In den letzten Jahren ist die Aufgabenteilung in den Familien zunehmend in den Fokus des öffentlichen Interesses gerückt. So wird unter dem Schlagwort der „Partnerschaftlichkeit“ darüber diskutiert, wie eine gleichere Aufgabenteilung von Müttern und Vätern erreicht werden kann. Ziel ist dabei, den Müttern eine stärkere Erwerbsbeteiligung zu ermöglichen, die ihnen gute Berufsperspektiven und finanzielle Unabhängigkeit sichert. Gleichzeitig sollen die Väter für eine stärkere Beteiligung bei der Haus- und Familienarbeit gewonnen werden (vgl. Schwesig, 2016). Dabei wird kaum in den Blick genommen, dass die familiären Aufgaben nicht allein von den Müttern und Vätern erledigt werden müssen, sondern auch Kinder mit eingebunden werden können. Diese sind nach §1619 BGB sogar gesetzlich verpflichtet, sich an der Hausarbeit zu beteiligen.

Wie stark junge Menschen im Teenageralter heute im Haushalt ihrer Eltern mitarbeiten, lässt sich anhand einer eigenen Auswertung der Zeitverwendungserhebung des statistischen Bundesamts ermitteln. Sie basiert auf einer repräsentativen Stichprobe an Haushalten, deren Mitglieder jeweils drei Tage lang Tagebuch darüber führen, welchen Aktivitäten sie zu welchen Uhrzeiten nachgegangen sind. Die aktuellsten verfügbaren Daten stammen aus einer Erhebung in den Jahren 2012/2013. Als Haushaltstätigkeiten werden im Folgenden alle Hauptaktivitäten gezählt, die der üblichen Abgrenzung zufolge in den Bereich „Haushaltsführung und Betreuung der Familie“ fallen. Einzige Ausnahme bildet der Unterbereich „Einkaufen und Inanspruchnahme von Fremdleistungen“, da es sich hierbei nicht unbedingt um Mithilfe im Haushalt handelt. Somit werden nicht nur Haushaltstätigkeiten im engeren Sinne, wie Kochen, Putzen und Waschen, sondern auch Gartenarbeit, Renovierungen und Ähnliches mit-berücksichtigt.

Nur ein kleiner Teil der Teenager, die noch zuhause wohnen, hat im Beobachtungszeitraum keine solchen Tätigkeiten erledigt. Nimmt man auch diejenigen mit in den Blick, die sich mit durchschnittlich weniger als 15 Minuten am Tag nur in geringem Maße an der Hausarbeit beteiligen, liegt der Anteil der nicht oder wenig Aktiven bei den 12- bis 14-jährigen Jungen bei 31,4 Prozent und bei den Mädchen in dieser Altersgruppe bei 23,0 Prozent. Im Beobachtungszeitraum der Zeitbudgeterhebung 2001/2002 traf dies lediglich auf 25,5 Prozent der Jungen und 15,7 Prozent der Mädchen in dieser Altersgruppe zu. Bei den 15- bis 17-Jährigen liegen die Anteile in den Jahren 2012/2013 mit 39,3 Prozent der Jungen und 23,1 Prozent der Mädchen sogar noch höher und auch hier zeigt sich ein deutlicher Anstieg. 2001/2002 galt dies nur für 31,0 Prozent der Jungen und 11,2 Prozent der Mädchen.

Hingegen ist der Anteil der Mädchen, die mit im Schnitt über 45 Minuten sehr viel Hausarbeit leisten, deutlich gesunken. Galt das im Beobachtungszeittraum 2001/2002 noch für 55,9 Prozent der 12- bis 14-Jährigen und sogar 68,2 Prozent der 15- bis 17-Jährigen, traf dies 2012 / 2013 nur noch auf 45,8 Prozent der 12- bis 14-Jährigen und 45,7 Prozent der 15- bis 17-Jährigen zu. Auch bei den Jungen ist ein spürbarer Rückgang zu verzeichnen, von 39,6 auf 31,9 Prozent bei den 12- bis 14 Jährigen und von 36,0 auf 29,5 Prozent bei den 15- bis 17 Jährigen.

