Nach der historischen Schockstarre und den umfassenden Einschränkungen des Geschäftsverkehrs im Frühjahr 2020 infolge der Corona-Maßnahmen hat sich die Stimmung der Immobilienbranche wieder spürbar aufgehellt. Das Immobilienklima des ZIA-IW-Immobilienstimmungsindex (ISI) verbessert sich in der aktuellen Sommerumfrage im Vergleich zum Vorquartal um 6,1 auf 22,9 Punkte. Damit wird der massive Einbruch im Frühjahr von -22,1 jedoch nicht wieder ausgeglichen (siehe Abbildung, Link zur interaktiven Grafik). Das Immobilienklima setzt sich aus der Geschäftslage und Erwartungen zusammen. Insbesondere die Geschäftslage wird nun wieder besser als im Vorquartal eingestuft. Hier messen wir einen Anstieg von 12,5 auf 42,7 Punkte. Dieses Plus dürfte vorrangig darauf zurückzuführen sein, dass der Transaktions- und Mietmarkt während der Phase des harten Lockdowns (23. März bis 19. April) in weiten Teilen eingefroren war und sich jetzt wiederbelebt hat (Voigtländer, 2020). Nur wie geht es weiter? Die Geschäftserwartungen bleiben auf leicht positivem Niveau und steigen um 0,4 auf +0,7. Hinter dieser Zahl verbirgt sich, dass 20 Prozent der 126 antwortenden Immobilienunternehmen davon ausgehen, dass sich ihre aktuelle Geschäftslage in den nächsten zwölf Monaten weiter verbessern wird. Die Mehrheit von 65 Prozent erwartet eine gleich gute Geschäftslage, 15 Prozent befürchten weiterhin Verschlechterungen ihrer Geschäfte.

Die Ergebnisse zeigen eine andauernde große Unsicherheit der Unternehmen in Bezug auf die weitere Nachfrageentwicklung. Die kurze Krise durch den Shutdown konnten viele Unternehmen durch interne Anstrengungen und kurzfristige Verschiebungen meistern. Bei allen laufenden und neu anzustoßenden Projekten wird jedoch nun hinterfragt, ob die bisherigen Annahmen noch weitergelten beziehungsweise wie diese aktualisiert werden können. Dies führt zu Zurückhaltungen. Zudem erschweren sich Preisverhandlungen und Absprachen mit Partnern.

Insgesamt zeigt die Befragung, dass sich die konjunkturelle Entwicklung der Immobilienbranche deutlich von der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung entkoppelt hat. Das Bruttoinlandsprodukt Deutschlands ist im zweiten Quartal um -9,7 Prozent zurückgegangen und wird sich nun im dritten Quartal voraussichtlich mit einem Plus von 5 Prozent kräftig erholen (IW, 2020). Die Immobilienwirtschaft dürfte diesen Einbruch ähnlich wie die Bauwirtschaft kaum mitgegangen sein. Das Bauhauptgewerbe konnte sein Vorjahresergebnis im zweiten Quartal 2020 sogar um 1,6 Prozent übertreffen. Die aktuellen Ergebnisse des ZIA-IW-Immobilienstimmungsindex lassen darauf schließen, dass sich die Immobilienwirtschaft ähnlich stabilisierend entwickelt hat, da die Geschäftslage im letzten Quartal nicht ins Negative gerutscht war und sowohl die nun positive Geschäftslage als auch die leicht positiven Geschäftserwartungen einen Aufschwung anzeigen. Das Herbstgutachten der Immobilienweisen bestätigt diese Einschätzung (ZIA, 2020).

Einige Unternehmen sind jedoch massiv von der Krise betroffen. Insbesondere die Märkte für Büro- und Einzelhandelsimmobilien müssen befürchten, dass ihre Nachfrage langfristig wegbricht. Entsprechend bewegen sich auch die Erwartungen bezüglich der Miet- und Preisentwicklungen speziell in diesen Segmenten aufgrund von Corona stark ins Negative (Link zu Einzelergebnissen). So sind die meisten Unternehmen in allen drei zentralen Segmenten (Büro, Einzelhandel, Wohnen) bis zum Ende des Booms im März 2020 sowohl von einer positiven Miet- als auch einer positiven Preiserwartung für ihre Immobilienbestände ausgegangen. Durch Corona hat sich dies rapide geändert. Besonders im Einzelhandel ist die Lage fast dramatisch, da mittlerweile kaum mehr mit Miet- oder Preissteigerungen gerechnet wird. Beim Büromarkt rechnet nur eine kleine Minderheit von 13 Prozent (Preise) beziehungsweise 4 Prozent (Mieten) der Teilnehmer damit.