In den Jahren 2015 und 2016 sind insgesamt rund 1,2 Millionen Flüchtlinge nach Deutschland gekommen (BMI, 2017a). Das entspricht mehr als einem Prozent der deutschen Gesamtbevölkerung. Diese große Zahl hat zunächst zu massiven Problemen beim zuständigen Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) geführt, sodass es zu langen Wartezeiten bei der Stellung und Bearbeitung der Asylanträge kam. Inzwischen hat sich die Lage zwar deutlich entspannt hat, dennoch warteten Ende Februar 2017 noch 333.815 Asylbewerber auf eine Entscheidung (BMI, 2017b). Beschieden wurden in den Jahren 2015 und 2016 insgesamt rund 980.000 Verfahren. Flüchtlingsschutz – darunter fallen Asyl, Flüchtlingsschutz nach Genfer Konvention, subsidiärer Schutz und nationale Abschiebeverbote – wurde 570.000 Personen gewährt, was einem Anteil von 58,7 Prozent entspricht (BAMF, 2016, 2017a). Inzwischen ist also ein großer Teil der Flüchtlinge am deutschen Arbeitsmarkt angekommen.

Allerdings tun sich viele der Flüchtlinge noch schwer damit, einen passenden Arbeitsplatz zu finden. So waren im Januar 2017 zwar bereits insgesamt 80.096 Personen aus den vier Flüchtlingsherkunftsländern Afghanistan, Eritrea, Irak und Syrien sozialversicherungspflichtig beschäftigt. Die Zahl der Arbeitslosen lag mit 163.056 jedoch mehr als doppelt so hoch (Bundesagentur für Arbeit, 2016a). Dabei stellt sich die Lage in den einzelnen Bundesländern etwas unterschiedlich dar. So lag die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten im August 2016 – aktuellere Länderdaten sind noch nicht verfügbar – in Bayern mit 14.638 am höchsten, gefolgt von Nordrhein-Westfalen mit 12.510 und Baden-Württemberg mit 7.932 (Bundesagentur für Arbeit, 2017b). Hingegen lag die Zahl der Arbeitslosen im Februar 2017 in Nordrhein-Westfalen mit 48.985 am höchsten, gefolgt von Niedersachsen mit 19.502 und Bayern mit 15.648 (Bundesagentur für Arbeit, 2017b).

Dass sich die Integration der Flüchtlinge in den deutschen Arbeitsmarkt sehr schwierig gestaltet, liegt insbesondere an ihrem häufig sehr niedrigen Qualifikationsniveau. So verfügen nur 19 Prozent der erwachsenen Flüchtlinge über einen berufsqualifizierenden Abschluss; 6 Prozent haben einen beruflichen und 13 Prozent einen Hochschulabschluss (Brücker et al., 2016). Dabei bestehen häufig auch Lücken in der schulischen Ausbildung. Nur 55 Prozent der erwachsenen Flüchtlinge haben einen Mittelschulabschluss oder einen weiterführenden Schulabschluss erworben, während 9 Prozent keine Schule besucht und 24 Prozent diese ohne Abschluss verlassen haben (Brücker et al., 2016). Hinzu kommt, dass die Flüchtlinge bei ihrer Einreise in der Regel noch kein Deutsch sprechen und erst grundlegende Sprachkenntnisse erwerben müssen, bevor sie eine Erwerbstätigkeit aufnehmen oder eine weiterführende Qualifizierungsmaßnahme beginnen. Vor diesem Hintergrund braucht eine erfolgreiche Integration in den Arbeitsmarkt sehr viel Zeit.

Um eine zügige und erfolgreiche Integration zu erreichen, sollten alle Flüchtlinge, bei denen nicht eine unmittelbare Rückkehr in die Heimatländer zu erwarten, ist, zeitnah nach ihrer Ankunft in Deutschland Deutschkenntnisse erwerben. Die Öffnung der Integrationskurse für Asylbewerber mit guter Bleibeperspektive ist hier ein Schritt in die richtige Richtung, reicht aber bei Weitem nicht aus. So sollten alle Asylsuchenden, die nicht aus sicheren Herkunftsländern stammen, bereits in den ersten drei Monaten einen Rechtsanspruch auf einen Integrationskurs erhalten und gleichzeitig zur Teilnahme verpflichtet werden. Damit könnte zeitnah eine gemeinsame Kommunikationsbasis mit der einheimischen Bevölkerung geschaffen werden, die nicht nur die Integration in Arbeitsmarkt und Bildungssystem sondern auch den Umgang mit Behördenmitarbeitern und die Gestaltung des Alltags in Deutschland erleichtert.

