Auch in Zukunft wird mit einer weiteren Zunahme des Güterverkehrs gerechnet. Aktuelle Prognosen sagen für den Zeitraum von 2010 bis 2030 eine Zunahme der Güterverkehrsleistung im Straßenverkehr in Deutschland und Europa um etwa 25 Prozent voraus. Der Schienengüterverkehr soll sogar um fast 50 Prozent zulegen (Prognos, 2017). Es ist zu betonen, dass ein wachsender Beitrag der Bahn unverzichtbar ist, denn Lkw und Bahn sind auf unterschiedliche Transportmärkte fokussiert. Der Lkw beherrscht die Kurzstrecke, wobei Bau- und Lebensmittelindustrie seine wichtigsten Kunden sind. Die Bahn hingegen transportiert vor allem große Gütermengen über große Distanzen. Beide Verkehrsträger müssen zusammenarbeiten, wenn eine Chance bestehen soll die künftigen Gütermengen effizient zu transportieren.

Aber es mehren sich die Anzeichen dafür, dass beide Verkehrsträger mit erheblichen Problemen konfrontiert sind, welche die Aufnahmefähigkeit für künftigen Mehrverkehr in Frage stellen. Das offensichtliche und bereits breit diskutierte Problem stellen dabei Kapazität und Zustand der Verkehrsinfrastruktur dar. Aber daneben gibt es gerade in Deutschland noch ein weiteres Problem, welches bisher eher wenig beachtet wurde: Der Logistikbranche gehen die Fachkräfte aus, was die Transportkapazitäten bereits heute einschränkt. Ohne Lokführer, Fahrdienstleister, Disponenten und Trucker kann die immer komplexer werdende Versorgungskette nicht mehr aufrechterhalten werden und bei all diesen Berufen greift der Mangel um sich.

Nach Auswertungen der Arbeitsmarktstatistik durch das Kompetenzzentrum Fachkräftesicherung (www.kofa.de) waren im Jahr 2017 26 relevante Berufe mit einer mindestens zweijährigen Ausbildungszeit dem Verkehrs- und Logistikbereich zuzurechnen. In 16 dieser Berufe kommen derzeit auf 100 der Bundesanstalt für Arbeit gemeldete offene Stellen weniger als 200 Arbeitslose mit entsprechendem Berufswunsch. Der Wert von 200 ist dabei als Schwellenwert anzusehen, ab dem ein Fachkräfteengpass zu vermuten ist. Hintergrund für diese Annahme sind Auswertungen des Institutes für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB, 2015). Für Berufe der genannten Qualifikationsstufe wurde etwa die Hälfte aller offenen Stellen auch an die BA gemeldet. Die Mehrheit der relevanten Ausbildungsberufe im Verkehrs- und Logistikbereich dürfte also bereits mit Engpässen konfrontiert sein. Besonders drastisch wird dies aber bei den fünf Berufen mit dem kritischsten Verhältnis von offenen Stellen zu Arbeitslosen, die in Abbildung 1 für Gesamt-, West- und Ostdeutschland dargestellt werden. Bei vier Berufen sind sogar weniger Arbeitslose gemeldet als offene Stellen. Hier kann man eindeutig von einem heute bestehenden Fachkräftemangel sprechen.

Die Daten legen nahe, dass insbesondere die Bahn mit massiven Fachkräfteengpässe zu kämpfen hat, wobei der Beruf des Triebwagenführers mit lediglich 35 Arbeitslosen auf 100 offene Stellen heraussticht. Das führt dazu, dass eine offene Stelle für Lokführer im Schnitt erst nach fast 200 Tagen besetzt werden kann. Das ist eine der längsten Vakanzzeiten, welche die Statistik kennt. Bei der Interpretation dieser Zahlen ist zu beachten, dass nicht gesagt ist, dass diese Personen auch wirklich derzeit ein entsprechendes Angebot annehmen wollen oder können. Es kann sich um friktionelle Arbeitslosigkeit handeln oder Angebot und Bewerber passen räumlich nicht zueinander. Andererseits gibt es Hinweise darauf, dass die Meldequote der offenen Stellen im Bahnbereich überdurchschnittlich ist, da das wichtigste Unternehmen sich im Besitz des Bundes befindet und seine Vakanzen eher meldet als kleine Speditionen. In zentralen Berufen des Schienenverkehrs mangelt es also schon heute an qualifizierten Arbeitskräften.Das gilt für die Abwicklung des Verkehrs (Lokführer), die Verkehrssteuerung (Fahrdienstleitung) und für die Wartung der Infrastruktur. Dabei sind in Ostdeutschland eher noch Kräfte verfügbar, aber auch dort ist eindeutig ein Mangel vorhanden. Dieser ist flächendeckend in Deutschland.

Auch bei Berufskraftfahrern im Güterverkehr und Logistikkaufleuten stehen die Zeichen eindeutig auf Mangel, wobei die Lage bei den Berufskraftfahrern je nach Bundesland abweichen kann. So herrscht in Baden-Württemberg mit 77 Arbeitslosen auf 100 offene Stellen ein eindeutiger Mangel, während in Berlin 296 Arbeitslose auf 100 offene Stellen kommen und somit nicht einmal ein Engpass besteht. Diese regionale Unwucht spricht dafür, dass man die Anstrengungen zur überregionalen Rekrutierung verstärken sollte.

Das Bild verschärft sich beim Blick in die Zukunft, denn die Altersstruktur der Personalbestände und die Ausbildungszahlen verheißen nichts Gutes (BAG, 2017). Dies sei exemplarisch an den Berufen des Triebwagenführers und des Berufskraftfahrers verdeutlicht.