Mit der amtlichen Statistik lässt sich allerdings nur feststellen, dass in den letzten Jahren sowohl die schulische als auch die außerschulische Betreuung stark ausgebaut wurde und von den Schülern im Grundschulalter im Schuljahr 2017/2018 rund 41,9 Prozent eine Ganztagsschule und 23,0 Prozent einen Hort besucht haben. Auf einen Teil von ihnen trifft auch beides zu, sodass der Betreuungsanteil insgesamt niedriger liegt als die Summe. Den Angaben im Sozio-Oekonomischen Panel (SOEP) zufolge waren es im Jahr 2017 rund 60,1 Prozent und die Betreuungslücke lag der Kinderbetreuungsstudie (KiBS) zufolge bei rund 7 Prozent, was 209.000 Plätzen entspricht. Eine multivariate Analyse auf Basis des SOEP zeigt überdies, dass sowohl Grundschulkinder mit Migrationshintergrund und aus Familien, die Arbeitslosengeld II beziehen, als auch Kinder mit (vollzeit-) erwerbstätigen Müttern und aus Familien mit hohen Einkommen besonders häufig ganztags betreut werden. Allerdings finden sich erstere verstärkt in den Ganztagsschulen und letztere in den Horten und vergleichbaren Einrichtungen.

Differenziert man nach Bundesländern, stellt sich die Lage sehr unterschiedlich dar. Während in Berlin, Brandenburg, Hamburg, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen eine zumindest weitestgehende Vollversorgung mit Ganztagsplätzen besteht, liegt der Anteil der betreuten Kinder in Baden-Württemberg (maximal) bei rund einem Drittel, in Schleswig-Holstein bei rund zwei Fünfteln und in Bayern bei knapp der Hälfte. Dabei haben die Eltern in Brandenburg, Hamburg, Sachsen-Anhalt und Thüringen bereits heute einen Rechtsanspruch auf einen Ganztagsplatz. Wird dieser bundesweit eingeführt, sollten vor dem Hintergrund der unterschiedlichen Betreuungssysteme und der alleinigen Zuständigkeit der Länder für die (Ganztags-) Schulen Ergänzungen in den Ländergesetzen vorgenommen werden, sofern er nicht direkt hier verankert wird.

Betrachtet man die Ausgestaltung der Betreuung, ist die Situation in den Horten gut. So haben diese in aller Regel mindestens bis 16:30 Uhr geöffnet und die Zahl der Kinder je Betreuungsperson liegt bei 11,3 oder 9,4 in Vollzeitäquivalenten. Dies ist viel weniger als die durchschnittliche Klassenstärke in den Grundschulen von 20,9 Kindern und die Schüler-Lehrer-Relation von 16,2. Bei den Ganztagsschulen ist die Lage vor dem Hintergrund einer unzureichenden Datenlage unklar. Allerdings lässt sich aus den Ergebnissen der Studie zur Entwicklung der Ganztagsschulen (StEG) schließen, dass die Gesamtbetreuungszeit auch hier im Schnitt bei über 40 Stunden in der Woche liegt. Problematischer ist, dass die StEG auf einen Rückgang der Angebotsvielfalt hindeutet. Der mittlere Wert (Median) der Kosten des Schulbesuchs liegt den Angaben der Eltern im SOEP zufolge beim ausschließlichen Besuch einer Ganztagsschule bei 30 Euro, beim ausschließlichen Besuch eines Hortes oder einer vergleichbaren Einrichtung bei 41 Euro und bei beidem bei 60 Euro, was deutlich weniger ist als im Kitabereich.