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Lebensmittelabfälle: Ein Großteil wäre vermeidbar

In Deutschland werden jährlich 11 Millionen Tonnen Lebensmittel von Industrie, Handel, Großverbraucher und Privathaushalten laut Zahlen aus dem Jahr 2012 als Abfall entsorgt. Hauptverursacher sind die Privathaushalte, die für drei Fünftel des Lebensmittelmülls verantwortlich sind: jeder Bundesbürger wirft 82 kg Nahrungsmittel pro Jahr weg. Allerdings wäre die Hälfte des Lebensmittelmülls in privaten Haushalten noch uneingeschränkt genießbar. Ein weiteres Fünftel – beispielsweise Brotrinden, Apfelschalen oder Speisereste – wäre teilweise vermeidbar, da es lediglich aufgrund von unterschiedlichen Konsumgewohnheiten im Müll landet. Nicht vermeidbar ist somit nur ein Drittel: Das sind beispielsweise Knochen oder Bananenschalen. Den Hauptanteil der (teilweise) vermeidbaren Nahrungsmittelabfälle machen Gemüse (26 Prozent), Obst (18 Prozent) und Backwaren (15 Prozent) aus (Kranert et al., 2012). Aktuell werden die Messmethoden von Nahrungsabfällen weiterentwickelt und neue Daten erhoben. Vorläufigen Ergebnissen zufolge liegen die in privaten Haushalten vermeidbaren Lebensmittelabfälle bei 3,5 Millionen Tonnen (Deutscher Bundestag, 2017).

Bevölkerung: Die Mehrheit wirft zumindest ab und zu Essen weg

Nur ein Sechstel kippt niemals Essen in den Müll. Immerhin fast drei von zehn geben an, mindestens einmal die Woche Nahrungsmittel zu entsorgen. So das Ergebnis der neuesten Umweltbewusstseinsstudie, für die in 2016 gut 2.000 Personen ab 14 Jahren repräsentativ befragt wurden, wie oft sie im letzten Monat zuhause Lebensmittel weggeworfen haben (BMUB/UBA, 2017a). Eine eigene Auswertung der Umfragedaten zeigt: Betrachtet man die Befragten nach ihrer Generationenzugehörigkeit in einer Einteilung in Anlehnung an Metzler et al. (2014) zeigt sich ein differenziertes Bild (Abbildung). Berücksichtigt wurden hierfür Antworten von 1.876 Befragen ab 21 Jahre.

Ältere Generationen: Essen wirft man eher selten weg

Menschen, die die Entbehrungen des 2. Weltkriegs erlebt haben, verschwenden deutlich seltener Lebensmittel als spätere Generationen. Ein Drittel der Menschen, die vor 1945 geboren wurden, geben Trink- und Essbares niemals in den Müll. Weitere zwei Fünftel dieser (Vor-)Kriegsgeneration wirft maximal einmal im Monat Lebensmittel weg. Nur jeder zehnte entsorgt mindestens einmal die Woche Nahrungsmittel. Bei der Nachkriegsgeneration (Jahrgänge 1945 bis 1954), liegt dieser Anteil bereits bei 16 Prozent. Dennoch kippt auch die Nachkriegsgeneration wertvolle Lebensmittel nicht einfach so in die Tonne. Jeder vierte entsorgt niemals Essen; ein weiteres Drittel maximal einmal monatlich.

Nur ein Sechstel der Babyboomer (Jahrgänge 1955 bis 1964) entsorgt niemals Lebensmittel. Jeder vierte Babyboomer wirft mindestens einmal die Woche Essen weg. Ein weiteres Viertel gibt an, dies zumindest mehrmals im Monat zu machen.

Generationen X und Y: Neun von zehn kippen Essen in die Tonne

Deutlich häufiger entsorgen Menschen zwischen 21 und 51 Jahren Lebensmittel. Obwohl man diese Bevölkerungsgruppe noch in die zwei Generationen X (Jahrgänge 1965 bis 1979) und Y (1980-1995) einteilen kann, ist das Wegwerfverhalten sehr ähnlich. Jeweils nur acht Prozent der Befragten in beiden Generationen kippen niemals Essen weg. Dafür geben im Vergleich zu älteren Generationen deutlich mehr in Generation X (39 Prozent) und in Generation Y (36 Prozent) an, mindestens einmal die Woche Nahrung wegzuwerfen. Darunter entsorgen 3 Prozent der Generation Y und 2 Prozent der Generation X sogar täglich Essen.

