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Wido Geis-Thöne IW-Kurzbericht Nr. 75 18. November 2019 Immer mehr Inder kommen zum Studium nach Deutschland

In den Jahren zwischen 2008 und 2018 hat sich die Zahl der Studierenden aus Indien mehr als verfünffacht und auch bei den meisten anderen Herkunftsregionen zeigt sich eine positive, wenn auch weniger dynamische Entwicklung. Nur aus den ehemals sozialistischen EU-Mitgliedsländern kommen heute rund ein Viertel weniger.

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Immer mehr Inder kommen zum Studium nach Deutschland
Wido Geis-Thöne IW-Kurzbericht Nr. 75 18. November 2019

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In den Jahren zwischen 2008 und 2018 hat sich die Zahl der Studierenden aus Indien mehr als verfünffacht und auch bei den meisten anderen Herkunftsregionen zeigt sich eine positive, wenn auch weniger dynamische Entwicklung. Nur aus den ehemals sozialistischen EU-Mitgliedsländern kommen heute rund ein Viertel weniger.

Für die Ausbildung von Studierenden aus dem Ausland an den deutschen Hochschulen gibt es vier gute Gründe, die mit dem Fachkräfteeinwanderungsgesetz in Zukunft auch in § 16 AufenthG verankert sein werden (BGBl, 2019). Diese sind, dass der wissenschaftliche Austausch mit anderen Ländern gestärkt, ein Beitrag zur internationalen Entwicklung geleistet und die internationale Verständigung gefördert wird sowie dass Fachkräfte für den deutschen Arbeitsmarkt gewonnen werden. Dass hierzu tatsächlich ein substanzieller Beitrag geleistet wird, zeigt Geis (2017), der zum Schluss kommt, dass rund ein Viertel der Studierenden aus dem Ausland über den Abschluss hinaus längerfristig im Land bleibt und sich die Ausbildung dieser Personengruppe an den deutschen Hochschulen damit auch gesamtfiskalisch lohnt.

In der amtlichen Hochschulstatistik werden Studierende, die eine ausländische Staatsangehörigkeit haben und ihre Hochschulzugangsberechtigung im Ausland erworben haben, als sogenannte „Bildungsausländer“ erfasst (Statistisches Bundesamt, versch. Jg.). Diese sind auch nur gemeint, wenn im vorliegenden Bericht von Studierenden aus dem Ausland oder aus einzelnen Ländern gesprochen wird. Zudem beziehen sich alle Studierendenzahlen auf die Wintersemester und die Jahresangabe bezeichnet jeweils das Anfangsjahr. Dazu ist anzumerken, dass in den Sommersemestern grundsätzlich etwas weniger Bildungsausländer in Deutschland studieren (Statistisches Bundesamt, versch. Jg.).

Betrachtet man zunächst die Gesamtzahlen der Studierenden aus dem Ausland, so sind diese in den zehn Jahren zwischen 2008 und 2018 um rund 122.000 oder 67,7 Prozent von 180.000 auf 302.000 gestiegen. Dabei war der Anstieg in den ersten fünf Jahren zwischen 2008 und 2013 mit einem Plus von 39.000 oder 21,4 Prozent deutlich geringer als in den zweiten fünf Jahren zwischen 2013 und 2018 mit 83.000 oder 38,1 Prozent. Geht man fünf Jahre weiter zurück lag der Wert 2003 nahezu exakt gleich hoch wie 2008 (Statistisches Bundesamt, versch. Jg.; eigene Berechnungen).

Differenziert man nach Herkunftsländern, war die Zahl der Studierenden aus China im Jahr 2018 mit 39.900 am höchsten. Dies entspricht 13,2 Prozent aller Studierenden aus dem Ausland. Auch 2008 stellten die Chinesen mit einem Anteil von 12,8 Prozent bereits die größte Gruppe. Allerdings lag ihre Zahl damals noch nur bei 23.100. An zweiter Stelle lagen im Jahr 2018 die Studierenden aus Indien mit 20.600 oder 6,8 Prozent. Ihre Zahl hat sich in den letzten Jahren besonders dynamisch entwickelt und gegenüber dem Jahr 2008 mehr als verfünffacht. Damals zählte Indien mit 3.200 oder 1,8 Prozent noch nicht einmal zu den zehn bedeutendsten Herkunftsländern (Statistisches Bundesamt, versch. Jg.; eigene Berechnungen).

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Dass China und Indien die beiden wichtigsten Herkunftsländer von Studierenden aus dem Ausland sind, ist vor dem Hintergrund ihrer Bevölkerungsgröße an sich nicht beachtlich, wohl aber, dass die Bedeutung Indiens in den letzten Jahren so stark gestiegen ist. Dazu ist anzumerken, dass auch die Erwerbszuwanderung von Indern stark zugenommen hat und sie bei den Aufenthaltstiteln zur Erwerbstätigkeit mit 24.900 oder 11,3 Prozent am 31.12.2018 die größte Gruppe stellten (Statistisches Bundesamt, 2019; eigene Berechnung). Beides ist insbesondere vor dem Hintergrund, dass Englisch in Indien Amtssprache ist, für die deutsche Zuwanderungspolitik als großer Erfolg zu werten.

