Die Corona-Pandemie hat internationale Wanderungsbewegungen deutlich erschwert. Ein großes Problem ist vor dem Hintergrund der Einschränkungen im Reiseverkehr, der Ausfälle bei internationalen Transportmitteln und der Quarantäneauflagen bei Einreise etwa der Umzug zwischen zwei Ländern. Daher war im Jahr 2020 ein starker Einbruch bei der Zuwanderung zu erwarten, der sich auch bei den Zuzügen von Ausländern zeigt. Diese sind laut der auf dem Ausländerzentralregister basierenden Ausländerstatistik gegenüber dem Vorjahr von 923.000 auf nur noch 740.000 zurückgegangen. Auch ist die Nettozuwanderung von Ausländern von 377.000 Personen im Jahr 2019 auf 262.000 im Jahr 2020 gesunken (Statistisches Bundesamt, 2021a). Allerdings lässt sich, wie im Folgenden aufgezeigt, nicht bei allen Zuwanderungsformen ein klarer, stark negativer Corona-Effekt feststellen.

Zuwanderung im Kontext der Freizügigkeit

Betrachtet man die Zuwanderung von Personen mit Staatsangehörigkeiten der anderen EU-Mitgliedsstaaten (ohne das Vereinigte Königreich), ist bei den Zuzügen zwischen den Jahren 2019 und 2020 zwar ein Rückgang von 456.000 auf 413.000 zu verzeichnen, die Nettozuwanderung hat sich jedoch kaum verändert und lag im Jahr 2020 mit 115.000 gegenüber 113.000 im Jahr 2019 sogar etwas höher. Auch fügt sich der Rückgang bei den Zuzügen sehr gut in die längerfristige Entwicklung ein und stellt hier keinen Bruch dar. So lagen die Werte im Jahr 2017 noch bei 691.000 und im Jahr 2018 bei 505.000 (Statistisches Bundesamt, 2021a; eigene Berechnungen). Dabei ist es in den Jahren zwischen 2016 und 2018 allerdings in größerem Maße zu Verzögerungen und Korrekturen bei den Meldungen im Ausländerzentralregister gekommen, sodass die Ausländerstatistik im Hinblick auf die zeitliche Zuordnung von Wanderungsbewegungen verzerrt sein kann (Statistisches Bundesamt, 2021b).

Für die Fachkräftesicherung war im letzten Jahrzehnt vor allem die (Netto-) Zuwanderung aus den neuen EU-Mitgliedsstaaten von großer Bedeutung. Jedoch ist sie, wie die Abbildung zeigt, seit dem Jahr 2017 wieder stark rückläufig und vor dem Hintergrund der demografischen Lage in diesen Ländern ist mit einer Fortsetzung dieser Entwicklung zu rechnen (Geis-Thöne, 2020). In diesem Kontext war die Abnahme zwischen den Jahren 2019 und 2020 eher gering, was unter Umständen auch mit der Corona-Pandemie in Zusammenhang stehen könnte, die europaweit zu Verwerfungen an den Arbeitsmärkten geführt hat.