Der zweite Schritt sollte die Qualifizierung der Flüchtlinge sein, da am deutschen Arbeitsmarkt vorwiegend Bedarf an gut ausgebildeten Fachkräften besteht und sich diesen deutlich bessere Erwerbsperspektiven bieten als An- und Ungelernten. Dabei kommt den Flüchtlinge zugute, dass sie meist noch relativ jung sind. Im Jahr 2016 waren 37,6 Prozent der Asylbewerber zwischen 18 und 30 Jahre alt und 36,2 Prozent sogar noch minderjährig (BAMF, 2017b). Das bedeutet, dass für die meisten von ihnen nicht nur spezielle Qualifizierungsmaßnahmen für ältere Zuwanderer sondern auch grundständige Berufsausbildungsgänge in Deutschland infrage kommen. Allerdings ist die Integration der Flüchtlinge in die betriebliche Ausbildung nicht ganz einfach, da oftmals Lücken bei den Deutschkenntnissen und der schulischen Bildung bestehen, die Flüchtlinge sich manchmal mit der deutschen Arbeitsmentalität schwer tun und den Wert der betrieblichen Ausbildung nicht unmittelbar erkennen.

Daher ist eine gezielte Vorbereitung auf die betriebliche Ausbildung von großer Bedeutung. Besonders hilfreich ist die Einstiegsqualifizierung, in deren Rahmen Ausbildungsbewerber, die ansonsten keinen Ausbildungsplatz finden, bereits vor Beginn des regulären Ausbildungsverhältnisses 6 bis 12 Monate lang im Ausbildungsbetrieb mitarbeiten und so berufsspezifische Fähigkeiten erwerben und den Betrieb von ihrer Eignung für die Ausbildung überzeugen können. Im Dezember 2016 durchliefen insgesamt 12.172 Personen in Deutschland eine Einstiegsqualifizierung von denen 3.526 Flüchtlinge waren. Das entspricht einem Anteil von 29,0 Prozent. Die höchste Zahl an Flüchtlingen in der Einstiegsqualifizierung gab es in Bayern mit 731 gefolgt von Nordrhein-Westfalen mit 632 (siehe Abbildung). Auch insgesamt lag die Zahl der Flüchtlinge in arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen im Bereich Berufswahl und -ausbildung in Bayern mit 2.054 am höchsten.

Dabei gibt es eine Vielzahl unterschiedlicher Maßnahmen, die Flüchtlinge entweder auf eine berufliche Ausbildung oder den direkten Einstieg in den Arbeitsmarkt vorbereiten sollen. Diese sind häufig erst vor dem Hintergrund des starken Flüchtlingszuzugs der letzten zwei Jahre entstanden oder angepasst worden. Haben die ersten Flüchtlinge diese Maßnahmen durchlaufen, sollten sie dringend einer kritischen Evaluation unterzogen werden. Zeigen einzelne Maßnahmen sehr positive Ergebnisse, sollten sie verstetigt und ausgebaut werden. Ist der Erfolg einzelner Maßnahmen fraglich, sollten sie nicht weitergeführt und die entsprechenden Mittel in erfolgreichere Maßnahmen investiert werden. Dabei können die Erfahrungen mit den Flüchtlingen auch helfen, die Angebote für andere Zielgruppen arbeitsmarktpolitischer Maßnahmen zu verbessern. Insgesamt sollte die Aufnahme einer Erwerbstätigkeit oder einer Ausbildung grundsätzlich bereits während des Asylverfahrens gefördert und gefordert und nicht gehemmt werden, wenn sich absehen lässt, dass die betreffenden Personen nicht zeitnah wieder ausreisen werden.

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