In der Eisen- und Stahlindustrie setzte die IG Metall ein zusätzliches Urlaubsgeld von 1.000 Euro durch, welches die Arbeitnehmer in maximal fünf freie Tage umwandeln können. Auch in der westdeutschen Textilindustrie und im Bankgewerbe wurde über Wahlmodelle diskutiert. Hier konnten sich die Gewerkschaften aber nicht durchsetzen. In der ostdeutschen Textilindustrie ging es um eine Verkürzung der Wochenarbeitszeit. Die IG Metall erreichte in den Verhandlungen, dass die Arbeitszeit bis 2027 stufenweise von derzeit 40 auf 37 Stunden reduziert wird. Bei den Klinikärzten an den kommunalen Kliniken setzte der Marburger Bund eine exaktere Erfassung der geleisteten Arbeitsstunden und zwei arbeits- und bereitschaftsfreie Wochenenden pro Monat durch.

Die Entgeltforderungen lagen zwischen 5,0 und 6,5 Prozent. Ver.di verlangte im Handel und im Öffentlichen Dienst außerdem überdurchschnittliche Anhebungen der unteren Lohngruppen. Dies konnte die Gewerkschaft vor allem im Öffentlichen Dienst, aber auch im Einzelhandel durchsetzen. In den meisten Tarifabschlüssen wurden stufenweise Lohnanpassungen bei langen Laufzeiten vereinbart. Im Öffentlichen Dienst addieren sich die drei Erhöhungsstufen auf 7,8 Prozent (zweimal 3,2 und einmal 1,4 Prozent) bei einer Laufzeit von 33 Monaten. Die Klinikärzte erhalten für denselben Zeitraum insgesamt 6,5 Prozent mehr. In der Druckindustrie wurden sogar 36 Monate Laufzeit beschlossen. Dort steigen die Löhne ebenfalls in drei Stufen um insgesamt 5,4 Prozent. Im Bankgewerbe einigten sich die Tarifparteien auf zwei Erhöhungen von jeweils 2 Prozent bei einer Laufzeit von 29 Monaten. Kürzere Laufzeiten gab es mit 18 Monaten in der Papiererzeugenden Industrie – die Löhne steigen in diesem Zeitraum einmalig um 3 Prozent – und vor allem beim Kabinenpersonal von Eurowings. Dort wurde im Rahmen der Verhandlungen über den Manteltarifvertrag zwischen ver.di und dem Unternehmen auch vereinbart, für die bei ver.di organisierten Flugbegleiter eine Lohnerhöhung von 2 Prozent für neun Monate zu übernehmen, die zuvor bereits die Flugbegleiter-Organisation UFO ausgehandelt hatte.

Im Vergleich zum gleichen Vorjahreszeitraum legte die Konfliktintensität – sie misst, wie stark die Tarifverhandlungen durch Streikdrohungen, Verhandlungsabbrüche oder Warnstreiks eskalieren – deutlich zu: Im 1. Halbjahr 2018 fielen im Durchschnitt je Verhandlung 6,7 Punkte an, im 1. Halbjahr 2019 waren es 10,8 Punkte. Die Druckindustrie kam auf 44 Punkte, gefolgt vom Bankgewerbe mit 33 und den Klinikärzten mit 19 Punkten. Konfliktfrei ging es in drei Branchen zu: in der Papiererzeugenden Industrie, in der ostdeutschen Textilindustrie und bei der Deutschen Post. Dort werden künftig wieder alle Paketzusteller nach dem Haustarifvertrag vergütet. Im zweiten Halbjahr drohen vor allem Konflikte im Flugverkehr durch UFO. Anstehende Verhandlungen in der Chemischen Industrie und im Bauhauptgewerbe (Anpassung des branchenspezifischen Mindestlohns) dürften hingegen eher konfliktfrei verlaufen. In der Chemischen Industrie sind selbst Streikdrohungen selten.