Das Jahr 2020 begann zunächst mit vielerlei Positiven, wie den beispielsweise relativ robusten Wachstumserwartungen, der Einigung im Handelskrieg zwischen den USA und China sowie dem geordneter als erwartetet verlaufenden Brexit (ifo, 2020). Auch die Stimmung der Immobilienwirtschaft beeinflusste dies positiv. Das Immobilienklima des ZIA-IW-Immobilienstimmungsindex (ISI) ist im Frühjahr im Vergleich zum Vorquartal um 8,5 auf 39 Punkte gestiegen und erreicht damit das gleiche Niveau wie bei der Frühjahrsbefragung vor einem Jahr (Abbildung). Das Immobilienklima wird aus dem Mittelwert der Geschäftslage und Erwartungen gebildet. Für den jetzigen Anstieg verantwortlich zeigen sich vorrangig die nun wieder leicht positiv gestimmten Erwartungen. Diese verbesserten sich von -6,0 auf +5,4. Das bedeutet, dass nun wieder mehr Unternehmen für die nächsten 12 Monate von einer besseren als schlechteren Entwicklung ausgehen. Auch die aktuelle Lage wird ein wenig positiver eingeschätzt und erreicht mit einem Wert 78,0 ein um 4,1 Prozent leicht besseres Ergebnis im Vergleich zum Vorquartal.

Die Befragungsergebnisse reflektieren jedoch vorrangig die Einschätzung der Chefetagen vor der Corona-Krise, als die Geschäftstätigkeit der Unternehmen kaum eingeschränkt war. Die Befragung dauerte wie gewohnt 3,5 Wochen vom 14. Februar bis zum 9. März. Während dieser Zeit sanken die Tagesschlusskurse des Dax von 13.744 auf 10.625 (-22,7 %), davon allein am letzten Tag 7,9 Prozent. Erst nach dem Befragungsende fanden jedoch die umfassenden, einschränkenden Maßnahmen wie die Schließung der Schulen und Grenzen statt. Die Anzahl der Infizierten stieg zudem seither sprunghaft an und die Aktienkurse brachen weiter deutlich ein.

Gleichwohl spricht vieles dafür, dass die Immobilienbranche nur mittelbar von der Corona-Pandemie negativ betroffen sein wird. Die Krise hat einen – hoffentlich kurzen – Angebots- und Nachfrageschock ausgelöst (Bofinger et al., 2020). Im Unterschied zur Finanzkrise 2008/2009 ist jedoch nicht das Bankensystem die Ursache. Die für die Immobilienbranche wichtige Kreditvergabe ist dadurch nicht gefährdet, auch weil die EZB Liquiditätshilfen für Unternehmen und Banken sowie eine Ausweitung der Anleihekäufe vornehmen wird. Zudem folgen die Investitionsentscheidungen speziell im Immobiliensektor vorrangig langfristigen Perspektiven. Und diese werden maßgeblich von der konjunkturellen Gesamtlage beeinflusst. Stand heute ist nicht absehbar, wie stark und wie dauerhaft sich die Konjunktur in Deutschland, in Europa und in der Welt in den nächsten Monaten eintrüben wird. Entscheidend ist die Dauer der umfassenden Einschränkungen des Geschäftslebens und aller wirtschaftlichen Aktivitäten. Hoffnung machen die relativ schnell angekündigten Maßnahmen der Politik, wie die unbegrenzte Unterstützung von betroffenen Unternehmen mit Kreditprogrammen. Diese dürften die Liquidität sichern und das Bankrottrisiko erheblich verringern.