Die aktuelle Lage der russischen Wirtschaft ist dramatisch. Um 3,7 Prozent ist die gesamtwirtschaftliche Leistung im Jahr 2015 eingebrochen. Eine Reihe von Faktoren haben zu der Abwärtsspirale beigetragen: darunter die Unsicherheit in Bezug auf die geopolitische Lage, die verhängten Wirtschaftssanktionen sowie der Ölpreisverfall und der damit verbundene Einbruch bei den Einnahmen aus dem Ölgeschäft. Auch wenn die aktuelle Zuspitzung der Wirtschaftskrise in Russland durch diese Faktoren akut beeinflusst wurde, wird die russische Wirtschaft durch eine Vielzahl schwerwiegender Struktur- und Governanceprobleme charakterisiert, die eine große Herausforderung für die wirtschaftliche Erholung und die langfristige Entwicklung Russlands darstellen. Die starke Abhängigkeit von dem Öl- und Gasgeschäft, Korruptionsprobleme, Rückschritte bei der Privatisierung und eine ineffiziente Nutzung des vorhandenen Humankapitals stellen einige Beispiele für Ansatzpunkte dar, die mehr Entschlossenheit vonseiten der Regierung erfordern. Die hohen Einnahmen aus dem Öl- und Gasgeschäft haben die Anreize geschmälert, ernsthafte Reformen in Gang zu setzen, und verhindert, dass die starke Abhängigkeit der russischen Wirtschaft von der Weltkonjunktur und dem Ölpreis verringert wurde.

Die künftigen Wachstumsperspektiven des Landes hängen entscheidend von dem Reformwillen der russischen Regierung ab. Für 2016 prognostiziert der Internationale Währungsfonds (IWF) einen Rückgang der gesamtwirtschaftlichen Leistung von 0,6 Prozent. Auch wenn der IWF für die darauf folgenden Jahre bereits von positiven Wachstumsraten ausgeht, dürfte das Wirtschaftswachstum mit 1,0 bis 1,5 Prozent im mittelfristigen Vergleich sehr gering ausfallen. Damit das Land zurück auf den Wachstumspfad der Vorkrisenzeit kommen kann, müssen weitere Maßnahmen zur Behebung der strukturellen Schwächen der russischen Wirtschaft in Gang gesetzt werden. Dazu gehören mehr Entschlossenheit bei der Bekämpfung der Korruption, die weitere Liberalisierung der Märkte, Privatisierung sowie eine veränderte Anreizstruktur, um Forschung und Entwicklung im Privatsektor zu fördern. Die Wirtschaftspolitik soll die Transformation von einer ressourcenbasierten zu einer innovativen Ökonomie fördern und die entsprechenden Anreize für die Transformation gezielt setzen.

IW Report

Galina Kolev: Strukturelle Schwächen der russischen Wirtschaft

IconDownload | PDF

Ansprechpartner

IW-Report
IW-Report, 11. Oktober 2017

Jürgen Matthes Unternehmensübernahmen durch chinesische Firmen in Deutschland und Europa Arrow

Aktuell wird in Deutschland und auf europäischer Ebene darüber diskutiert, ob es zusätzliche Beschränkungen für Unternehmensaufkäufe durch Firmen aus dem Ausland, vor allem aus China geben soll. Insofern ist ein genauerer Blick auf die ökonomischen Effekte von (möglicherweise subventionierten) Aufkäufen europäischer Unternehmen aus Niedrigtechnologieländern nötig. mehr

Die Politik muss bei chinesischen Übernahmen genauer hinsehen
Gastbeitrag, 10. Oktober 2017

Jürgen Matthes auf Focus Online Die Politik muss bei chinesischen Übernahmen genauer hinsehenArrow

Angesichts zunehmender Übernahmen europäischer Unternehmen durch chinesische Investoren hat die EU-Kommission vorgeschlagen, ausländische Investitionen in Europa künftig genauer zu prüfen. Der Schritt ist sinnvoll, birgt aber Risiken, schreibt IW-Ökonom Jürgen Matthes in einem Gastbeitrag auf Focus Online. mehr

IW-Kurzbericht, 28. August 2017

Christian Rusche Chinesische Investitionen in den deutschen BundesländernArrow

Die Aktivitäten chinesischer Investoren in Deutschland haben seit 2010 deutlich zugenommen. Um Schlüsselindustrien zu schützen, hat die Bundesregierung sogar die Außenwirtschaftsverordnung verschärft. Dabei sind die Bundesländer unterschiedlich stark von chinesischen Übernahmen betroffen. mehr