Seit Jahren gelingt es nicht, ein anspruchsvolles internationales Klimaschutzabkommen mit fairen Beiträgen der großen Emittenten zu beschließen. Aber selbst wenn das 2-Grad-Ziel erreicht wird – also die Begrenzung des Anstiegs der globalen Durchschnittstemperatur auf höchstens 2 Grad Celsius gegenüber dem vorindustriellen Niveau –, ist der Klimawandel mit spürbaren Veränderungen verbunden, auf die reagiert werden muss. Wenn das 2-Grad-Ziel allerdings verfehlt wird, ist der Anpassungsbedarf umso größer.

Schon in den Anfangstagen der neueren Klimainstitutionen spielte die Anpassung an den Klimawandel eine Rolle. Im ersten Bericht des Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC) aus dem Jahr 1990 wurde sie als Handlungsoption beschrieben. Bis zur Deutschen Anpassungsstrategie an den Klimawandel aus dem Jahr 2008 hat es fast zwei Jahrzehnte gedauert. Inzwischen ist klar, dass die Verminderung des Klimawandels und die Anpassung an seine Folgen zwei Seiten einer Medaille sind und gleichermaßen verfolgt werden müssen.

Auch für Deutschland liegt eine Aufgabe der nächsten Jahrzehnte darin, sich auf die Klimaveränderungen vorzubereiten. Wie genau die aussehen werden, weiß heute noch niemand. Klar ist aber: Der Klimawandel kommt auf leisen Sohlen. Wenn dessen Auswirkungen offensichtlich geworden sind, wird es für ein vorausschauendes Handeln zu spät sein. Gerade die für langlebige Infrastrukturen Verantwortlichen sowie Wirtschaftszweige mit Anlagen und Produkten, die über einen langen Zeitraum in Gebrauch sein werden, müssen sich frühzeitig auf den Klimawandel einstellen. Sei es bei der Entwicklung der Städte, der Planung von Kraftwerken oder der Anpflanzung in der Forstwirtschaft – in vielen Fällen müssen heute Entscheidungen für Jahrzehnte gefällt werden. Was heute gebaut wird, muss auch unter veränderten Klimaverhältnissen Bestand haben. Um die richtigen langfristigen Entscheidungen treffen zu können, brauchen wir Analysemöglichkeiten, Anpassungsoptionen und Handlungsempfehlungen – heute oder in naher Zukunft.

Der Klimawandel ist ein globales Phänomen. Seine Auswirkungen manifestieren sich aber immer vor Ort. Wenn die räumliche Dimension nicht berücksichtigt wird, bleibt die Diskussion über Klimaanpassung schnell eine weitgehend freischwebende Übung.

Während der Schutz des globalen Klimas weltweite Anstrengungen bei der Vermeidung von Treibhausgasemissionen erfordert, erfolgt Klimaanpassung oftmals im nationalen Rahmen und vor allem auf regionaler und lokaler Ebene. Die Deutsche Anpassungsstrategie und der darauf aufbauende Aktionsplan Anpassung sind die logische Konsequenz: Hier wird die Verantwortung der lokalen Ebene herausgestellt – die von Kommunen und Unternehmen, aber auch die des einzelnen Bürgers. Küstenschutzmaßnahmen können auch ohne Konsens auf Ebene der Vereinten Nationen durchgeführt werden, Landwirte können autonom über den Anbau anderer Pflanzensorten entscheiden. Die Chancen für eine erfolgreiche Anpassung stehen gut, solange sich der Klimawandel begrenzen lässt.

Damit eine Anpassung zumindest an die heute schon absehbaren und kaum mehr vermeidbaren Klimaveränderungen erfolgen kann, sind vielfältige Voraussetzungen zu erfüllen: Anpassung an den Klimawandel und die damit verbundenen Unsicherheiten müssen in die langfristigen Entscheidungen mit einbezogen werden. Das Wissen über Anpassungsnotwendigkeiten und  optionen muss vorhanden und verfügbar sein. Standards (beispielsweise hinsichtlich der Infrastrukturen) müssen die neuen klimatischen Bedingungen berücksichtigen.

Regionale Klimaanpassung stand seit dem Jahr 2009 im Mittelpunkt der Fördermaßnahme „KLIMZUG – Klimawandel in Regionen zukunftsfähig gestalten“ des Bundesministeriums für Bildung und Forschung. Zu den Herausforderungen gehörte dabei nicht nur die anwendungsorientierte Forschung, sondern auch der transdisziplinäre Charakter der Projekte. Die enge Kooperation von Politik und Verwaltung vor Ort, zivilgesellschaftlichen Initiativen sowie der Wissenschaft war eine der Grundvoraussetzungen dafür, dass eine Entwicklung der Regionen hin zu einer besseren Anpassung an das veränderte Klima und zu einer wettbewerbsfähigeren Wirtschaft unterstützt werden konnte.

Sieben Modellregionen mit rund 150 Teilprojekten sowie die begleitende Forschung haben einen wichtigen Beitrag dazu geleistet, das Wissen über Klimafolgen und Anpassungsmöglichkeiten zu erweitern und die Fähigkeit zur Anpassung zu vergrößern. Die dezentrale Einbindung in die regionalen Prozesse und die darüber hinausgehende Verbreitung der Ergebnisse im ganzen Land haben dazu geführt, dass KLIMZUG zu einem elementaren Baustein für Klimaanpassung in Deutschland geworden ist. Dieses Buch dokumentiert die Ergebnisse aus fünf Jahren Arbeit mit dem Ziel, Regionen im Klimawandel zu stärken.