In vielen Ländern der Eurozone haben Regierungen, Unternehmen und private Haushalte den Prozess der Bereinigung ihrer Bilanzen noch nicht erfolgreich abgeschlossen. Die Schuldenstände sind nach wie vor hoch und drohen bei negativen Entwicklungen, wie dem Entstehen einer Deflation, nicht mehr tragfähig zu werden. Die Situation in einigen Ländern der Eurozone ist vergleichbar mit der eines Patienten, der sich von einer schweren Krankheit erholt, dessen Immunsystem ihn aber noch nicht hinreichend vor weiteren Infektionen schützt.

Trotz der noch instabilen Situation der Eurozone stehen die umfangreichen geldpolitischen Maßnahmen der Europäischen Zentralbank (EZB) in der Kritik. Dieser Beitrag zeigt, dass die aktuelle Geldpolitik der EZB vor dem Hintergrund einer noch nicht überwundenen Bilanzrezession geboten ist. Zudem sind diese Maßnahmen weder ein Abgesang an einen möglichst baldigen Ausstieg aus dem Niedrigzinsumfeld, noch ein Abgesang an eine Fortführung von angebotsseitigen Reformen. Vielmehr müssen das Potentialwachstum der Eurozone steigen und die Inflationserwartungen in die Nähe des geldpolitischen Inflationsziels zurückkehren, um eine erfolgreiche Entschuldung zu ermöglichen und die Bilanzrezession zu beenden. Erst nach Überwindung der Bilanzrezession kann ein erfolgreicher Ausstieg aus dem Niedrigzinsumfeld erfolgen.

Trotz ihrer erheblichen Nebenwirkungen ist die aktuelle ultra-expansive Geldpolitik geboten; es ist aber erforderlich, dass die Politik sämtliche ihrer Nebenwirkungen abmildert. Dazu gehört u.a. eine entschlossene Fortführung der angebotsseitigen Reformmaßnahmen durch die Regierungen der Eurozone.

IW policy paper

Markus Demary / Michael Hüther: Gefährden die unkonventionellen Maßnahmen der EZB den Ausstieg aus dem Niedrigzinsumfeld?

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IW policy paper

Markus Demary / Michael Hüther: Does the ECB’s Unconventional Monetary Policy Endanger the Exit from the Current Low Interest Rate Environment?

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Ansprechpartner

Unternehmensfinanzierung: Zinserhöhung träfe Firmen hart
Pressemitteilung, 20. September 2017

Daniel Bendel / Markus Demary / Michael Voigtländer Unternehmensfinanzierung: Zinserhöhung träfe Firmen hartArrow

Derzeit liegen die Zinsen im Euroraum auf einem Tiefststand. Sollte sich die Europäische Zentralbank (EZB) von ihrer expansiven Geldpolitik verabschieden, könnten viele Firmen in finanzielle Schwierigkeiten kommen, zeigt eine Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln (IW). mehr

IW-Report
IW-Report, 18. September 2017

Daniel Bendel / Markus Demary / Michael Voigtländer How do higher interest rates impact companies’ financial situation?Arrow

Companies’ access to finance has an important impact on their profitability and growth prospects. Without external financing, most firms are not able to invest, which is a prerequisite for economic growth. Unlike in the US, which has a capital market-based financial system, banks are the dominant lenders for firms in the Eurozone. mehr

14. September 2017

Interview mit Markus J. Beyrer „Die Freiheiten in der EU fallen nicht von den Bäumen“Arrow

Die künftige Bundesregierung muss die Fahne des Freihandels hochhalten und sollte den vorhandenen finanziellen Spielraum für mehr Investitionen nutzen, sagt Markus J. Beyrer im iwd-Interview. Der Österreicher ist Generaldirektor der europäischen Vereinigung der Industrie- und Arbeitgeberverbände BusinessEurope, zu dessen Mitgliedern die deutschen Organisationen BDA und BDI gehören. mehr auf iwd.de