Steuerbefreiungen und Steuervergünstigungen können dazu führen, dass Unternehmen effektiv weniger Steuern bezahlen müssen, als es der tarifliche Steuersatz vorsieht. Darauf weist eine aktuelle Studie hin, die von den Grünen im Europaparlament veröffentlicht wurde (Janski, 2019). Der effektive Steuersatz wird dabei als Quotient aus den tatsächlich gezahlten Ertragsteuern und dem aus der Handelsbilanz stammenden Vorsteuergewinn definiert. Weil aber der nach Handelsrecht ermittelte Gewinn nicht mit den Steuervorschriften übereinstimmen muss, wäre ein Vergleich mit den Daten der Steuerbilanz zweckmäßig, die allerdings nicht öffentlich zugänglich sind. Die Interpretation der Studienergebnisse, dass Konzerne zu wenig Steuern zahlen würden (Süddeutsche Zeitung, 2019), ist in jedem Fall zumindest für Deutschland weit hergeholt.

Abweichungen zwischen Handels- und Steuerbilanz ergeben sich zum Beispiel aus der Nutzung von Verlustvorträgen. In diesem Fall liegt der nach der erläuterten Methodik ermittelte Effektivsteuersatz unterhalb des nominalen Satzes. Umgekehrt kann es aber auch sein, dass der Steuersatz effektiv höher ist als tariflich vorgesehen. Beispielsweise führen die unterschiedlichen Vorschriften zur kalkulatorischen Verzinsung von Pensionsrückstellungen in der aktuellen Niedrigzinsphase dazu, dass fiktive Gewinne versteuert werden, die nach handelsrechtlicher Bilanzierung gar nicht angefallen sind (Hentze, 2016). Zur Abweichung trägt ferner bei, dass ausgeschüttete Dividenden von einer ausländischen Tochtergesellschaft an die Konzernmutter in Deutschland von der Besteuerung freigestellt sind, damit es nicht in beiden Ländern zu einer Besteuerung der Dividende kommt.

Unabhängig davon, ob Handels- oder Steuerbilanzdaten Grundlage sind, lässt sich das Ausmaß steuerlicher Gewinnverlagerung ohnehin nichts mittels eines Vergleichs von effektiven und tariflichen Steuersätzen bestimmen. Denn überhöhte oder zu geringe Verrechnungspreise für Waren und Dienstleistungen, Lizenzgebühren oder Zinsen beeinflussen unmittelbar das Ergebnis und damit den zu versteuernden Gewinn. Wird dann die tatsächliche Steuerzahlung durch den zu versteuernden Gewinn geteilt, beinhaltet die Rechnung bereits eine möglicherweise verfälschte Bemessungsgrundlage.