Der Ausschuss für Finanzstabilität hat die Einführung makroprudenzieller Instrumente für die Immobilienfinanzierung vorgeschlagen. Darunter fallen Beschränkungen bei den Beleihungsausläufen, bei der Gesamtverschuldung, bei dem Zins-dienst sowie Anforderungen an die Tilgung. Diese Instrumente sollen Ausfälle bei Krediten verringern und einer Überhitzung des Immobilienmarktes entgegenwirken. Die Bundesregierung plant derzeit unter Berufung auf diese Vorschläge die Schaffung gesetzlicher Voraussetzung für die Einführung dieser Instrumente.

Anders als in vielen anderen Ländern folgt die Finanzierung in Deutschland aber eher dem Vorsichtsprinzip. Hohe Beleihungsausläufe weisen vor allem Haushalte mit höherem Einkommen auf, Haushalte mit geringeren Einkommen finanzieren eher konservativ. Vor allem werden die Schuldendienste im Verhältnis zum Ein-kommen eher moderat gewählt. Für Haushalte mit höheren Einkommen stellen die Einschränkungen einen schwerwiegenden Eingriff in die Vertragsfreiheit dar, der Effekt auf die Finanzstabilität bleibt hingegen eher unbestimmt aufgrund der geringen Risiken bei Haushalten mit wenig Einkommen.

Für Banken bedeuten die Einschränkungen eine Belastung, da Zinseinnahmen reduziert werden. Damit fällt der Eigenkapitalaufbau noch schwerer, was die Robustheit des Finanzsektors beeinträchtigt. Zudem sind die Wirkungen von Basel III noch nicht absehbar, geschweige denn die Wechselwirkungen mit den darin enthaltenen makroprudenziellen Instrumenten für Banken.

Für Deutschland zeigen sich keine makroprudenziellen Risiken. Die Verschuldung der Haushalte ist seit dem Jahr 2000 rückläufig und ein übermäßiges Wachstum von Krediten und Immobilienpreisen ist ebenfalls nicht zu beobachten. Insgesamt könnte die Kreditvergabe in Deutschland sogar ausgeweitet werden. Die makroprudenziellen Instrumente können damit kaum zur weiteren Erhöhung der Finanzstabilität beitragen, hingegen aber schädlich für Banken und Kreditnehmer wirken.

IW policy paper

Daniel Bendel / Markus Demary / Michael Voigtländer: Eine erste Bewertung makroprudenzieller Instrumente in der Immobilienfinanzierung

IconDownload | PDF

Ansprechpartner

IW-Kurzbericht, 23. Juni 2017

Ralph Henger / Michael Voigtländer Bauboom führt zu Engpässen bei GewerbeflächenArrow

Der Immobilienmarkt befindet sich in einer lang anhaltenden Boomphase. Erneut erzielt der Immobilienindex mit einem Lagewert von 86 ein herausragendes Ergebnis. In den Topstandorten hat die hohe Nachfrage jedoch mittlerweile zu spürbaren Engpässen an verfügbaren Flächen geführt. mehr

Veranstaltung, 22. Juni 2017

Symposium Zeit für mehr Wohneigentum?!?Arrow

Angesichts niedriger Zinsen und eines vermehrten privaten Vorsorgebedarfs hat das Wohneigentum an Attraktivität gewonnen. Gleichzeitig gibt es aber Sorgen über eine Überhitzung des Wohnungsmarktes. mehr

Gutachten, 20. Juni 2017

Ralph Henger / Michael Voigtländer / Sarah Daniel Immobilienpolitik 2017 – Die Wahlprogramme im VergleichArrow

Der Abbau von Regulierungshemmnissen ist der beste Weg, um Investitionen in den Bestand und den Neubau anzukurbeln und die dringend erforderliche Entlastung vieler Immobilienmärkte in Großstädten und Ballungsregionen voranzutreiben. Dies geht aus dem Gutachten für den ZIA Zentraler Immobilien Ausschuss hervor. mehr