Fachkräfte fehlten an zentralen Stellen des Logistiksektors, etwa Fahrpersonal und Fachkräfte in der zentralen Verkehrssteuerung. Diese Engpässe senken jetzt die Resilienz des Gesamtsystems. Vor diesem Hintergrund sind Maßnahmen sinnvoll, die das Stresslevel für die Logistiker reduzieren. Nach guten Entscheidungen auf nationaler Ebene, müssen jetzt auch für den grenzüberschreitenden Verkehr Lösungen gefunden werden.

Ein reibungsloser Transport ermöglicht erst den Aufbau von komplexen Produktionsnetzwerken, die diverse Produktionsstandorte umfassen. Die globalen Logistikketten sind zur Grundlage des Wohlstands geworden, wurden aber bislang in der Öffentlichkeit zu sehr als Selbstverständlichkeit angesehen. Jetzt im Zuge der Corona-Krise sind die Logistikketten erheblichem Zusatzstress ausgesetzt. Die Logistiker stehen vor der Herausforderung, die flächendeckende Versorgung im Land zu sichern, während Grenzübertritte im europäischen Binnenmarkt an vielen Stellen erschwert wurden. Auch die zuletzt beobachtbaren Hamsterkäufe erhöhen den Stressfaktor für die Lieferketten weiter, da die plötzliche Zusatznachfrage etablierte Abläufe in der Versorgung weiter durcheinanderbringt. So hat sich beispielsweise das Transportaufkommen im Lebensmittelbereich um 20 Prozent erhöht. Das lässt sich zwar zunächst mal mit Transportkapazitäten auffangen, die in anderen Bereichen frei geworden sind, jedenfalls solange, wie keine spezialisierten Transportmittel – etwa Kühlfahrzeuge – benötigt werden. Eine Steigerung von Produktion und Verteilung der aktuell massiv nachgefragten Güter zieht aber auch weitere Transportbedarfe nach sich, etwa für Rohstoffe oder Verpackungen. Auch diese müssen gesichert sein, damit die Nachfrage befriedigt werden kann.

Die nationale Politik hat mit der Verkündung des Gütertransport-Pakts für Deutschland sinnvolle Schritte unternommen, um die Logistik zu entlasten und mehr Flexibilität in das System zu bringen. Hierzu wurden verschiedene Vorschriften zeitweise zurückgesetzt. Zu nennen sind die Flexibilisierung beim Sonntagsfahrverbot oder das Aussetzen von verpflichtenden Schulungen für Lkw-Fahrer, die eigentlich regelmäßig wiederholt werden müssen. Da diese Schulungen derzeit ebenso wenig möglich sind, wie TÜV- Untersuchungen der Fahrzeuge, können diese Termine geschoben werden ohne die Zulassung von Fahrer oder Fahrzeug zu verlieren. An den Grenzen sollen explizite Lkw-Spuren ausgewiesen werden, um Staubildungen zu verringern. Die Betriebszeiten von Schleusen an Binnenwasserstraßen werden verlängert und die Bewirtschaftung von staatseigenen Parkplätzen an den Autobahnen gesichert. All diese Anpassungen an das derzeitige Krisenumfeld erhöhen Flexibilitäten und damit auch die Widerstandskraft des Logistiksystems.