Griechenland steht mitten in Umschuldungsverhandlungen mit seinen Privatgläubigern. Womöglich droht sogar ein ungeordneter Staatsbankrott, wenn es die Reformauflagen von IWF und EU nicht erfüllt und in der Folge keine öffentlichen Hilfszahlungen mehr erhält. Vor dieser Entwicklung wird zu Recht gewarnt.

Doch blicken wir zunächst kurz zurück, um die Dimension der aktuellen Lage zu verstehen. Wer hätte sich noch zur Mitte der vorigen Dekade träumen lassen, dass Industrieländer an den Rand des Staatsbankrottes geraten könnten? Schuldenerlasse und Umschuldungen waren etwas für Entwicklungs- und Schwellenländer, aber nicht für die wohlhabenden Nationen und schon gar nicht für Staaten der Eurozone. Leider haben wir uns eines Besseren belehren lassen müssen.

Griechenland, Portugal und Irland waren schon im Jahr 2010 einem Staatsbankrott bedrohlich nahe gekommen. Wenn die Eurostaaten nicht mit Hilfspaketen beigestanden hätten, wären die Zinsen für diese Länder sehr wahrscheinlich so weit gestiegen, dass die Staatsschulden schnell nicht mehr tragfähig gewesen wären. Ein Zahlungsausfall auf den fälligen Schuldendienst an Zinsen und Tilgung – im Finanzmarktjargon Kreditereignis (event of default) genannt – wäre wohl die Folge gewesen. Entweder weil die Krisenstaaten (wie Argentinien Anfang 2002) sich selbst dazu entschieden hätten oder womöglich unfreiwillig, da sie bei Zuspitzung der Lage vom Finanzmarkt kein Geld mehr bekommen hätten, um ihre Schulden fristgerecht bedienen zu können. Dann wären auf breiter Front Umschuldungen nötig geworden, bei denen die Gläubiger den Schuldnerstaaten nach aufwendigen Verhandlungen einen Teil ihrer Forderungen erlassen hätten. Das geschieht in der Regel im Zuge eines Tausches von alten bestehenden in neu ausgegebene Staatsanleihen mit geringerem Wert.

IW policy paper

Jürgen Matthes: Staatsbankrotte und Umschuldungen – Missverständnisse und Fehleinschätzungen prägen das Bild
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