Der zur Eindämmung der Corona-Pandemie erfolgte Lockdown hat die sozialen Strukturen in Deutschland dramatisch verändert. So wurden die persönlichen Kontakte zu Personen außerhalb des eigenen Haushalts auf ein Minimum reduziert, was gleichzeitig dazu geführt hat, dass die mit den anderen Haushaltsmitgliedern gemeinsam verbrachte Zeit deutlich zugenommen hat. Vor diesem Hintergrund hängt es derzeit noch deutlich stärker als zu normalen Zeiten von der Zusammensetzung der Haushalte ab, wie die Familien in Deutschland ihr Leben gestalten können. Etwa haben Einzelkinder meist keinen Zugang zu Spielkameraden in einem ähnlichen Alter, während dies bei den anderen Kindern in der Regel die Geschwister sein können, auch wenn das Verhältnis konfliktbelastet sein kann (Geis-Thöne, 2020). Noch schwieriger ist die Lage, wenn nur ein Erwachsener im Haushalt lebt, da er neben seinen gegebenenfalls bestehenden beruflichen Verpflichtungen die Betreuung der Kinder nun komplett allein realisieren muss.

Dabei greifen Alleinerziehende zu normalen Zeiten in weit stärkerem Maß auf institutionelle Betreuungsangebote zurück als Paarfamilien, wie eine eigene Auswertung der im Sozio-Oekonomischen Panel (SOEP, Goebel et al., 2019) erhobenen Betreuungszeiten von Fünf- bis Sechsjährigen in den Jahren 2016 bis 2018 zeigt. Ihr zufolge besuchten rund 61 Prozent der Kinder von Alleinerziehenden mindestens 35 Stunden in der Woche eine Kita oder eine Kindertagespflege, wohingegen es bei den Kindern aus Paarfamilien nur 43 Prozent waren. Eine institutionelle Betreuung im Umfang von 45 Stunden und mehr erhielten 23 Prozent der Kinder von Alleinerziehenden und 6 Prozent der Kinder aus Paarfamilien in diesem Alter. Kinder, die laut Angabe der Eltern keine Kita oder Tagespflege besuchten, blieben bei der Ermittlung dieser Anteile außer Acht.

Neben den Kitas und Tageseltern spielen in der normalen Alltagsgestaltung von Alleinerziehenden auch andere nicht-institutionelle Betreuungsarrangements außerhalb des Haushalts eine deutlich größere Rolle als für Paarfamilien. So wurden in den Jahren 2016 bis 2018 rund 52 Prozent der fünf- bis sechsjährigen Kinder von Alleinerziehenden in diesen Kontexten 10 Stunden und mehr in der Woche betreut, wohingegen dies nur auf 17 Prozent der Kinder von Paarfamilien zutraf. Lässt man die Betreuung durch nicht im Haushalt lebende Elternteile, die auch bei den zu den Paarfamilien zählenden Stieffamilien auftritt, außer Acht, reduziert sich der Anteil bei den Alleinerziehenden deutlich auf 27 Prozent, liegt damit aber immer noch fast doppelt so hoch wie bei den Paarfamilien mit 15 Prozent. Nimmt man nur die Betreuung durch die Großeltern in den Blick, liegt diese im betrachteten Zeitraum bei 16 Prozent der Kinder von Alleinerziehenden und 12 Prozent der Kinder von Paarfamilien bei 10 Stunden und mehr in der Woche (SOEP_V35; eigene Berechnungen).

Neben der Übernahme von Betreuungszeiten ist das soziale Netzwerk für die Alleinerziehenden auch in weiterer Hinsicht wichtiger als für die Paarfamilien. So haben sie, insbesondere wenn die Kinder noch klein sind, in der Regel niemanden im Haushalt, mit dem sie Gespräche unter Erwachsenen führen können und der sie bei der Lösung ihrer Probleme unterstützt. Vor diesem Hintergrund pflegen alleinerziehende Mütter unter normalen Umständen häufig auch intensivere Kontakte mit Freunden, Verwandten oder Nachbarn als Mütter in Paarfamilien. So trafen sich den Angaben im SOEP zufolge im Jahr 2017 rund 63 Prozent der alleinerziehenden Mütter, deren ältestes Kind unter acht Jahre alt war, mindestens einmal wöchentlich mit diesem Personenkreis zu einem geselligen Beisammensein, wohingegen das nur auf 53 Prozent der Mütter in Paarfamilien zutraf. Betrachtet man alle Mütter, womit hier und im Folgenden nur die Frauen mit minderjährigen Kindern gemeint sind, liegen die Werte mit 51 Prozent für die Alleinerziehenden und 48 Prozent für die Mütter in Paarfamilien allerdings nahe beieinander (SOEP_V35; eigene Berechnungen).

Trotzdem fühlen sich viele der Alleinerziehenden auch bereits in normalen Zeiten häufig allein. Wie die Abbildung zeigt, stimmten der Aussage “Ich fühle mich oft einsam“ in der Befragung zum SOEP im Jahr 2018 rund 36 Prozent der alleinerziehenden Mütter, aber nur 12 Prozent der Mütter in Paarfamilien zu. Hinzu kommt auch bereits ohne die während des Lockdowns fehlenden Betreuungsmöglichkeiten häufig ein Gefühl von Überforderung. Dies lässt sich an der Aussage „Die Verhältnisse sind so kompliziert geworden, dass ich mich fast nicht mehr zurecht finde“ festmachen, zu der sich die Befragten im SOEP 2018 mit Blick auf ihre persönliche Situation positionieren sollten. 18 Prozent der alleinerziehenden Mütter gaben an, dass dies zuträfe, wohingegen der Wert bei den Müttern in Paarfamilien mit 9 Prozent nur halb so hoch lag.