Was Zeit letztlich begrenzt, ist der Tod, der ist gewiss. Doch was führt zum Tod? Die häufigste Todesursache in einkommensstarken Ländern sind Erkrankungen der Herzkranzgefäße (koronare Herzerkrankungen), gefolgt von Schlaganfällen bzw. andere die Blutgefäße des Gehirns betreffende Erkrankungen und gefolgt von Luftröhren- und Lungenkrebs (WHO, 2004). Allerdings sterben wir in der Regel erst nach einem immer längeren Leben. In einkommensschwachen Ländern sind die häufigsten Todesursachen hingegen Infektionen der Atemwege, Herz- und Durchfallerkrankungen und HIV/ AIDS.

Lebenserwartung
Lebenserwartung

Dank besserer Gesundheitssysteme, gesünderer Ernährung und hygienischer Lebensumwelten, ist die Lebenserwartung in reichen Ländern deutlich höher als in ärmeren. Ein 2008 in Deutschland geborenes Kind hat eine Lebenserwartung von 80,2 Jahren, ein in Simbabwe geborenes Kind lebt durchschnittlich nur halb solange! Die Lebenserwartung bei Geburt ist seit 1990 in Deutschland um 4,8 Jahre gestiegen; in Simbabwe ist sie im gleichen Zeitraum um 20 Jahre gesunken: die Folge der katastrophalen wirtschaftlichen und politischen Entwicklung sowie dem dramatisch angestiegenen Anteil an HIV-Infizierten. Vergleicht man 155 Länder über den Zeitraum vom Jahr 1800 bis zum Jahr 2000 (vgl. Grafik), so zeigt sich, dass Wirtschaftswachstum und damit steigendes Pro-Kopf-Einkommen positiv mit der Lebenserwartung korreliert ist. Wirtschaftswachstum kann auch helfen, die Kindersterblichkeit in Entwicklungsländern zu senken – eines der 8 Millenniumsziele. Schließlich lassen sich die meisten Krankheiten, die zum Tod von Kindern führen, bereits mit einfachen Gegenmaßnahmen, wie mehr Hygiene, vermeiden. Richtig eingesetzte Mittel und Investitionen z.B. in Bildung können sowohl Wachstum stimulieren als auch die Lebenserwartung erhöhen.

Unser Zeitproblem in Deutschland speist sich offensichtlich aus anderen Quellen als in armen Ländern. Die Lebenserwartung ist in den letzten Jahren regelmäßig angestiegen. Die wöchentliche Arbeitszeit eines Beschäftigten hat in den letzten knapp 60 Jahren um 10 Stunden pro Woche abgenommen: Die durchschnittliche Wochenarbeitszeit beträgt 38 Stunden (IAB, 2009). Die Zahl der Urlaubstage ist gleichzeitig von 12 Tagen (1950) auf rund 31 Tage (2010) angestiegen. Mehr Freizeit bedeutet offensichtlich dennoch nicht zwangsläufig weniger Stress. 10 Prozent der Deutschen fühlen sich immer gestresst (TK, F.A.Z.-Institut, 2009), 72 Prozent gelegentlich. Die Erfahrung, dass mehr Freizeit mehr Stress bedeuten kann, machen auch Bachelor-Studenten. Durchschnittlich arbeiten sie nur 26 Stunden für die Uni/FH, gut ein Viertel sogar nur 20 und weniger Stunden (Metzger, Schulmeister, 2010). Dass viele Studenten sich trotz des geringen Lernaufwands gestresst fühlen, liegt aber wohl eher an einem schlechten Zeitmanagement und an ungünstigen Stundenplänen, die eine effiziente Zeitnutzung erschweren.

Die Zeit verläuft für alle (objektiv) gleich schnell, wenn man sie mit der Uhr misst. Subjektiv sieht dies dann ganz anders aus – wer kennt dieses Phänomen nicht. Aber mit effizienterer Zeitnutzung alleine ist das Problem nicht gelöst. Es kommt nicht nur darauf an, was man macht, richtig zu machen (Effizienz), sondern auch das Richtige (Effektivität) zu tun. Mit anderen Worten, sich Zeit nehmen, um herauszufinden welche Ziele wichtig sind, kann helfen, die verlorene Zeit und die Zeitdiebe zu finden.

Der Beitrag wurde mit Unterstützung von Frau Anuschka Van Damme (22 Jahre) geschrieben.

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