Dieser Anspruch ist mit dem Recht verbunden, wieder zur Vollzeit zurückzukehren. Im Gegenzug erhalten die Unternehmen der Branche mehr Möglichkeiten, mit Mitarbeitern, die dies wollen, längere Wochenarbeitszeiten als die tariflich geregelten 35 Stunden zu vereinbaren. Bei der Deutschen Post wurde ein Wahlmodell eingeführt: Die Beschäftigten entscheiden selbst, ob sie lieber Lohnerhöhungen oder mehr Freiheit haben möchten. Obwohl die Gewerkschaften zumeist 6 Prozent mehr Geld für zwölf Monate forderten, fielen die Abschlüsse sehr differenziert aus. Auf den ersten Blick erzielte die IG Bauen-Agrar-Umwelt mit einem Lohnzuwachs für 2018 von 5,7 Prozent im Westen und 6,6 Prozent im Osten einen Rekordabschluss. Dieser relativiert sich aber, wenn die lange Laufzeit mitberücksichtigt wird. Insgesamt hat die Tariflohndynamik in den ersten Monaten dieses Jahres gegenüber dem Vorjahr spürbar zugenommen. Im März und April stiegen die Tarifverdienste um 2,8 Prozent, im Mai sogar um 4,0 Prozent. 2017 lag der Zuwachs noch bei durchschnittlich 2,1 Prozent. Die neue Dynamik wird sich wohl auch im 2. Halbjahr 2018 fortsetzen. 

Im Vergleich zum Vorjahr verliefen die Tarifverhandlungen weniger kooperativ. Besonders konfliktreich ging es in der Metall- und Elektro-Industrie zu. Hier verursachten die verschiedenen Konflikthandlungen wie Streikdrohungen, Warnstreiks oder juristische Klagen insgesamt 35 Konfliktpunkte. Das ist der höchste Wert seit 2003, dem Jahr des gescheiterten Arbeitskampfes zur Einführung der 35-Stunden-Woche in Ostdeutschland. Im Durchschnitt der 15 analysierten Tarifverhandlungen lag die Konfliktintensität bei 6,7 Punkten. Das ist deutlich höher als der Jahresdurchschnitt im letzten Jahr. 2017 fielen im Durchschnitt 3,5 Punkte je Konflikt an. Diese Tendenz zu weniger kooperativen Verhandlungen könnte sich im zweiten Halbjahr 2018 fortsetzen. Dann drohen vor allem in der Druckindustrie und bei der Fluggesellschaft Ryanair Konflikte. Spannend werden auch die Tarifverhandlungen bei der Deutschen Bahn, wo sich weiterhin keine Kooperation zwischen den rivalisierenden Gewerkschaften andeutet.