Die drittgrößte Gruppe der Studierenden aus dem Ausland stellten im Jahr 2018 die Syrer mit 13.000 oder 4,3 Prozent. Ihre Zahl hat sich gegenüber 2008, als es noch nur 1.900 waren, nahezu versiebenfacht (Statistisches Bundesamt, versch. Jg.; eigene Berechnungen). Diese Entwicklung geht vorwiegend auf den starken Zuzug Geflüchteter in den letzten Jahren zurück und bei ihrer Bewertung muss im Blick behalten werden, dass zwischen dem 31.12.2008 und dem 31.12.2018 die Gesamtzahl der Syrer in Deutschland um den Faktor 26 gestiegen ist (Statistisches Bundesamt, 2019; eigene Berechnung). An vierter Stelle lagen im Jahr 2018 mit 11.500 oder 3,8 Prozent die Studierenden aus Österreich und an fünfter mit 10.400 oder 3,5 Prozent die Studierenden aus Russland. Letztere waren im Jahr 2008 mit 5,4 Prozent noch die zweitgrößte Gruppe, obschon ihre Zahl damals mit 9.700 noch etwas niedriger lag (Statistisches Bundesamt, versch. Jg.; eigene Berechnungen).

Zusammengenommen entfielen im Jahr 2018 nur rund 77.000 oder 25,5 Prozent der Studierenden aus dem Ausland auf die anderen EU-Mitgliedstaaten und die übrigen westeuropäischen Länder, für die die Freizügigkeit gilt. Anders als die Zuwanderung insgesamt, wird der Zuzug an die deutschen Hochschulen derzeit also größtenteils von Studierenden aus Drittstaaten getragen, deren Zahl zwischen 2008 und 2018 von 120.400 auf 225.200 gestiegen ist und sich damit nahezu verdoppelt hat. Bei den Studierenden aus den EU-Ländern und Westeuropa war nur ein Anstieg um 28,8 Prozent zu verzeichnen, was wenig ist, wenn man im Blick behält, dass in diesem Zeitraum die Bologna-Reform zum Tragen kam, mit der die Studierendenmobilität in Europa gefördert werden sollte.

Allerdings ist dazu anzumerken, dass die Studierenden aus den elf ehemals sozialistischen EU-Mitgliedsländern eine vollkommen andere Entwicklung aufweisen, als die Studierenden aus den übrigen EU- und westeuropäischen Ländern. Während die Zahl letzterer in den Jahren 2008 und 2018 von 30.100 auf 55.600 gestiegen ist und sich damit nahezu verdoppelt hat, ist bei ersteren eine Abnahme um rund ein Viertel von 29.500 auf nur mehr 21.400 zu verzeichnen. Dabei reicht diese negative Entwicklung bis ins Jahr 2004 zurück, als die Zahl der Studierenden aus den ehemals sozialistischen EU-Mitgliedsländern mit 38.600 einen Höchstwert erreicht hatte und fällt damit mit den EU-Beitritten und der Gewährung der Freizügigkeit zusammen. Geprägt wurde sie vor allem durch den Rückgang der Studierenden aus Polen von 12.200 auf 4.700 und aus Bulgarien von 12.500 auf 6.200. Allerdings weisen mit Ausnahme Kroatiens und Sloweniens auch alle anderen Länder eine negative Entwicklung auf (Statistisches Bundesamt, versch. Jg.; eigene Berechnungen).

Eine Erklärung hierfür ist die demografische Entwicklung in den ehemals sozialistischen EU-Mitgliedsländern. So ist die Zahl der 20- bis 24-Jährigen in diesen elf Ländern zwischen dem 1.1.2004 und dem 1.1.2018 um rund ein Drittel von 8,33 Millionen auf nur noch 5,64 Millionen gesunken und die Zahl der 15- bis 19-Jährigen von 7,92 Millionen auf 5,04 Millionen zurückgegangen (Eurostat, 2019; eigene Berechnungen). Damit einhergehend erwerben heute auch wesentlich weniger junge Menschen dort die Hochschulzugangsberechtigung. Dies manifestiert sich auch in den abnehmenden Studierendenzahlen vor Ort, die 2017 mit 3,63 Millionen um rund ein Achtel niedriger lagen als noch 2013 mit 4,38 Millionen (Eurostat, 2019; eigene Berechnungen; ältere Daten liegen bei Eurostat nicht vor).

Anders stellt sich die Lage in Indien und den meisten weiteren außereuropäischen Drittstaaten dar, wo die Zahlen der jungen Menschen im typischen Studienalter noch deutlich steigen. Trotz der positiven Entwicklung der letzten Jahre sollten hier in Zukunft auch noch mehr junge Menschen für ein Studium in Deutschland gewonnen werden. Die weitgehende Gebührenfreiheit der Hochschulen stellt dabei einen wichtigen Pluspunkt dar. Auch ermöglichen es die Studienkollegs ausländischen Studierenden, Lücken zwischen ihren und den bei deutschen Abiturienten üblichen Kenntnissen zu schließen, und die Universitäten machen diesen weitere Unterstützungsangebote. Überdies ist das Zuwanderungsrecht an dieser Stelle bereits heute sehr liberal. Institutionelle Verbesserungen sind also nicht unbedingt notwendig. Jedoch sollten Studieninteressierte im Ausland noch stärker angesprochen werden.

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