Die pharmazeutische Industrie in Deutschland ist von spezifischen, institutionellen und regulatorischen Rahmenbedingungen geprägt, welche den Handlungs- und Entwicklungsspielraum der Unternehmen vor Ort definieren. Im Gegensatz zu anderen industriellen Branchen wie dem Fahrzeug- oder Maschinenbau ist die ökonomische Entwicklung der Pharmaindustrie weniger vom allgemeinen Konjunkturverlauf abhängig, auch wenn länger andauernde Abschwungphasen durchaus negativ auf die Preisentwicklung der Branchenerzeugnisse wirken können und vice versa (Kirchhoff, 2016).

Es sind vor allem positive Fundamentaltrends, welche in der Regel die Erwartungen an die zukünftige ökonomische Entwicklung der Pharmaindustrie sowie die wachsende Nachfrage nach pharmazeutischen Erzeugnissen bestimmen. Die steigende Lebenserwartung der Menschen, die positive Wohlstandsentwicklung im Inland, aber auch in vielen ausländischen Absatzmärkten, das zunehmende Gesundheitsbewusstsein der Bevölkerung und der medizinisch-technische Fortschritt erhöhen die Nachfrage nach gesundheitsbezogenen Leistungen und Produkten – der Gesundheitsmarkt wird nicht nur aufgrund dieser Entwicklungen als ein dynamischer Wachstumsmarkt mit guten, langfristigen Aussichten gesehen. Doch neben diesen positiven Impulsen wirken in den letzten Jahren auch schwächende Einflussfaktoren auf die Entwicklung der Branche.

Im Verlauf des Jahrzehnts war das Inlandsgeschäft der Branche eher durch eine tendenziell schwache Dynamik gekennzeichnet. In der Vergangenheit hemmten regulatorische Rahmenbedingungen zunehmend die Pharmaindustrie auf ihrem inländischen Absatzmarkt. So werden die pharmazeutischen Unternehmen durch das erneut verlängerte Preismoratorium und daraus resultierende rückläufige Erzeugerpreise, regulatorische Vorschriften für die Neueinführung und die Nutzenbewertung von Produkten, aber auch durch das geltende System der Festpreise, Rabattverträge und Zwangsabschläge belastet. Zusammengenommen erklärt dies die zuletzt geringe Dynamik im Inlandsgeschäft der Branche und lässt vermuten, dass im Jahr 2016 eine Erholung kaum zu erwarten ist. Hieran wird auch die am aktuellen Rand starke Konsumkonjunktur wenig ändern können. Zum einen hängt die Nachfrage nach Erzeugnissen der pharmazeutischen Industrie überwiegend von den öffentlichen Gesundheitsausgaben ab. Zum anderen sind es langlebige Konsumgüter, die in den letzten Jahren von privaten Haushalten verstärkt nachgefragt wurden. Auch der starke Anstieg der öffentlichen Ausgaben für soziale Leistungen im Jahr 2017 – welche zu einem großen Teil auf die Ausgaben der Gesetzlichen Krankenversicherungen entfallen – wird das Inlandsgeschäft der Branche im besten Fall stabilisieren können (IW-Forschungsgruppe Konjunktur, 2017b).

Der aus den beständigen Veränderungen des Rechtsrahmens resultierende anhaltende Preisdruck auf dem deutschen Gesundheitsmarkt führt folglich zu einer stärkeren Abhängigkeit der Pharmaindustrie von ihren ausländischen Absatzmärkten. So erwirtschaften die pharmazeutischen Unternehmen mittlerweile zwei Drittel ihres Umsatzes im Ausland und sind in besonderem Maße global ausgerichtet. Im Jahr 2016 gestalteten sich die weltwirtschaftlichen Rahmenbedingungen gerade für Exportbranchen schwierig. Hohe wirtschaftspolitische Unsicherheiten prägten das Bild – unter anderem das positive Votum der Briten zum Brexit, die Wahl Donald Trumps zum Präsidenten der USA und wachsende politische Unsicherheiten in Russland und der Türkei sorgten für eine verhaltene Entwicklung des Welthandels, von der auch die Exporte der deutschen Pharmaindustrie betroffen waren. Die USA und Großbritannien zählen neben den Niederlanden zu den drei wichtigsten Hauptabnehmerländern pharmazeutischer Erzeugnisse aus Deutschland (Kirchhoff, 2016).

Zwar hat sich im Laufe des Jahres 2017 die weltwirtschaftliche Lage stabilisiert, und auch der Welthandel verzeichnete eine erste Erholung (IW-Forschungsgruppe Konjunktur, 2017b). Zu berücksichtigen ist aber, dass nach wie vor wirtschaftspolitische Unsicherheiten verbleiben, die auch die Entwicklung der Pharmaindustrie beeinflussen können. Viele der Vorhaben des US-amerikanischen Präsidenten, wie sein Vorgehen bei der Rücknahme der Gesundheitsreform „Obamacare“, sind weiterhin offen, womit ein entsprechendes Risiko für die Pharmaindustrie bleibt. Die wirtschaftliche Situation im Vereinigten Königreich stabilisiert sich zwar im Vergleich zum Jahr 2016 zunehmend, doch die Unsicherheiten über die Bedingungen des zu vollziehenden EU-Austritts bleiben nach wie vor hoch. Und auch in weiteren Ländern des Euroraums sowie in einigen Schwellenländern sind weiterhin politische und wirtschaftliche Risiken zu verzeichnen (IW-Forschungsgruppe Konjunktur, 2017b). Insgesamt verblieb die internationale Nachfrage nach deutschen Pharmaerzeugnissen im Jahr 2016 trotz verbleibender weltweiter wirtschaftspolitischer Unsicherheiten auf einem moderaten Wachstumspfad, der aber hinter den Entwicklungen der Vorjahre zurückblieb. Im laufenden Jahr 2017 ist davon auszugehen, dass die internationale Nachfrage aufgrund der zunehmenden Stabilisierung der weltwirtschaftlichen Lage verhaltene, positive Signale für die Entwicklung der Pharmaindustrie setzt.