Banken und andere professionelle Anleger sammeln Informationen über die verschiedenen Anlagemöglichkeiten und investieren die ihnen anvertrauten Ersparnisse in die attraktivsten Projekte. In der Praxis geht der Plan nicht immer auf, weil die Zukunft kaum vorhersehbar ist und Geld in erfolglosen Vorhaben versenkt wird. Außerdem neigen Finanzmärkte zu Übertreibungen, weil sich viele Akteure an das Verhalten der anderen anpassen, und damit eine vorhandene Entwicklung weiter verstärken. Trotz aller Ausschweifungen und Irrationalitäten erfüllt der Finanzsektor aber eine wichtige gesellschaftliche Funktion. Müssten die Menschen erst jahrelang sparen, um das nötige Geld für eine Investition aus eigener Kraft aufbringen zu können, wäre der Kapitalstock und damit auch die Arbeitsproduktivität viel kleiner.

Eine immer wichtigere Rolle an den Finanzmärkten spielen die Zentralbanken. Die Notenbanker legen die Leitzinsen fest, zu denen sich die privaten Kreditinstitute Geld leihen können. Zudem ist beispielsweise die Europäische Zentralbank (EZB) zuletzt vermehrt selbst als Akteur aufgetreten und hat im großen Stil Staatsanleihen gekauft. Seit einiger Zeit hat die EZB auch die Aufgabe, die Banken zu beaufsichtigen und die Finanzmarktstabilität zu wahren.

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Geldwertstabilität ist der Garant für eine nachhaltige und stabile Wirtschaftsentwicklung. Phasen der übermäßigen Geldentwertung untergraben das Vertrauen in die Kaufkraft und verursachen eine Umverteilung zwischen Schuldnern und Gläubigern.

Deshalb ist die Europäische Zentralbank der Preisstabilität verpflichtet. Ihr Ziel ist es, die Inflationsrate mittelfristig knapp unter 2 Prozent zu halten. Vor allem mit der Festsetzung des Leitzinses steuert die Zentralbank den Zinssatz am Interbankenmarkt, also dem Markt, auf dem die Banken untereinander und mit der EZB Geld handeln.

Aus der bereitgestellten Basisgeldmenge schöpfen die Banken durch Kreditvergabe und Wertpapierkäufe diejenige Geldmenge, die die Bürger und Unternehmen im täglichen Wirtschaftsleben verwenden. Die Herausforderung für die Zentralbank besteht darin, das Zinsniveau richtig zu wählen, damit nicht zu viel Geld in der Wirtschaft umläuft und Inflation entsteht.

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Die Finanzmärkte sollen das Geld in die produktivste Verwendung lenken. Entsteht an einem Ort ein Finanzierungsengpass, steigen dort in der Regel die Zinsen und locken Kapital an.

Der freie Kapitalverkehr steigert den Wohlstand selbst derjenigen, die über kein Vermögen verfügen. Denn die mit geliehenem Geld finanzierten Maschinen und Anlagen machen Arbeit produktiver und steigern die Löhne. Um Kapital anzuziehen, muss die Politik günstige Investitionsbedingungen schaffen: die Infrastruktur ausbauen und die Bildung fördern. Damit Finanzmärkte funktionieren können, müssen zudem klare Regeln gelten. Finanzkrisen zeigen immer wieder, dass Märkte sonst verhängnisvolle Entwicklungen hervorbringen.

Die Zentralbanken spielen für die Finanzmärkte eine immer wichtigere Rolle. Die Notenbanker legen die Leitzinsen fest, haben zuletzt verstärkt Staatsanleihen gekauft und beaufsichtigen seit einiger Zeit auch die Finanzmärkte. Neben der Prüfung der Solvenz von großen Banken überwachen sie beispielsweise die Entwicklungen auf den Kredit- und Immobilienmärkten.

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