Hintergrund

„Not am Mann“ – unter dieser Überschrift veröffentlichte das Berlin-Institut im Jahr 2007 eine vielbeachtete Studie (Köhnert/Klingholz, 2007). Sie zeigte auf, dass damals überproportional viele jungen Frauen aus den neuen Bundesländern abgewandert waren und sich die Aussichten für die in den wirtschaftsschwachen ostdeutschen Gebieten verbleibenden jungen Männer sowohl am Arbeitsmarkt als auch bei der Partnerfindung sehr ungünstig gestalteten. Diese Perspektivlosigkeit führte zu großen sozialen Problemen. So war der Studie zufolge in den stark von der Abwanderung junger Frauen betroffenen Gebieten der Zuspruch zu rechten Parteien besonders hoch. Im Jahr 2012 veröffentlichte das Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung eine weitere Studie zu diesem Thema (Kühntopf/Stedtfeld, 2012), die die Ergebnisse des Berlin-Instituts im Wesentlichen bestätigte.

Entwicklung der Abwanderung von Ost nach West

Das Phänomen der Ost-Westwanderung ist in den aktuellen Wanderungsdaten zwar immer noch persistent, allerdings sind die Zahlen in den letzten Jahren deutlich zurückgegangen. So war für das Jahr 2014 per Saldo nur noch eine Ost-Westwanderung (jeweils ohne Berlin) von 3.300 Personen zu verzeichnen. Das ist mit Abstand der geringste Wert seit der Wiedervereinigung. Im gesamten Zeitverlauf seit dem Jahr 1991 ist die Ost-Westwanderung zunächst von einem Wert von rund 165.000 (jeweils Nettowerte) auf insgesamt 25.000 Personen im Jahr 1996 zurückgegangen, dann im Zuge der schwierigen wirtschaftlichen Lage in den neuen Bundesländern bis 2001 erneut bis auf 98.000 angestiegen und seither wieder sukzessive gesunken (Statistisches Bundesamt 2005, 2016). Dabei ist diese Entwicklung nicht allein von einer Abnahme der Zahl abwandernder Personen, sondern auch von zunehmenden Rückwanderern getragen (vgl. Fuchs/Weyh, 2016).

Trotz des deutlichen Rückgangs der Ost-Westwanderung insgesamt verlieren nach wie vor viele ländliche Kreise in Sachsen-Anhalt, Sachsen und Thüringen sowie dem südlichen Brandenburg stark an Bevölkerung. Bevölkerungsverluste durch Wanderungsbewegung sind allerdings kein rein ostdeutsches Thema, sondern betreffen auch einige Regionen im Westen, insbesondere im nördlichen Bayern. Die stärkste Abwanderung verzeichnete im Jahr 2014 der Landkreis Fürth mit 4,2 Personen je 1.000 Einwohnern. Allerdings handelt es sich hierbei um einen Sondereffekt aufgrund einer Anpassung der Meldeweise der Erstaufnahmeeinrichtung in Zirndorf. An zweiter Stelle folgte der Elbe-Elster-Kreis in Brandenburg mit 3,7 und an dritter die Stadt Würzburg mit 3,4 Personen (Statistische Ämter des Bundes und der Länder, 2016).

Abwanderung aus Ostdeutschland

Wanderungssaldo je 10.000 Einwohner und Männeranteil in Prozent der 20- bis 49-Jährigen