Das Steuer-, Abgaben- und Transfer-Mikrosimulationsmodell des IW Köln (STATS) ist ein auf Mikrodaten basierendes Analysetool, um die Wirkungen der deutschen Steuer- und Sozialgesetzgebung auf die Einkommen der Bevölkerung möglichst detailgetreu abzubilden. Hierbei können in repräsentativen Personen- und Haushaltsdaten ausgehend von beobachteten Bruttoeinkünften die Sozialbeiträge und die Einkommensteuer sowie erhaltene Sozialtransfers simuliert werden. Das STATS ermöglicht anschließend sowohl auf Personenebene als auch im Haushaltskontext die Analyse der sich ergebenden Nettoeinkommen. Mit den Ergebnissen des Simulationsmodells lassen sich somit Verteilungsfragen des deutschen Steuer- und Transfersystems beantworten, Reformvorschläge ex-ante im Hinblick auf Aufkommens- und Verteilungswirkungen abschätzen sowie die Folgen von Reformen ex-post analysieren.

Das Modell basiert auf den Daten des Sozio-ökonomischen Panels (SOEP) und wird laufend auf die jeweils neuste verfügbare Welle des Surveys aktualisiert. Zurzeit sind dies Daten aus dem Jahre 2014. Mithilfe eines Fortschreibungsmoduls und der Methodik des sogenannten „Static Ageing“ werden die Daten an den aktuellen Rand angepasst oder können auch anhand von Prognosen zur Bevölkerungs- und Einkommensentwicklung die Bevölkerungsstruktur in der Zukunft abbilden. Somit erlaubt das Modell eine aktuelle, fundierte und repräsentative Aussage zur Abschätzung der Auswirkungen geplanter Reformen des Steuer- und Transfersystems und der Evaluierung von Alternativen.

Durch die detaillierten soziodemografischen Angaben und Einkommensinformationen zu Personen und Haushalten im SOEP lassen sich Ergebnisse nach verschiedensten Merkmalen aufschlüsseln: So sind neben Verteilungsbetrachtungen nach Einkommensgruppen auch Analysen nach sozioökonomischer Stellung (zum Beispiel nach Erwerbsstatus, sozialer Stellung, etc.), dem Alter oder der Haushaltszusammensetzung möglich. Durch die Simulationsmodule lässt sich vom beobachteten Bruttoeinkommen das Nettoeinkommen ableiten, indem die simulierten Sozialbeiträge und Steuern vom Einkommen abgezogen und Transfers hinzuaddiert werden. Im Rahmen dieser Methodik lassen sich auch kontrafaktische Nettoeinkommen ableiten, also hypothetische Nettoeinkommen, die sich unter anderer Steuer- und Sozialgesetzgebung als im Status quo ergeben würden.

Des Weiteren lassen sich mit dem Modell auch Veränderungen des Steueraufkommens und der Transferausgaben des Staates berechnen und somit Aussagen im Hinblick auf die Finanzierung von Reformen oder eventuell damit verbundene fiskalische Budgetveränderungen treffen.

Mögliche Fragestellungen, die sich mithilfe des Modells bearbeiten lassen, sind beispielsweise:

  • Welche relativen Steuerbelastungen hinsichtlich ihrer Bruttoeinkommen ergeben sich für die einzelnen Dezile der Einkommensverteilung?
  • Wie hoch fiel die Belastungswirkung bei der Einkommensteuer durch die kalte Progression in den letzten Jahren aus?
  • Welche unterschiedliche Belastung der Kapitalerträge ergibt sich durch die Abgeltungsteuer im Vergleich zu einer Einbeziehung zur persönlichen Einkommensteuer?
  • Wie viele Haushalte fallen in den Bereich der „steilen Progressionszone“ und wie teuer wäre die Begradigung des Tarifs?
  • Wie verläuft die Belastung der Haushalte durch Sozialabgaben entlang der Einkommensverteilung und wie hat sich diese über die Zeit verändert?
  • Welche Haushalte bekommen Sozialtransfers und wie hoch ist der Anteil der Sozialtransfers am Einkommen für bestimmte Bevölkerungsgruppen?

Unter Anwendung des Fortschreibungs- und „Static Ageing“-Moduls lassen sich zusätzlich Fragen für exogen veränderte Bevölkerungs- oder Einkommensstrukturen simulieren. Hierbei kann beispielsweise erörtert werden, wie sich der demografische Wandel auf Einnahmen und Ausgaben des Staates auswirkt und welche Verschiebungen sich dadurch hinsichtlich der Be- und Entlastungen ergeben.

Zukünftig geplant ist die Integration eines Moduls im STATS, das das Arbeitsangebot modelliert und die Simulation sogenannter „Zweitrundeneffekte“ zulässt. Hierbei können aus den simulierten Veränderungen der Nettoeinkommen Effekte auf die Erwerbsbeteiligung und den Erwerbsumfang – wiederum unter Berücksichtigung des Haushaltskontexts – abgeleitet werden.

Im Folgenden wird zunächst der Aufbau des STATS in Kapitel 2 erläutert und anschließend die einzelnen Module detaillierter in den Kapiteln 3 bis 5 vorgestellt. Abschließend werden in Kapitel 6 geplante Erweiterungen und mögliche Weiterentwicklungen des Modells diskutiert.

IW-Report

Martin Beznoska: Dokumentation zum Steuer-, Abgaben- und Transfer-Mikrosimulationsmodell des IW Köln (STATS)

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Es erscheint als ein Luxusproblem für die Politik: Wohin mit den Überschüssen in den öffentlichen Haushalten? Schulden tilgen, Investitionen erhöhen? Bei genauem Hinsehen ist eine Option den anderen überlegen: Die Zeit ist reif für eine Steuerentlastung, die diesen Namen verdient. Ein Gastbeitrag von IW-Ökonom Tobias Hentze im Online-Magazin für Wirtschaftspolitik makronom.de. mehr

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