Mitgliederentwicklung des DGB Image

Im Jahr 2015 ist die Zahl der DGB-Mitglieder von 6,10 Millionen auf 6,09 Millionen gesunken (siehe Grafik). Damit ist die ersehnte Trendwende zwar noch nicht erreicht. Der DGB-Vorsitzende Reiner Hoffmann zeigte sich aber zufrieden, da täglich rund 1.000 Menschen neu in eine der DGB-Gewerkschaften eingetreten seien. Ein Mitgliederplus konnten die IG-Metall (4.462), die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft GEW (8.369) und die Polizeigewerkschaft GdP (2.061) erzielen. Der Erfolg der GEW, hier wuchs die Mitgliederzahl um mehr als 3 Prozent, wird vor allem auf die massiven Warnstreiks in der Tarifrunde der Länder und auf den langen Arbeitskampf im Sozial- und Erziehungsdienst zurückgeführt. Die restlichen fünf DGB-Gewerkschaften, darunter auch die in dieselben Arbeitskämpfe wie die GEW verwickelte Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft ver.di, haben 2015 Mitglieder verloren. Seit 2010 ist die absolute Mitgliederzahl des DGB um 100.000 Mitglieder gesunken, wobei die jährlichen Mitgliederverluste deutlich variierten. 2013 haben nur 8.464 Mitglieder den DGB verlassen, 2014 waren es 37.893. In 2015 sind wieder nur 9.338 Mitglieder aus dem Gewerkschaftsbund ausgetreten.

Die IG Metall konnte binnen Jahresfrist insgesamt 120.568 neue Mitglieder werben. Dem standen rechnerisch 116.106 Austritte gegenüber. Die Mitgliederzahl stieg entsprechend um 0,2 Prozent auf 2,27 Millionen Mitglieder. Davon arbeiten allerdings nur 1,58 Millionen in Betrieben. Der Rest ist inaktiv. Besonders erfolgreich war die IG Metall nach eigenen Angaben unter den Jüngeren (vor allem unter den Studenten) und bei technischen Angestellten. So stieg die Anzahl der in der IG Metall organisierten Studenten um 24 Prozent auf 31.141. In den strategisch wichtigen Gruppen, Frauen (0,8 Prozent), junge Arbeitnehmer (1,2 Prozent), Ingenieure und technische Experten (2,5 Prozent) sowie Angestellte (1,8 Prozent), waren die Steigerungen höher als im Durchschnitt aller Gruppen.

Um diesen positiven Trend zu verstärken will die IG Metall in den nächsten neun Jahren 191 Millionen Euro in die Mitgliederwerbung investieren. Dies ist sinnvoll. Denn nach Auswertungen der Allgemeinen Bevölkerungsumfrage der Sozialwissenschaften haben die Gewerkschaften vor allem bei jüngeren Arbeitnehmern, bei Frauen und bei hochqualifizierten Arbeitnehmern Rekrutierungsdefizite. In den nächsten Jahren droht den Gewerkschaften eine Überalterung.
Paula Hellmich

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