Brenkes Berechnungen suggerieren, in Deutschland wären lediglich knapp 580.000 Ingenieure erwerbstätig. Tatsächlich sind es jedoch über 1.600.000 und damit weit mehr als doppelt so viele. Woran liegt das? Brenke ignoriert erstens den gravierenden Unterschied zwischen dem Beruf Ingenieur und dem Bildungsabschluss Ingenieur. Etwa jeder zweite Erwerbstätige mit Bildungsabschluss Ingenieur arbeitet in einem Beruf, der von der Arbeitsmarktstatistik nicht als Ingenieurberuf erfasst wird (Gruppen I und II in Abbildung 1), beispielhaft als Professoren oder Lehrkräfte für technische Fachrichtungen (in der Arbeitsmarktstatistik als Lehrberufe erfasst), als Forschungscontroller oder technischer Vertriebler (wirtschaftswissenschaftliche Berufe), als Geschäftsführer in einem technikaffinen Unternehmen (geschäftsführende Tätigkeit) oder als Patentingenieur (Rechtsberuf).

All diesen Beispielen ist gemein, dass es sich um Tätigkeiten außerhalb des Ingenieurberufs handelt, wie er von der amtlichen Arbeitsmarktstatistik erfasst wird, für deren Ausübung der Abschluss eines Ingenieurstudiums jedoch die Voraussetzung darstellt. So sind das Gros aller Geschäftsführer von Maschinenbauunternehmen Ingenieure, weil das technische Produkt-Know-how von mindestens ebenso großer Bedeutung wie wirtschaftliches Know-how für die Ausübung dieser Tätigkeit ist. Und auch ein Maschinenbauprofessor sollte Maschinenbau studiert haben, wenngleich er in der Logik der Arbeitsmarktstatistik in einem Lehrberuf tätig ist.

IW policy paper

Oliver Koppel: Statement zum Artikel „Ingenieure in Deutschland: Keine Knappheit abzusehen“ von Karl Brenke, erschienen im DIW Wochenbericht Nr. 11/2012

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Erfolgreiche Innovationspolitik ist in erster Linie gleichbedeutend mit einer erfolgreichen Fachkräftesicherungspolitik, konkret im Bereich der besonders innovationsrelevanten MINT-Qualifikationen. Hier hat die Arbeitskräftelücke einen neuen Allzeit-Höchststand erreicht und lag Ende September 2017 bei 290.900 Personen, 42,9 Prozent höher als im Vorjahr. mehr

Regionale Potenziale nutzen
Pressemitteilung, 2. November 2017

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Die deutschen Großstädte boomen, die ländlichen Gegenden veröden. Zwar haben viele Regionen Entwicklungspotenzial, aber sie nutzen ihre Chancen bislang zu wenig, zeigt der Regionale Chancen Monitor (RCM) der IW Consult, einem Tochterunternehmen des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln (IW). mehr