Kraftfahrzeuge haben das Image unseres Landes im Ausland nachhaltig geprägt. Auch die Zahlen der volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung dokumentieren die hohe Bedeutung dieser Branche für den Standort Deutschland. Eine Zeitreihenbetrachtung von Größen wie der Bruttowertschöpfung oder den Bruttoanlageinvestitionen zeigt zudem, dass die in der Gruppe „Herstellung von Kraftwagen und -teilen“ subsummierten Unternehmen seit dem Jahr 2005 eine signifikant bessere Entwicklung genommen haben als der Rest des verarbeitenden Gewerbes (Statistisches Bundesamt, 2019). Heute steht die Kfz-Industrie vor tiefgreifenden technologischen Veränderungen. Der Wechsel hin zum Primärenergieträger Strom, aber auch das autonome Fahren und damit verbundene Nutzungsänderungen stellen das bisher so erfolgreiche Geschäftsmodell in Frage.

Vor dem Hintergrund dieser Herausforderungen haben wir im letzten Jahr eine erste Analyse der Patentaktivität der Kfz-Industrie in Deutschland im Jahr 2015 vorgelegt (Koppel/Puls/Röben, 2018). Seither wurden Methoden und Datenbasis weiterentwickelt, so dass deutlich mehr Aspekte der Patentataktivität analysiert werden können. Eine zentrale Erweiterung stellt die Ausweitung des Analysezeitraums auf die Jahre 2005 bis 2016 dar. Damit wird es möglich, die langfristigen Veränderungen der Patentaktivität in Deutschland nachzuzeichnen, was sehr nachdrückliche Trends zutage förderte. Die komplette Studie wird voraussichtlich im November in der Reihe IW-Analysen erscheinen. In diesem Beitrag wird hingegen vorab der Frage nachgegangen, wie sich die Patentaktivität der Kfz-Industrie im Verhältnis zu den anderen Branchen in Deutschland entwickelt hat.

Gegenstand der Analyse sind die Patentanmeldungen beim Deutschen Patent- und Markenamt (DPMA) zwischen 2005 und 2016. Die Analyse schließt also Anmeldungen aus, welche direkt auf europäischer oder globaler Ebene eingereicht wurden. Erfahrungsgemäß erfolgen aber 90 bis 95 Prozent aller Patentanmeldungen zunächst auf nationaler Ebene, so dass hier keine gravierende Verzerrung zu erwarten ist. Zu betonen ist auch, dass der Forschungsoutput anhand von Patentanmeldungen gemessen wird und nicht über erteilte Patente. Hintergrund hierfür sind die langen Bearbeitungszeiträume von Patentanmeldungen. Die Patenterteilungen des Jahres 2016 würden daher eher die Forschungsaktivität rund um das Jahr 2010 herum abbilden. In Anbetracht der laufenden technologischen Veränderungen in der Branche würde die Aussagefähigkeit der Zahlen damit enorm gemindert. Um den Timelag der technologischen Aktualität auf jenes unvermeidbare Minimum zu reduzieren, das durch die 18-monatige Offenlegungsfrist hervorgerufen wird, werden an dieser Stelle Anmeldungen anstatt Erteilungen analysiert.

Um die Kfz-Industrie in Deutschland umfassend abbilden zu können, war es nötig, über die Branchenabgrenzung des statistischen Bundesamtes hinauszugehen. Im Zuge eines iterativen Verfahrens wurde ein Unternehmenssample aufgebaut, welches die Zulieferer von Bauteilen für Kfz umfassender erfasst. Ausgeschlossen bleiben aber etwa Hersteller von Werkzeugmaschinen mit Hauptkunden aus der Kfz-Industrie oder aber Unternehmen der chemischen Industrie, die Klebstoffe oder Ähnliches liefern. Die Patentleistung dieses Kfz-spezifischen Unternehmenssamples wurde erfasst und anschließend einer weiteren Filterung unterzogen. Hierfür wurden die in den Offenlegungsschriften verwendeten Angaben zur Technologie ausgewertet und jene Patentanmeldungen entfernt, die keinen Bezug zum Kfz aufwiesen. Ein plakatives Beispiel hierfür sind Patentanmeldungen von Audi, die sich mit Klavieren beschäftigten sowie mit Waschmaschinen, Kühlschränken oder Schlagbohrmaschinen im Fall von Bosch. Auf diese Weise wurde die Branche über mehrere Filter definiert und eingegrenzt (genaueres siehe auch Koppel/Puls/Röben, 2018, 6 ff.). In Summe liegt die Patentleistung der so definierten Kfz-Industrie um etwa 20 Prozent über der traditionellen Branchenabgrenzung. Das Unternehmenssample wird aber auf alle Jahre des Betrachtungszeitraums angewandt, so dass keine Trendverschiebungen hieraus entstehen.