Brenkes Berechnungen suggerieren, in Deutschland wären lediglich knapp 580.000 Ingenieure erwerbstätig. Tatsächlich sind es jedoch über 1.600.000 und damit weit mehr als doppelt so viele. Woran liegt das? Brenke ignoriert erstens den gravierenden Unterschied zwischen dem Beruf Ingenieur und dem Bildungsabschluss Ingenieur. Etwa jeder zweite Erwerbstätige mit Bildungsabschluss Ingenieur arbeitet in einem Beruf, der von der Arbeitsmarktstatistik nicht als Ingenieurberuf erfasst wird (Gruppen I und II in Abbildung 1), beispielhaft als Professoren oder Lehrkräfte für technische Fachrichtungen (in der Arbeitsmarktstatistik als Lehrberufe erfasst), als Forschungscontroller oder technischer Vertriebler (wirtschaftswissenschaftliche Berufe), als Geschäftsführer in einem technikaffinen Unternehmen (geschäftsführende Tätigkeit) oder als Patentingenieur (Rechtsberuf).

All diesen Beispielen ist gemein, dass es sich um Tätigkeiten außerhalb des Ingenieurberufs handelt, wie er von der amtlichen Arbeitsmarktstatistik erfasst wird, für deren Ausübung der Abschluss eines Ingenieurstudiums jedoch die Voraussetzung darstellt. So sind das Gros aller Geschäftsführer von Maschinenbauunternehmen Ingenieure, weil das technische Produkt-Know-how von mindestens ebenso großer Bedeutung wie wirtschaftliches Know-how für die Ausübung dieser Tätigkeit ist. Und auch ein Maschinenbauprofessor sollte Maschinenbau studiert haben, wenngleich er in der Logik der Arbeitsmarktstatistik in einem Lehrberuf tätig ist.

IW policy paper

Oliver Koppel: Statement zum Artikel „Ingenieure in Deutschland: Keine Knappheit abzusehen“ von Karl Brenke, erschienen im DIW Wochenbericht Nr. 11/2012

IconDownload | PDF

Ansprechpartner

4. Oktober 2017

Markus Körbel / Sarah Pierenkemper / Michael Zibrowius Personalsuche im AuslandArrow

Deutsche Unternehmen haben auch an ihren Auslandsstandorten oft damit zu kämpfen, dass es an beruflich qualifizierten Mitarbeitern mangelt. Was die Betriebe dagegen tun können, zeigt das IW Köln am Beispiel von sechs Schwellenländern. mehr auf iwd.de

2. Oktober 2017

Alexander Burstedde Fachkräftemangel: Die Kleinen trifft’s am meistenArrow

Kleinere und mittlere Unternehmen haben fast doppelt so häufig Probleme, freie Stellen zu besetzen, wie große Firmen. Um dem Fachkräftemangel in Deutschland zu begegnen, sollten deshalb vor allem mittelständische Betriebe die staatlichen Unterstützungsangebote verstärkt wahrnehmen. mehr auf iwd.de

Gutachten
Gutachten, 28. September 2017

Markus Körbel / Sarah Pierenkemper / Michael Zibrowius Fachkräftesicherung deutscher Unternehmen im AuslandArrow

Die vorliegende Studie untersucht die Ausbildungsstrategien deutscher Unternehmen in Schwellenländern. Anhand teilstrukturierter Interviews wird exemplarisch auf die Erfahrungen von 16 Unternehmen in sechs Ländern eingegangen, um daraus ableitend Handlungsempfehlungen für die Ausbildung und Fachkräftesicherung im Ausland zu formulieren. mehr