Der Blick auf die Generationen macht deutlich, dass das Wegwerfverhalten von der Einstellung zu und dem Wissen über den Umgang mit Lebensmitteln abhängt. Ältere wertschätzen Essen mehr als jüngere Menschen und haben mehr Erfahrung in der Speiseplanung und -verarbeitung. Aber auch unterschiedliche Lebenssituationen sind verantwortlich für das Verhalten: Wenn Kinder im Haushalt leben, fallen Lebensmittelabfälle überdurchschnittlich häufig an (BMUB/UBA, 2017a).

Verbraucher wissen, dass Verzehrbares weggeworfen wird

Den meisten Verbrauchern ist durchaus bewusst, dass auch solche Lebensmittel weggeworfen werden, die eigentlich noch verzehrt werden könnten. Diese Ansicht ist besonders bei den älteren Generationen stark ausgeprägt. Drei Viertel der (Vor-)Kriegsgeneration stimmt der Aussage, dass viele weggeworfene Lebensmittel eigentlich noch verzehrbar wären, voll zu, während es jeweils nur zwei Drittel der Babyboomer und Nachkriegsgeneration sind und es sich auf jeweils drei Fünftel bei den Generationen X und Y reduziert (BMUB/UBA, 2017b; Institut der deutschen Wirtschaft Köln). Ein wachsendes Verständnis für die Verzehrbarkeit von aussortierten Lebensmitteln kann also helfen, Abfälle zu reduzieren. Darüber hinaus sollten Privatverbraucher künftig ihre Einkäufe und die Verarbeitung der Lebensmittel planen, damit weniger Ess- und Trinkbares auf dem Müll landet.

Politik will Lebensmittelmüll reduzieren

Sowohl die Bundesregierung als auch die Europäische Union sehen sich zur Umsetzung der in 2015 von den Vereinten Nationen verabschiedeten globalen Nachhaltigkeitsziele verpflichtet. Die Pro-Kopf-Lebensmittelabfälle sollen bis 2030 auf der Einzelhandels- und Verbraucherstufe halbiert werden und die entlang der Produktions- und Lieferkette entstehenden Lebensmittelverluste inklusive Nachernteverluste reduziert werden. Mit der Kampagne „Zu gut für die Tonne“ informiert beispielsweise das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) seit 2012 Verbraucher, wie sich Lebensmittelabfälle im Alltag vermeiden lassen (BMEL, 2017a).

Da es aber keine umfassende nationale Strategie zur Zielerreichung bis 2030 gibt, soll die Bundesregierung eine entsprechende gesetzliche Initiative erarbeiten (Deutscher Bundestag, 2017). In wie fern gesetzliche Initiativen beim Hauptverursacher der Lebensmittelabfälle – dem privaten Endverbraucher – aber wirkungsvoll sind, ist fraglich. Auch die Ergebnisse des Generationenvergleichs zeigen, dass Einstellung zu Lebensmitteln und Erfahrung im Umgang damit eine wichtige Rolle spielen. Eine weitere Sensibilisierung der Bevölkerung zum Umgang mit Lebensmitteln und mehr sowie bessere Informationen zur Genießbarkeit sind daher zielführend.

IW-Kurzbericht

Theresa Eyerund / Adriana Neligan: Verschwenderische Generationen X und Y

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Ansprechpartner

28. September 2017

Adriana Neligan M+E-Industrie: Effizienter und klimafreundlicherArrow

Klimawandel, wachsende Weltbevölkerung und Umweltverschmutzung belasten zunehmend die Ökosysteme. Nachhaltiges Wirtschaften wird daher immer wichtiger. Noch mehr Anstrengungen im Umweltschutz haben sich auch die M+E-Betriebe auf die Fahne geschrieben. Vor allem investieren sie kräftig in den Klimaschutz. mehr auf iwd.de

29. August 2017

Matthias Diermeier / Henry Goecke / Adriana Neligan Riskante RohstoffquellenArrow

Vor allem die deutsche Industrie ist auf Rohstofflieferungen aus dem Ausland angewiesen. Der Wert dieser Importe hat sich zwischen 1995 und 2011 verfünffacht. Auch der Anteil der Einfuhren aus politisch und wirtschaftlich besonders risikobehafteten Ländern ist gestiegen – auf mittlerweile deutlich über 60 Prozent. mehr auf iwd.de

25. August 2017

Theresa Eyerund / Adriana Neligan Nahrungsmittel: Zu gut für die TonneArrow

Jedes Jahr werfen die Bundesbürger im Schnitt 82 Kilogramm Lebensmittel weg. Allerdings sind längst nicht alle Generationen gleich verschwenderisch – auch aus historischem Grund. mehr auf iwd.de