Es ergibt sich also insgesamt eine leichte Konvergenz der Beteiligung männlicher und weiblicher Teenager im Haushalt. Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Jugendliche heute deutlich weniger im Haushalt mitarbeiten als noch zu Beginn der 2000er-Jahre, wobei insbesondere die Aktivität der Mädchen deutlich zurückgegangen ist. Bemerkenswert ist zudem, dass heutzutage mit zunehmendem Alter der Jugendlichen keine (spürbare) Zunahme der Aktivitäten im Haushalt zu beobachten ist, obschon diese mit zunehmender Eigenständigkeit eigentlich in der Lage wären, größere Teile der familiären Aufgaben zu übernehmen.

Betrachtet man anstatt der Jugendlichen junge Erwachsene, die noch bei ihren Eltern leben, liegen mit dem Sozio-oekonomischen Panel (Wagner et al., 2007) sogar aktuellere Daten zur Beteiligung im Haushalt vor. Dabei beruhen die Ergebnisse in diesem Fall nicht auf einer Auswertung von Tagebüchern, sondern auf direkten Fragen zum zeitlichen Umfang der Hausarbeit in Stunden. Zudem wird Hausarbeit hier enger gefasst und umfasst nur Kochen, Putzen und Waschen, nicht jedoch Reparaturen am Haus sowie Gartenarbeit.

Einer eigenen Auswertung der aktuellsten verfügbaren Daten für das Jahr 2015 zufolge, verrichten 48,3 Prozent der bei den Eltern lebenden Männer zwischen 18 und 20 Jahren an Werktagen keine, 42,1 Prozent eine Stunde lang und 9,6 Prozent länger als eine Stunde Hausarbeit. An Samstagen liegen die Anteile bei 43,9 Prozent keine, 44,0 Prozent eine Stunde und 12,1 Prozent mehr als eine Stunde Hausarbeit. Auch wenn junge Männer damit nach wie vor nur in relativ geringem Umfang im Haushalt mitarbeiten, ist ihre Beteiligung diesen Ergebnissen zufolge in den letzten 10 Jahren deutlich gestiegen. Im Jahr 2005 lag der Anteil derer, die keine Hausarbeit verrichteten, noch bei 56,0 Prozent werktags und 55,5 Prozent Samstag; derer, die eine Stunde aktiv waren, bei 37,6 Prozent werktags und 30,6 Prozent samstags und derer, die mehr als eine Stunde Hausarbeit verrichteten, nur bei 6,4 Prozent werktags und 13,9 Prozent samstags.

Völlig anders stellt sich die Lage bei den jungen Frauen zwischen 18 und 20 Jahren, die noch bei ihren Eltern leben, dar. Arbeiteten 2005 noch 19,5 Prozent von ihnen werktags und 32,1 Prozent samstags länger als eine Stunde im Haushalt, so waren es 2015 nur noch 11,9 Prozent werktags und 23,1 Prozent samstags. Hingegen stieg der Anteil derer, die keine Hausarbeit verrichten, werktags von 30,5 auf 32,7 Prozent und samstags von 29,2 auf 34,8 Prozent. Die Anteile derer, die eine Stunde Hausarbeit verrichten, lag 2005 bei 50,0 Prozent werktags und 38,7 Prozent samstags und 2015 bei 11,9 Prozent werktags und 23,1 Prozent samstags. Damit bestätigen diese Ergebnisse, dass die Beteiligung von Töchtern im Haushalt substanziell gesunken ist, während sich hier sogar eine steigende Beteiligung der älteren Söhne zeigt.

Insgesamt zeigt sich damit, dass Töchter heute in wesentlich geringerem Umfang zu familiären Aufgaben herangezogen werden als noch vor zehn Jahren. Dies weist darauf hin, dass sich die Rollenbilder in den Familien gewandelt haben und nicht mehr so stark zwischen Jungen und Mädchen differenziert wird. Damit dürften auch geschlechterspezifisch unterschiedliche Prägungen für den weiteren Lebensweg an Bedeutung verlieren, was einen zentralen Beitrag dazu leisten kann, dass die Kinder später in ihren eigenen Familien eine gleichere Aufgabenteilung zwischen Mann und Frau umsetzen. Vor diesem Hintergrund sollte es mit der Zeit automatisch zu einer weitergehenden Gleichstellung von Mann und Frau kommen, ohne dass gezielte Maßnahmen ergriffen werden müssen, um diese weiter zu fördern.