Studiengebühren sind nicht ungerecht, sie haben im Gegenteil das Potenzial, das Bildungssystem gerechter zu machen:

Hochschulabsolventen erzielen einen hohen privaten Nutzen, der die staatlichen Erträge der akademischen Ausbildung eher noch übersteigt. Einiges deutet darauf hin, dass die gut verdienenden Absolventen die der Allgemeinheit entstandenen Ausbildungskosten nicht über höhere Steuern ausgleichen. Mit Studiengebühren werden dagegen Kosten und Nutzen des Studiums verursachergerecht verteilt. Die künftigen Akademiker leisten mit ihren Gebühren einen Beitrag zu einer besseren Balance zwischen staatlichen Aufwendungen und den erheblichen individuellen Einkommensvorteilen. Bei Gebühren in Höhe von 1.000 Euro bleibt eine hohe staatliche Beteiligung weiterhin bestehen. Damit wird der gesamtgesellschaftliche Nutzen akademischer Ausbildung mehr als ausreichend berücksichtigt.

Steuergelder sollten bevorzugt auf den unteren Bildungsstufen eingesetzt werden. Dort entscheidet sich die Bildungs- und Lebenslaufbahn derjenigen, die von zu Hause wenig materielle und ideelle Unterstützung erfahren. Auf diesen Bildungsstufen ist anzusetzen, um ein allgemeines Niveau an Bildung für alle zu realisieren und damit eine erste Zielmarke für mehr Bildungsgerechtigkeit anzustreben.

Steuergelder zur Finanzierung von Kompensationsmitteln für abgeschaffte Studiengebühren sind sinnvoller in ein Studienfinanzierungssystem investiert, das weniger begüterte Abiturienten und studieninteressierte Berufsbildungsabsolventen gezielt unterstützt. Denn die Studienfinanzierungsfrage insgesamt, nicht die Gebühren im Speziellen, beeinflusst bei diesen jungen Leuten die Entscheidung für oder gegen ein Studium. Eine gezielte finanzielle Unterstützung ist somit ein weiterer Schritt auf dem Weg zur Realisierung der zweiten Zielmarke für mehr Bildungsgerechtigkeit, der Verringerung der sozio-ökonomischen Streuung in den Leistungen der Bildungsteilnehmer.

Nicht zuletzt führen Gebühren nachweislich zu mehr Orientierung an den Interessen und Bedürfnissen der Studierenden und zu einer Steigerung der Ausbildungsqualität. Davon profitieren insbesondere jene, die durch ihr familiäres Umfeld nicht mit dem Hochschulbetrieb vertraut sind. Mit einer solchen Qualitätssteigerung der Kompetenzvermittlung und damit einer Steigerung des Leistungsniveaus wird schließlich der Weg in Richtung der dritten Zielmarke der Bildungsgerechtigkeit beschritten.

IW policy paper

Christiane Konegen-Grenier: Sind Studiengebühren ungerecht? Ein Beitrag zur aktuellen Debatte um die Abschaffung der Studiengebühren
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Gutachten, 26. Oktober 2017

Paula Risius / Lydia Malin / Regina Flake Ausbildung oder Studium? Arrow

Unternehmen können immer mehr Ausbildungsstellen nicht besetzen. Dies birgt die Gefahr, dass gerade kleine und mittlere Unternehmen mittelfristig ihre Ausbildungsaktivitäten zurückfahren, was gravierende Auswirkungen auf die Fachkräftesituation auf dem Arbeitsmarkt hätte. mehr

IW-Trends, 26. Oktober 2017

Regina Flake / Lydia Malin / Paula Risius Bildungsentscheidung von Abiturienten für Ausbildung oder StudiumArrow

Der Anteil der Abiturienten unter den Schulabgängern steigt seit vielen Jahren an. Inzwischen erwirbt mehr als die Hälfte eines Jahrgangs die Hochschulzugangsberechtigung und die Anzahl der Studienanfänger hat sich in den letzten 15 Jahren verdoppelt. Gleichzeitig brechen 29 Prozent ihr Studium vorzeitig ab. Das zeigt, dass die Entscheidung für ein Studium nicht für alle Studienanfänger optimal ist. mehr

IW-DREF-Studentenwohnpreisindex
Gutachten, 2. Oktober 2017

Philipp Deschermeier / Björn Seipelt / Michael Voigtländer StudentenwohnpreisindexArrow

Die stetige Zunahme der Studentenzahlen sowie der Zuzug anderer Bevölkerungsgruppen aus dem In- und Ausland haben zu einer deutlichen Verschärfung der Situation am Wohnungsmarkt geführt. Die Folge sind teils rasant steigende Wohnkostenbelastungen, wie der neue Studentenwohnpreisindex des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln und der Deutschen Real Estate Funds in Kooperation mit ImmobilienScout24 zeigt. mehr