Zunehmende Ungleichheit wird für Wachstumsprobleme und eine politische Polarisierung in einer Reihe von fortgeschrittenen Volkswirtschaften verantwortlich gemacht. Dadurch hat auch die Analyse der makroökonomischen Einkommensverteilung in der zurückliegenden Dekade einen neuen Anschub bekommen. Verschiebt sich die gesamtwirtschaftliche Einkommensentstehung hin zu Kapitaleinkommen, bleibt dies nicht ohne Auswirkungen auf die personelle Einkommensverteilung und ihre Wahrnehmung in der Gesellschaft. Ein internationaler Vergleich von fortgeschrittenen Ländern zeigt jedoch für das vergangene Vierteljahrhundert keinen breit angelegten und durchgängigen Rückgang der Lohnquote. Vielmehr ist in den 18 betrachteten Ländern kein einheitliches Muster zu erkennen. Abgesehen von den Effekten der zum Teil starken konjunkturellen Wechsellagen war in Deutschland in den 1990er Jahren und in den letzten Jahren eine stabile Lohnquote zu beobachten. Bei der Interpretation der funktionellen Einkommen und ihrer Verteilung sind statistische Einschränkungen und Besonderheiten zu beachten. Diese beziehen sich auf die vor allem hinsichtlich der Unternehmensgewinne eingeschränkten statistischen Ausgangsdaten. Bei der Definition der Arbeitnehmerentgelte sind die Arbeitseinkommen der Selbstständigen nicht berücksichtigt. Sie werden dagegen als Unternehmenseinkommen verbucht. Außerdem liefert die funktionelle Einkommensverteilung einen Ausgangspunkt für die Einkommensposition der privaten Haushalte. Auf Basis der Sektorkonten in den Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnungen hatten diese in Deutschland zuletzt einen Anteil von 83 Prozent an den gesamtwirtschaftlichen Primäreinkommen.