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Das Thema Ungleichheit nimmt einen immer größeren Raum in der öffentlichen und medialen Debatte ein. Vor allem in der Zeit vor der Bundestagswahl 2017 zeichneten Studien und die Berichterstattung ein düsteres Bild der Einkommens- und Ungleichheitsentwicklung in Deutschland. Der viel zitierte und alarmierend interpretierte Befund, dass die ärmeren 40 Prozent der Bevölkerung seit der Wiedervereinigung kaum reale Einkommenszuwächse verbuchen konnten, stellt sich bei genauerer Betrachtung allerdings als wenig robust heraus. Bei geringfügiger Verschiebung des Startpunkts der Betrachtung und bei einer Berücksichtigung von Stichprobenveränderungen wird aus einem realen Zuwachs von 1 Prozent bereits ein Zuwachs von immerhin knapp 8 Prozent über den Zeitraum der letzten 20 Jahre. Es zeigt sich vor allem, dass in den Zeiten positiver Wirtschaftsentwicklung im vergangenen Jahrzehnt die unteren Einkommensgruppen relativ in gleichem Maß wie die mittleren und oberen Einkommensgruppen am Wohlstand partizipiert haben. Dies spiegelt sich auch in der stabilen Einkommensverteilung seit 2005 wider – nach einem vorherigen Anstieg zwischen 1999 und 2005. Anders als bei der Ungleichheit deutet sich bei der Entwicklung der Armutsgefährdung seit etwa 2010 ein erneuter Anstieg an. Dieser sollte in der Debatte allerdings gesondert beurteilt werden, da er unter anderem mit der Flüchtlingsmigration der vergangenen Jahre zusammenhängt. Insgesamt werden in der Ungleichheits- und Armutsdebatte zunehmend Zeitreihenbrüche unkritisch als tatsächliche Veränderungen dargestellt. Der vorliegende Beitrag wirbt für einen kritischeren Umgang mit den zugrunde liegenden Datensätzen und für Plausibilitätstests.

IW-Trends

Judith Niehues: Einkommensentwicklung, Ungleichheit und Armut

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Ansprechpartner

Armutsgefährdung
IW-Nachricht, 8. November 2017

Christoph Schröder Armutsgefährdung: In Deutschland unterdurchschnittlichArrow

Nach den neusten Zahlen der europäischen Statistikbehörde Eurostat ist in Deutschland fast jeder Fünfte (19,7 Prozent) von Armut oder sozialer Ausgrenzung bedroht. Dieser scheinbar hohe Wert ergibt sich aber vor allem durch die sehr weit gefasste Definition. mehr

27. Oktober 2017

Kommentar von Judith Niehues „Etablierte Meinungen werden kaum hinterfragt“Arrow

„Die unteren Einkommensgruppen profitieren kaum von der guten wirtschaftlichen Lage in Deutschland“ – dieser viel zitierte Befund mag der Mehrheitsmeinung entsprechen und sie mehr und mehr stärken. Doch Plausibilitätschecks hält das alarmierende Szenario kaum stand, mahnt Judith Niehues, Leiterin der Forschungsgruppe Mikrodaten und Methodenentwicklung im IW Köln. mehr auf iwd.de

Realeinkommen
Pressemitteilung, 26. Oktober 2017

Judith Niehues Realeinkommen: Auch die unteren Einkommen legen zuArrow

Es ist ein gefundenes Fressen für Schwarzmaler: Die Einkommen der ärmsten 40 Prozent der Deutschen seien seit der Wiedervereinigung real kaum gestiegen. Doch eine neue Studie des IW Köln zeigt, dass dieser Befund wenig robust ist. mehr