Niedrige Inflationsraten fordern die Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) und der Federal Reserve Bank (Fed) heraus. Während die wirtschaftliche Erholung der Eurozone immer noch schleppend verläuft, wächst die US-Wirtschaft robust und der US-Arbeitsmarkt verbesserte sich soweit Richtung Vollbeschäftigung, dass die Fed ein Ziel ihres dualen Mandats nun erfüllt. Während die US-Inflation immer noch niedrig ist, verhielt sich die Kerninflationsrate aber stabil. Eine Zinserhöhung durch die Fed ist zu erwarten. Die effektive Federal Funds Rate von aktuell 0,14 Prozent erlaubt eine Ausweitung des Zielkorridors auf 0,25 bis 0,50 Prozent, ohne dass das Wirtschaftswachstum beeinträchtigt würde. Eine Zinserhöhung wäre zudem ein starkes Signal, dass die Fed die wirtschaftliche Erholung für ausreichend befindet und dass sie eine Rückkehr der Inflation zu ihren Zielwert im kommenden Jahr erwartet. Es ist aber aufgrund der niedrigen Inflationsrate wenig wahrscheinlich, dass die Fed in der ersten Hälfte des kommenden Jahres ihren Leitzinskorridor noch einmal ausweiten wird bzw. den traditionellen Durchschnittszielwert wiedereinführen wird.

Hingegen erlaubt die wirtschaftliche Erholung der Eurozone noch keine Zinserhöhung. Die Nullzinsschranke schränkt EZB sehr stark ein und ihr Wertpapierkaufprogramm wirkt noch nicht inflationär, da die gleichgewichtigen Realzinsen durch die geringe Investitionsnachfrage noch immer gering sind. Das Wertpapierkaufprogramm der EZB wird erst dann inflationär wirken, wenn die gleichgewichtigen Realzinsen so stark steigen, dass die Finanzierungskosten weiter unterhalb der Investitionsrenditen liegen werden. In der aktuellen Situation kann die EZB deshalb nur verhindern, dass die Preise weiter fallen werden. Damit Inflation und Zinsen auf ein normales Niveau zurückkehren können, muss die Investitionstätigkeit angekurbelt werden. Obwohl der Aufbau einer Europäischen Kapitalmarktunion ein wichtiger Schritt ist, um die europäischen Kapitalmarkte zu reintegrieren und grenzüberschreitende Investitionen zu fördern, sind weitere angebotsseitige Reformen für eine Normalisierung von Inflation und Zinsen erforderlich. Vor dem Hintergrund, dass sich die Inflation noch nicht verbessert hat, ist zu erwarten, dass die EZB ihren Leitzins bei 0,05 Prozent behalten wird und ihr Wertpapierkaufprogramm um mindestens ein Jahr ausdehnen wird.

IW policy paper

Markus Demary / Michael Hüther: IW-Zinsausblick Oktober 2015 – Niedriginflation: Eine Herausforderung für Zentralbanken

IconDownload | PDF

IW policy paper

Michael Hüther / Markus Demary: IW Monetary Outlook October 2015 – Low Inflation: A Challenge for Central Banks

IconDownload | PDF

Ansprechpartner

31. Mai 2017

Michael Grömling 50 Jahre magisches ViereckArrow

Das vor 50 Jahren erlassene Stabilitätsgesetz hat vier ökonomische Ziele in den Fokus gerückt, die von der Wirtschaftspolitik anzustreben sind. Doch wie gut ist es Deutschland seither wirklich gelungen, niedrige Arbeitslosigkeit, geringe Inflation, außenwirtschaftliches Gleichgewicht und stetiges Wirtschaftswachstum in Einklang zu bringen? Das magische Viereck im Überblick. mehr auf iwd.de

IW-Briefing
IW-Briefing, 18. Mai 2017

Michael Grömling Privater Konsum und InflationArrow

Trotz der anziehenden Inflation bleibt der private Verbrauch in den Jahren 2017 und 2018 aufgrund der hohen Arbeitsmarktdynamik der zentrale Träger der deutschen Konjunktur. mehr

In der Falle der niedrigen Zinsen
Gastbeitrag, 27. April 2017

Hubertus Bardt auf n-tv.de In der Falle der niedrigen ZinsenArrow

Die Europäische Zentralbank berät wieder über die Leitzinsen. Sie werden wohl auf ihrem Rekordtief bleiben. Durch diese Politik gerät das zentrale Problem im Euroraum in Vergessenheit: die extrem hohen Staatsschulden. Ein Gastkommentar auf n-tv.de von Hubertus Bardt, Geschäftsführer im Institut der deutschen Wirtschaft Köln. mehr