In den letzten Monaten hat sich die Stimmung der deutschen Wirtschaft deutlich eingetrübt. Die Gründe hierfür liegen fast ausschließlich im Ausland und in den damit einhergehenden Unsicherheiten für den Export. In Folge dessen hat die Bundesregierung Ende Januar ihre Prognose für den Anstieg des preisbereinigten Bruttoinlandprodukts (BIP) von zuvor 1,8 auf 1,0 Prozent verringert (BMWi, 2019). Der seit Monaten stetig fallende ifo Geschäftsklimaindex stützt diese Einschätzung (ifo, 2019).

Der Immobiliensektor ist deutlich weniger als die anderen Branchen von der Weltwirtschaft abhängig. Der entscheidende Faktor für die konjunkturelle Lage in diesem Sektor stellt die Nachfrage vor Ort dar. Und hier muss man konstatieren, dass die Rahmenbedingungen für die Nachfrage nach Immobilien immer noch hervorragend sind. Die Zinsen sind weiterhin auf sehr niedrigem Niveau und ermöglichen die Aufnahme von Fremdkapital zu günstigen Konditionen. Ausländische Investoren schätzen die attraktiven Renditen bei vergleichsweise niedrigem Risiko. Die Beschäftigung erreicht immer weitere Höchststände, sodass die Nachfrage sowohl nach Büros als auch nach Wohnraum hoch ist. Es verwundert daher nicht, dass gerade die Bauindustrie und das Handwerk für das 2019 eine wesentlich stärkere Geschäftstätigkeit erwartet (Grömling, 2018). Nach Jahren des Wachstums ist das ein bemerkenswertes Ergebnis.

In der Frühjahrsbefragung des IW Immobilien-Index verschlechtert sich zwar das Geschäftsklima, die Detailfragen offenbaren aber ein weiterhin sehr positives Bild der Branche. So bewerten die Unternehmen der Immobilienwirtschaft die Lage mit einem Wert von 76,3. Dies ist mit 5,8 Punkten ein deutlicher Rückgang gegenüber dem Vorquartal. Die Erwartungen sinken gleichzeitig um 3,3 Punkte auf 6,8. Hinter diesen Zahlen steht, dass 15,8 Prozent der Unternehmen ausgehend von ihrer aktuellen Lage eine eher günstigere Entwicklung für die nächsten 12 Monate erwarten. 75,1 Prozent erwarten eine etwa gleichbleibende Entwicklung, 9,1 Prozent eine Verschlechterung. Das Immobilienklima (welches dem Mittelwert der Salden aus der Geschäftslage und der Erwartungen entspricht) sinkt damit auf den niedrigsten Wert seit dem Beginn des IW Immobilien-Index im Jahr 2014. Im Vergleich zum Vorquartal verringert sich der Wert um 4,4 Prozentpunkte auf 39. Insgesamt sind die Parameter damit im Vergleich zu den Jahren zuvor deutlich schwächer, aber immer noch solide und vor allem weiterhin aufwärtsgerichtet.

Mit Ausnahme des Bürosektors sind von der Eintrübung alle Teilsektoren betroffen (Abbildung). Am stärksten sind die Einbrüche im Bereich Wohnen. Dort sinken die Werte von einem sehr hohen Niveau auf 78,6 (-18,9, Lage) bzw. 2.4 (-7,9, Erwartungen). Wahrscheinlich trüben hier sowohl die gesamtwirtschaftlichen Rahmenbedingungen als auch die regulatorischen Verschärfungen bei der Mietpreisbremse und der Modernisierungsumlage. Bei der Einordnung des Ergebnisses ist aber wichtig zu beachten, dass die Stimmung im Vorquartal auf einem Rekordniveau lag. Bei den Projektentwicklern verschlechtern sich vor allem die Erwartungen (-13,3 auf 10,2), während die Lage nahezu unverändert sehr gut eingeschätzt wird (-0,6 auf 83,7). Für dieses positive Bild sorgt die stabile Nachfrage nach Immobilien im Wohn- und Bürosegment. Jedoch erschweren die Knappheiten an Bauland und die hohen Baulandpreise die Vermarktung von Projekten, insbesondere im Mietwohnsegment in den Ballungszentren. Aufgrund der hohen Grundstückspreise verlagern sich daher immer mehr Projekte in günstigere Lagen.