Die Berechnungen beziehen sich für Belgien auf das Startjahr 2003 und für Portugal auf das Endjahr 2011. Diese Karte können Sie kostenlos auf Ihrer Website einbetten. Schicken Sie eine Mail an onlineredaktion@iwkoeln.de

Die europäische Integration war von Anbeginn durch zwei Versprechen getragen und durch deren Realisierung legitimiert: Frieden und Wohlstand im gemeinsamen Europa. Der Wohlstand wurde dabei konkretisiert als Konvergenz in den beteiligten Volkswirtschaften (Vertrag über die Arbeitsweise der Europäischen Union, 2008, Artikel 174).

Seit Beginn der europäischen Einigung in den 1950er Jahren verlief der Konvergenzprozess – gemessen am Bruttoinlandsprodukt (BIP) pro Kopf – zwar keineswegs einheitlich und gleichmäßig, entsprach aber in seiner Grundausrichtung den Erwartungen der Europäer (Goecke 2013): Ursprünglich ärmere Länder wiesen im Zeitverlauf überdurchschnittliche Wachstumsraten des BIP pro Kopf auf als originär reichere Länder. Die Einkommensunterschiede zwischen den Ländern haben sich verringert.

Wird jedoch die regionale Ebene und die näher zurückliegende Vergangenheit betrachtet, ändert sich das positive Bild der Konvergenz auf nationaler Ebene. Die kleinste regionale europäische Einheit, für die das Statistische Amt der Europäischen Union Daten aufbereitet, sind die sogenannten NUTS3-Regionen. Sie sind dadurch definiert, dass in ihnen zwischen 150.000 und 800.000 Menschen leben.

Die Analyse der Wohlstandsentwicklung auf dieser regionalen Ebene zeigt, dass das Niveau des BIP pro Kopf und seine Veränderung nicht nur zwischen Regionen unterschiedlicher Länder sondern auch zwischen Regionen eines Landes teilweise stark voneinander abweichen. In der Abbildung sind diese Unterschiede in der Konvergenz (das anfängliche reale BIP pro Kopf und dessen Wachstumsrate) für die NUTS3 Regionen kombiniert farblich wie folgt dargestellt:

  • Hohes Startniveau und hohes Wachstum: dunkelgrün
  • Niedriges Startniveau und hohes Wachstum: hellgrün
  • Hohes Startniveau und niedriges Wachstum: hellrot
  • Niedriges Startniveau und niedriges Wachstum: dunkelrot

Es zeigt sich folgendes Bild: Auch regional vollzogen seit dem Jahr 2000 viele Gebiete in Europa einen Prozess der Konvergenz. Einen starken Fortschritt machten ganzheitlich viele osteuropäische Länder sowie einige Regionen in Spanien und Portugal. Auf der anderen Seite gab es jedoch auch eine Vielzahl von Regionen, die wirtschaftlich immer mehr den Anschluss verloren haben. Dies war der Fall in vielen Gebieten Griechenlands und Süditaliens aber auch in zahlreichen Regionen im Osten Deutschlands, in Frankreich, Großbritannien, Portugal sowie Spanien. Diese Regionen starteten mit einem unterdurchschnittlichen Wohlstandsniveau und wuchsen in den folgenden Jahren zudem ebenfalls unterdurchschnittlich – wenn sie überhaupt ein positives Wachstum zu verzeichnen hatten. Fast alle der restlichen Regionen in Frankreich und Großbritanniens starteten zwar mit einem Wohlstandsniveau über dem EU-Durchschnitt wuchsen in der Folge jedoch ebenfalls unterdurchschnittlich. Ursprünglich wirtschaftlich starke Regionen, die zudem auch noch überproportional gewachsen sind, finden sich unter anderem in Deutschland, den Niederlanden und Österreich sowie vereinzelt in Frankreich und Großbritannien.

Bei dem Versuch zu erklären, welche Faktoren einen Konvergenzprozess begünstigen, zeigt sich, dass der Industrieanteil in der jeweiligen Region sowie die Höhe der Regionalförderung von großer Bedeutung sind und jeweils positiv wirken. Bei der Regionalförderung gilt jedoch, dass diese nur wirksam ist, wenn in die richtigen Bereiche investiert wird. Besonders großes Potenzial liegt in der finanziellen Förderung der Unterstützung von Unternehmensorganisationen, des Tourismus sowie der Verkehrs- und Umweltinfrastruktur. Bei allen Maßnahmen sind jedoch auch immer die individuellen Eigenschaften und Bedingungen einer Region zu berücksichtigen.

IW-Kurzbericht

Henry Goecke / Michael Hüther: Regionale Konvergenz in Europa – So unterschiedlich wachsen Europas Regionen

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Daniel Bendel / Markus Demary / Michael Voigtländer How do higher interest rates impact companies’ financial situation?Arrow

Companies’ access to finance has an important impact on their profitability and growth prospects. Without external financing, most firms are not able to invest, which is a prerequisite for economic growth. Unlike in the US, which has a capital market-based financial system, banks are the dominant lenders for firms in the Eurozone. mehr

14. September 2017

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Cybersicherheit
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Barbara Engels Cybersicherheit: Überfällige AnpassungenArrow

Die wirtschaftlichen Schäden durch Cyberattacken haben sich in den vergangenen vier Jahren verfünffacht. Inzwischen vergeht keine Woche mehr, in der nicht ein prominentes Unternehmen gehackt wird. Die Europäische Kommission reagiert jetzt mit einer Neuauflage ihrer Cybersicherheitsstrategie – ein dringend nötiger Schritt. mehr