Wachstum ist der sozialverträglichste Weg aus der Schuldenkrise. Nur über Gewinne können Unternehmen langfristig Beschäftigung für Arbeitnehmer, Zulieferer und Dienstleister sicherstellen und somit zum sozialen Zusammenhalt der Bevölkerung beitragen, betonte das Vorstandsmitglied der Bayer AG, Dr. Pott. Daher versuche sein Unternehmen den großen Megatrends wie demografischer Wandel und Klimawandel durch die Entwicklung innovativer und nachhaltiger Produkte zu begegnen.

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Prof. Hüther verdeutlichte in seinem Rückblick auf die Wirtschaftsgeschichte, dass Wirtschaftskrisen und Stagnation kein neues Phänomen sind. Bereits in der vorindustriellen Zeit hatte man zum Beispiel mit Agrarkrisen (Teuerungs- und Hungerkrisen) und Spekulationskrisen zu kämpfen. Die Tulpenmanie im 17. Jahrhundert ist die erste gut dokumentierte Spekulationsblase der Wirtschaftsgeschichte, die am 7. Februar 1637 platzte. Beim Warenhandel, bei Finanzierungsinstrumenten, im Wechselverkehr oder auch beim Handel mit Staatsschuldtiteln sind immer wieder Spekulationskrisen aufgetreten oder zu erwarten. Im Laufe der Zeit ist der Zusammenhang von Handelskrisen und wirtschaftlicher Entwicklung jedoch enger und globaler geworden. Technischer Fortschritt erfordert laufend höhere Kapitalvorschüsse, die nur bei der Erwartung steigender Absatzpreise fließen. Enttäuschte Absatzerwartungen – wie bei der Immobilienkrise auch – lassen Preise fallen und Kredite faul werden. Die Folgen sind und waren Fabrikschließung und Arbeitslosigkeit. Solche zyklischen Krisen sind bei regionalen Auswirkungen als Anpassungsschübe im Strukturwandel unvermeidbar und auch akzeptiert. Bei großen systemischen Risiken hingegen ist die Politik gefordert, den Schaden zu begrenzen. Allerdings jeweils mit dem Ziel wieder auf einen höheren Wachstumspfad zu gelangen. Wachstum kann dabei quantitativ oder qualitativ sein, beides dient letztlich der Wohlstandsmehrung. Dabei sind eine größere Anpassungsfähigkeit der Wirtschaftsordnung und eine höhere Risikoakzeptanz der Individuen durch die Globalisierung und den starken Standortwettbewerb gefordert.

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Prof. Binswanger machte in seinem Vortrag dann deutlich, dass es durch diese Beschleunigung zu „Tretmühlen des Glücks“ gekommen sei. Jeder einzelne müsse für sich prüfen, ob nicht weniger manchmal mehr sei. Nach zwei anregenden Podiums- und Plenumsdiskussionen im Anschluss an die Vorträge waren sich die Podiumsteilnehmer am Ende der Veranstaltung zumindest insoweit einig, dass Wirtschaft und Politik gemeinsam gefordert sind, wirtschaftliches Wachstum mit der Verantwortung für Gesellschaft und Umwelt in Einklang zu bringen. Eine Gesellschaft ohne Wachstum würde letztlich ihre sozialen Strukturen einfrieren. Zentrale Gerechtigkeitsforderungen wie Chancengerechtigkeit könnten kaum noch erfüllt werden, da es zu Null-Summenspielen kommt, sprich einer nur soviel gewinnen kann, wie ein anderer verliert. Wachstum eröffnet hingegen Gestaltungsspielräume, auch für Sozialpolitik.

Vorträge und weitere Impressionen zur Veranstaltung finden Sie unter: http://www.wirtschaft-und-ethik.de

Ansprechpartner

22. November 2017

Adriana Neligan Das Plastik-ProblemArrow

Um der Berge an Plastikmüll Herr zu werden, will die EU im Dezember eine Kunststoffstrategie veröffentlichen. Viel zu tun gibt es allemal. mehr auf iwd.de

16. November 2017

Berit Schmiedendorf Die Küche bleibt immer öfter kaltArrow

Allein die deutschen Nahrungsmittelhersteller bringen jedes Jahr rund 40.000 neue Produkte auf den Markt. Insgesamt können Verbraucher aus mehr als 170.000 Lebensmitteln und Zutaten ihren persönlichen Speiseplan zusammenstellen. Das Angebot an Nahrungsmitteln ist gigantisch, doch immer weniger Menschen kochen regelmäßig. mehr auf iwd.de

Realeinkommen
Pressemitteilung, 26. Oktober 2017

Judith Niehues Realeinkommen: Auch die unteren Einkommen legen zuArrow

Es ist ein gefundenes Fressen für Schwarzmaler: Die Einkommen der ärmsten 40 Prozent der Deutschen seien seit der Wiedervereinigung real kaum gestiegen. Doch eine neue Studie des IW Köln zeigt, dass dieser Befund wenig robust ist. mehr