Welche Verdienstmöglichkeiten habe ich nach meinem Studium in welchen Berufen? Diese Frage stellen sich zum diesjährigen Semesterstart wieder viele Erstsemester. Eine Sonderauswertung der Beschäftigungsstatistik beinhaltet alle sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten (exklusive Beamte und Selbstständige) und zeigt den Median des Vollzeit-Bruttomonatsentgelts von 15 Akademikerberufsgruppen, das heißt, 50 Prozent der Beschäftigten verdienen mehr, 50 Prozent weniger als diesen Wert. Ergänzend abgebildet ist der Beschäftigtenanteil, dessen Verdienst oberhalb der Beitragsbemessungsgrenze Ost liegt. Hintergrund: Die amtliche Lohnstatistik wird an dieser Stelle gekappt, so dass höhere Werte nicht ausgewiesen werden. Abgerundet wird die Darstellung durch den Frauenanteil der Beschäftigten.

An der Spitze der Vollzeit-Verdienste liegen Arztberufe, wobei in der Statistik der BA nur angestellte Ärzte erfasst werden. In Arztberufen liegt der Medianwert der Verdienste bereits jenseits der im Jahr 2017 gültigen Beitragsbemessungsgrenze Ost von 5.700 Euro. Stolze 68,6 Prozent aller Beschäftigten verdienen einen solchen Bruttomonatslohn - und das trotz eines im Vergleich zu anderen Berufsgruppen mit besonders hohen Entgelten nur moderaten Arbeitskräfteengpasses (39 offene Stellen je 100 Arbeitslosen). Hinweis: Da der Bundesagentur für Arbeit in Akademikerberufen je nach Berufsgruppe nur rund jede dritte bis vierte Stelle gemeldet wird, ist die Engpassgrenze in Akademikerberufen spätestens ab einem Verhältnis von 35 offenen Stellen je 100 Arbeitslosen überschritten.

Knapp hinter den Ärzten folgen die industrienah tätigen Ingenieurberufe, die ebenfalls im Median ein Einkommen jenseits der Beitragsbemessungsgrenze Ost erzielen. Im Gegensatz zu den Arztberufen mit ihrem nahezu paritätischen Geschlechterverhältnis liegt ein hoher Arbeitskräfteengpass vor und der Frauenanteil bei nicht einmal 10 Prozent. Im Gegensatz hierzu kommen die baunahen Ingenieurberufe trotz einer ebenfalls sehr hohen Arbeitsmarktnachfrage (106 offene Stellen je 100 Arbeitslosen) lediglich auf ein Medianeinkommen von 4.453 Euro. Viele dieser Beschäftigten sind im öffentlichen Dienst angestellt, der vergleichsweise schlechte finanzielle Konditionen bietet.

In allen bisher genannten Berufsgruppen rekrutieren sich die Beschäftigten in der Regel aus Absolventen der entsprechenden Fachrichtungen: Im Arztberuf arbeiten studierte Ärzte, in Ingenieurberufen studierte Ingenieure. Anders stellt sich die Situation bei den wirtschaftswissenschaftlichen Akademikerberufen dar. Unabhängig von der Fachrichtung münden viele Beschäftigte im Rahmen der Karriereentwicklung irgendwann in einer Management- oder Geschäftsführungstätigkeit, die in der Arbeitsmarktlogik zu den wirtschaftswissenschaftlichen Akademikerberufen gezählt werden. Der hohe Durchschnittsverdienst in dieser Berufsgruppe ist folglich nicht primär auf Absolventen wirtschaftswissenschaftlicher Fachrichtungen zurückzuführen, sondern auf Karrierepositionen anderer Fächer.