Durch die Corona-Beschränkungen in der analogen Welt haben Konsumenten und Unternehmen ihre Tätigkeiten zunehmend in die digitale Welt verlagert. Dadurch haben insbesondere auch viele große digitale Plattformen, die bereits vor der Pandemie Marktmacht besessen haben und stark gewachsen sind (Demary/Rusche, 2018), profitiert: Amazon beim Onlineshopping und in der Unterhaltung (Demary, 2020), Microsoft durch Videokonferenzen (Engels et al., 2020), Facebook durch Nachrichten und Kommunikation sowie Alphabet mit Google und YouTube bei Informationen und Unterhaltung. Wie stark die Plattformen profitieren, wird unter anderem auch an den Börsenbewertungen deutlich. Der DAX30 - der Index der größten börsennotierten Unternehmen in Deutschland – verlor in den vergangenen sechs Monaten mehr als fünf Prozent (Recherche am 6.7.2020 auf finanzen.net). Im gleichen Zeitraum verlor der breitere STOXX Europe 600 – der Index der 600 größten europäischen Unternehmen – fast 13 Prozent. Im Vergleich zu diesen Indices, die alle Unternehmen abbilden, konnten die Plattformen im gleichen Zeitraum erheblich besser abschneiden: Die Facebook-Aktie stieg trotz Werbeboykott um mehr als 10 Prozent, Microsoft um mehr als 28 Prozent, Amazon um fast 55 Prozent und Alphabet (Alphabet C) um mehr als 6 Prozent.

Doch nicht nur an der Börse kann der Erfolg von Plattformen abgelesen werden. Auch unter sogenannten Unicorns (Einhörnern) spielen Plattformen eine wichtige Rolle. Als Unicorn wird ein nicht-börsennotiertes Unternehmen bezeichnet, welches auf Basis bisheriger Investitionsrunden eine Bewertung von mindestens einer Milliarde US-Dollar (USD) aufweist. Damit handelt es sich bei Einhörnern um Unternehmen, denen besonders gute Chancen auf zukünftigen wirtschaftlichen Erfolg zugeschrieben werden.

Zum Ende des 1. Quartals 2020 gab es weltweit 471 Unicorns (Abbildung), was eine Analyse von Daten des Informationsdienstes CBInsights (2020a) ergab. Das Biologietechnologie-Unternehmen CureVac, welches an einem Impfstoff gegen das Corona-Virus forscht, gehörte beispielsweise ebenfalls dazu. 135 und damit rund 29 Prozent dieser 471 Einhörner konnten als Plattform identifiziert werden. Beispiele für Unicorn-Plattformen sind der Fahrdienstvermittler BlaBlaCar (1,6 Milliarden USD) und der Hamburger Onlinehändler About You (1 Milliarde USD). Die Gesamtbewertung der Unicorns betrug am Ende des 1. Quartals 715 Milliarden USD. Davon entfielen rund 43 Prozent auf Plattformen. Digitale Plattformen haben gemessen an ihrer Häufigkeit somit eine überproportional hohe Bewertung.