Ressourcenverbrauch Image

Es liegt eine Reihe von Konzepten vor, mit denen man die Veränderungen im Ressourcenverbrauch verfolgen kann. Der Ausgangspunkt ist dabei der direkte Materialeinsatz in einem Land (DMI = Direct Material Input). Wenn mit der inländischen Produktion ein Bedarf im Ausland gedeckt wird, kann man diesen Teil vom Materialeinsatz substrahieren, denn nicht der hiesige Bedarf, sondern der Erfolg auf den Auslandsmärkten ist der Grund für die Produktion. Übrig bleibt der inländische Materialverbrauch (DMC = Domestic Material Consumption). Im DMI wie im DMC sind Importe enthalten. Doch diese haben auch eine Vorgeschichte: Vom Rohstoff bis zur Ware an der Ladentheke wird das jeweilige Gut meistens leichter. Wenn man alles vom Ursprung her denkt, benötigt man sogenannte Rohstoffäquivalente für die gehandelten Produkte. Aus dem DMI wird dann der RMI (Raw Material Input) und aus dem DMC der RMC (Raw Material Consumption).

Rohstoffäquivalente sind erdacht worden, um die Vermutung zu überprüfen, dass sich die Industrieländer ihren Rohstoffbedarf schön rechnen, wenn die rohstoffnahen Vorstufen in wachsendem Maße ins Ausland abwandern. Für Deutschland bestätigt sich diese Vermutung nicht, ganz im Gegenteil. Wie die Abbildung zeigt, sank der Rohstoffverbrauch Deutschlands in den Jahren von 2000 bis 2008 doppelt so stark, wenn man die Vorstufen der Importe und Exporte berücksichtigt, als wenn man nur mit dem Eigengewicht kalkuliert. Ob dies auch für andere Zeiträume gilt, lässt sich nur zeigen, wenn auch für diese Rohstoffäquivalente berechnet werden, denn hierzu benötigt man aufwendige Schätzverfahren.

Auch der RMC ist nicht ohne Kritik: Gerade weil man Schätzverfahren anwendet und hierzu auf differenzierte Daten angewiesen ist, misslingt derzeit ein fairer Vergleich – denn nicht jedes Land arbeitet auf jeder Produktionsstufe gleich effizient. In anderer Hinsicht sagt der RMC nicht alles: Auch wer viel exportiert, benötigt zunächst die Rohstoffe und Vorprodukte, die dann wieder das Land verlassen. So unterschätzt der RMC die Rohstoffabhängigkeit.

Die fallenden Kurven in der Abbildung zeigen, dass die Entkopplung von Wirtschaftswachstum und Ressourcenverbrauch in Deutschland gelungen ist, denn parallel zum sinkenden Verbrauch ist die Wirtschaft gewachsen. Deutschland setzt sich dafür zudem quantitative Ziele, und zwar für die Produktivität. Gegenüber 1994 soll sich die Rohstoffproduktivität bis 2020 verdoppeln, und zwar gemessen in BIP pro DMI. Diese Zielmarke aus der Nationalen Nachhaltigkeitsstrategie von 2002 scheint jedoch zu ambitioniert gewesen zu sein – auch wenn die Richtung eindeutig stimmt. Verwendete man den RMC, sähe die Lage entschieden günstiger aus.

Derzeit überlegt die EU, ob sie auch eine Zielmarke ausgeben soll. Vorgeschlagen wurde eine Steigerung gegenüber dem Vorkrisenniveau bis 2030 um 30 Prozent, nun als BIP pro RMC. Die Chancen, dies zu erreichen, dürften für Deutschland nicht schlecht stehen.

IW-Trends

Hendrik Biebeler / Thorsten Lang / Vera Schlegel: Ressourcenproduktivität – Indikatoren und Fortschritte

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