In den vergangenen drei Jahren legte die reale Wirtschaftsleistung in den ostdeutschen Bundesländern merklich stärker zu als in Westdeutschland. Einem jahresdurchschnittlichen Wachstum des realen Bruttoinlandsprodukts (BIP) in Ostdeutschland in Höhe von 2,2 Prozent im Zeitraum 2014 bis 2016 steht ein Zuwachs in Westdeutschland von 1,6 Prozent gegenüber. Damit konnte Ostdeutschland den Abstand zu Westdeutschland weiter verringern. Das nominale BIP je Erwerbstätigen lag im Jahr 2016 in Westdeutschland mit 72.800 Euro aber noch um gut 13.200 Euro über dem ostdeutschen Durchschnitt. Bei diesem Vergleich wird Gesamtberlin zu Ostdeutschland gezählt – was sich dort sowohl auf das Produktionsniveau als auch auf die Wachstumsraten positiv auswirkt. Für den Zeitraum 2005 bis 2016 liegt die durchschnittliche Wachstumsrate des realen BIP in Ostdeutschland um 0,2 Prozentpunkte höher, wenn Gesamtberlin zu Ostdeutschland gezählt wird.

Im ersten Halbjahr 2017 blieb jedoch das Wirtschaftswachstum in Ostdeutschland merklich hinter jenem in Westdeutschland zurück. Während das reale BIP im Westen um 2,1 Prozent expandierte, legte es im Osten nur um 1,3 Prozent zu. Der Konvergenzprozess zwischen den beiden Wirtschaftsräumen scheint offensichtlich derzeit zu stocken. Die aktuelle Konjunkturumfrage des Instituts der deutschen Wirtschaft vom Oktober und November 2017 signalisiert, dass sich dies voraussichtlich auch im kommenden Jahr fortsetzen dürfte. An dieser Umfrage, die das IW bereits seit dem Jahr 1992 in Ostdeutschland und seit 2002 in Westdeutschland durchführt (zur IW-Konjunkturumfrage siehe Grömling, 2016) nahmen 579 Unternehmen im Osten und 2.308 Firmen im Westen teil. Die befragten Unternehmen verteilen sich auf fünf Wirtschaftsbereiche: Hersteller von Grundstoffen, Investitions- und Konsumgüter (die zusammen als Industrie aggregiert werden), das Baugewerbe und den Dienstleistungssektor. Die Bereiche Handel und Banken/Versicherungen sowie der öffentliche Sektor sind nicht enthalten. Von den Firmen werden unter anderem die Einschätzungen hinsichtlich Produktion, Exporte, Investitionen, Beschäftigung eingeholt (Abbildung).

Leicht höhere Produktions­erwartungen im Westen

Die Produktionserwartungen haben sich in Deutschland im Jahresverlauf 2017 verbessert, allerdings nicht gewaltig. Gleichwohl sind die Unternehmen erheblich zuversichtlicher als im Jahr 2016. Die deutsche Wirtschaft zeigt selbst in einem von hohen wirtschaftspolitischen Verunsicherungen geprägten globalen Umfeld eine hohe Robustheit (Hüther, 2017). Der Saldo aus positiven und negativen Produktionserwartungen hat sich sowohl in Ostdeutschland als auch in Westdeutschland verbessert. Im Osten stieg er seit dem Frühjahr 2017 von 33 auf 37 Prozentpunkte an und im Westen von 37 auf 41 Prozentpunkte. Dabei erwarten im Herbst 2017 in Westdeutschland 50 Prozent und in Ostdeutschland 45 Prozent der Firmen eine höhere Geschäftstätigkeit im Jahr 2018 (Abbildung). Der Anteil der Betriebe, die von einer niedrigeren Produktion ausgehen, liegt mit rund 8 Prozent nah beieinander.

Die unterm Strich besseren Produktionserwartungen im Westen resultieren nicht aus einer höheren Zuversicht der westdeutschen Industrie. Vielmehr ist die Erwartungshaltung der ostdeutschen Industriefirmen sogar etwas besser – vor allem im Investitions- und Konsumgüterbereich. Die Schlagzahl der ostdeutschen Wirtschaft bleibt im kommenden Jahr voraussichtlich hinter jener im Westen zurück, weil die Bau- und Dienstleistungsunternehmen im Osten weniger zuversichtlich sind. Während im Westen 49 Prozent der Dienstleister im Jahr 2018 bessere Geschäfte als in diesem Jahr vorhersehen, sind es im Osten 42 Prozent. In beiden Wirtschaftsräumen gehen 8 Prozent von einem schwächeren Geschäft aus. Unter den westdeutschen Baufirmen sehen 44 Prozent eine höhere Produktion, in Ostdeutschland sind es 40 Prozent. Nur 5 Prozent im Westen und 9 Prozent im Osten erwarten einen Rückgang. Die besseren Bauperspektiven in Westdeutschland spiegeln die dort deutlich höhere Baunachfrage – vor allem in den Ballungszentren – wider. Die im Branchenvergleich insgesamt moderateren Bauerwartungen erklären sich durch die dort höheren Kapazitätsbeschränkungen (IW-Forschungsgruppe Konjunktur, 2017)..

Ein ausgeprägtes Exportgefälle

Den überschaubaren Differenzen bei den Industrieerwartungen der ost- und westdeutschen Unternehmen stehen ausgeprägte Unterschiede bei den Exporterwartungen gegenüber. Trotz der hohen weltwirtschaftlichen Unsicherheiten konnten die deutschen Exporte weiter zulegen – sie übertrafen preisbereinigt in den ersten neun Monaten 2017 den Vorjahreswert um 4,3 Prozent. Wegen der höheren Exportorientierung der westdeutschen Unternehmen hat die wieder anziehende Weltwirtschaft die westdeutsche Wirtschaft stärker belebt als die ostdeutsche. Auch mit Blick auf das Jahr 2018 fallen die Exporterwartungen der westdeutschen Firmen besser aus. Während 34 Prozent der Betriebe im Westen höhere Exporte erwarten, sind es im Osten nur 16 Prozent. Der Anteil der Betriebe mit rückläufigen Exporten liegt im Westen bei 9 Prozent und im Osten bei 13 Prozent. Einem Saldo aus positiven und negativen Meldungen im Westen in Höhe von 25 Prozentpunkten steht im Osten nur einer von 3 Prozentpunkten gegenüber. Insgesamt gilt es zu bedenken, dass der Anteil der exportierenden Unternehmen im Osten geringer ausfällt. Zudem dürften sich dort auch die eingeschränkten Handelsmöglichkeiten mit Russland stärker bemerkbar machen.

Bessere Investitions- und Beschäftigungspläne im Westen

Die besseren Produktions- und Exporterwartungen in Westdeutschland finden ihren Niederschlag auch in einer zuversichtlicheren Investitionsprognose. Von den Unternehmen im Westen beabsichtigen im kommenden Jahr 44 Prozent höhere Investitionen und nur 11 Prozent planen mit einer niedrigeren Investitionstätigkeit als in diesem Jahr. In Ostdeutschland ist der Anteil mit höheren Investitionen mit 34 Prozent erheblich niedriger. Ein ähnliches Bild gilt auch für die Beschäftigungspläne: 42 Prozent im Westen und 34 Prozent im Osten gehen von einer höheren Mitarbeiterzahl im kommenden Jahr aus. Der Anteil der Firmen, die wahrscheinlich Personal abbauen, liegt mit gut 10 Prozent nah beieinander.