Vier Faktoren bestimmen den demografischen Wandel: die aktuelle Einwohnerzahl, die Geburten, die Sterbefälle und die Nettomigration, also die Differenz aus Zu- und Abwanderung.

Derzeit leben in Deutschland rund 82 Millionen Menschen, in den kommenden Jahren wird die Einwohnerzahl auf rund 84 Millionen steigen. Erst um das Jahr 2030 wird die Einwohnerzahl voraussichtlich wieder leicht sinken. Hauptursache für den vorerst zu erwartenden Zuwachs ist die hohe Nettomigration – wobei von den 2 Millionen Einwanderern im Jahr 2015 nur etwas über die Hälfte Flüchtlinge waren.

Zwar schrumpft Deutschland erst einmal nicht, aber es altert trotz des Zuzugs überwiegend junger Menschen. 2035 werden etwa 25 Prozent der Bevölkerung älter als 67 Jahre sein, heute sind es etwa 20 Prozent. Ob mit oder ohne Flüchtlinge – das System der umlagefinanzierten Rentenversicherung, die Pflegeversicherung und der Arbeitsmarkt stehen immer stärker unter Druck.

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In Deutschland haben zuletzt immer mehr Kinder das Licht der Welt erblickt. Die Geburtenrate ist auf durchschnittlich 1,5 Geburten je Frau gestiegen. Gleichzeitig gingen mehr Mütter mit kleinen Kindern arbeiten. Diese Erfolge wären ohne eine Neuausrichtung der Familienpolitik kaum denkbar gewesen.

Das Jahr 2007 markiert einen Wendepunkt in der Familienpolitik. Damals wurde nicht nur das Elterngeld eingeführt, das die finanzielle Lage der Familien gestärkt und für die Mütter einen Anreiz zur frühen Rückkehr in den Beruf geschaffen hat. Im selben Jahr wurde auch der Ausbau der Betreuungsinfrastruktur für unter Dreijährige beschlossen, der die Erwerbstätigkeit der Mütter vielfach erst ermöglicht hat. Auch an weiteren Stellen wurden die Rahmenbedingungen für junge Familien seitdem maßgeblich verbessert. Beispielsweise wurden viele Kindergärten und Grundschulen zu Ganztagseinrichtungen weiterentwickelt.

Doch die geschaffenen Betreuungsangebote reichen vielfach noch nicht aus. So fehlen trotz Rechtsanspruch immer noch viele Kitaplätze für unter Dreijährige. Gleichzeitig muss an der Qualitätssicherung gearbeitet werden. Insbesondere vor dem Hintergrund der großen Zahl an Flüchtlingen muss darauf hingearbeitet werden, dass jedes Kind, das einen Kindergarten besucht hat, ohne Probleme einem deutschsprachigen Schulunterricht folgen kann. Über gute Betreuungsangebote hinaus brauchen Familien auch finanzielle Unterstützung. Zumindest auf diesem Feld ist Deutschland mit Kindergeld und beitragsfreier Mitversicherung in den Sozialversicherungen im internationalen Vergleich bereits sehr gut aufgestellt.

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Deutschland ist auf Zuwanderer angewiesen, wenn die Bevölkerung nicht überaltern soll. Wie stark Zuwanderung dazu beitragen kann, die Fachkräftebasis der Unternehmen zu sichern und die öffentlichen Haushalte zu stabilisieren, hängt entscheidend von ihrer Integration in den Arbeitsmarkt ab.

In den vergangenen Jahren war die Zuwanderung nach Deutschland von zwei großen Strömen geprägt: zum einen der Zuzug aus anderen EU-Ländern im Rahmen der Arbeitnehmer- und Personenfreizügigkeit. Auf diesem Weg kamen viele gut ausgebildete Menschen ins Land, die schnell am deutschen Arbeitsmarkt Fuß fassen konnten. Den zweiten Strom bildeten Flüchtlinge aus Syrien und anderen Ländern in den Jahren 2015 und 2016. Bei der Integration dieser Zuwanderer in den Arbeitsmarkt steht Deutschland noch am Anfang. Eine große Herausforderung ist, dass viele Flüchtlinge nur ein niedriges Qualifikationsniveau mitbringen. Es wird einige Jahre dauern, bis auch sie einen Beitrag zur Fachkräftesicherung leisten können.

Da die Zahl wanderungsbereiter Personen aus der Europäischen Union künftig sinken dürfte, weil auch die Gesellschaften der anderen EU-Länder altern, sollte Deutschland die Fachkräftezuwanderung aus Nicht-EU-Ländern erleichtern. Wichtig wäre ein modernes Zuwanderungsrecht, das Klarheit über die Voraussetzungen für die Zuwanderung aus Drittstaaten schafft und auch jenen Personen den Zugang ermöglicht, die zwar noch kein konkretes Stellenangebot, aber mit ihrer Qualifikationen gute Perspektiven auf dem Arbeitsmarkt haben. Zudem sollten die Qualifikationen der Zuwanderer leichter anerkannt werden, damit ihre im Heimatland erworbenen Abschlüsse nicht entwertet werden.

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Die gestiegene Lebenserwartung und die geringe Geburtenrate lassen die Gesellschaft altern und schrumpfen. Der demografische Wandel trifft Deutschland härter als die meisten anderen Länder.

Steht heute jedem unter 20-Jährigen ein über 65-Jähriger gegenüber, werden wahrscheinlich schon in wenigen Jahrzehnten zwei Senioren auf einen Jugendlichen kommen. Die Einwohnerzahl Deutschlands dürfte bis Mitte des Jahrhunderts um einige Millionen Menschen sinken. Höhere Geburtenzahlen und der vermehrte Zuzug von Ausländern würden die demografische Entwicklung verlangsamen – stoppen lässt sie sich nicht.

In ländlichen Regionen schrumpft und altert die Bevölkerung besonders stark, was vor allem das Bereitstellen einer funktionierenden Infrastruktur erschwert. Auch am Arbeitsmarkt und in den Sozialsystemen sorgt der demografische Wandel für Probleme. Die Politik ist daher gefordert, alles zu tun, um die Potenziale zusätzlicher Erwerbsbeteiligung zu nutzen. Eine bessere Kinderbetreuung würde Müttern eine schnelle Rückkehr in den Beruf erleichtern. Verkürzte Schul- und Studienzeiten ließen junge Leute schneller ins Arbeitsleben einsteigen. Zudem führt kein Weg daran vorbei, ältere Beschäftigte länger im Beruf zu halten.

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