Spürbare Eintrübung der aktuellen Lage

Die deutsche Konjunktur wird bei weitem nicht mehr so gut bewertet wie vor einem Jahr. Nur noch sieben der 48 regelmäßig vom IW zur Jahreswende befragten Verbände sprechen von einer besseren Wirtschaftslage im Vergleich zum Vorjahr. Zum Jahreswechsel 2017/2018 hoben noch 26 Verbände die Daumen hoch. Dagegen bewerten 21 Verbände die gegenwärtige Lage als schlechter – letztes Jahr waren es nur zwei Verbände. Die verbleibenden 20 Verbände bezeichnen ihre Lage als stabil im Vorjahresvergleich.

Die Eintrübung im Jahresverlauf 2018 hat vor allem die Industrie erfasst. Zum einen wirkt die nicht mehr so stark wie im Jahr 2017 expandierende Weltkonjunktur bremsend auf die Exportgeschäfte der weltmarktorientierten deutschen Industrie. Die Ausfuhren bewegen sich zwar auf einem hohen Niveau, zusätzlicher Schwung war in diesem Jahr aber nicht zu verzeichnen. Zum anderen kam es im Sommer zu außergewöhnlichen Produktionsrückgängen in der Automobilindustrie durch die Verzögerungen bei einem neuen Prüfverfahren. All dies führte nicht nur zu einer schlechteren Lagebeurteilung in der Automobilindustrie, sondern auch in anderen Industriebereichen wie etwa in der Metall- und Chemieindustrie. Auch in den Bereichen Finanzierung, Leasing und Banken sprechen die Verbände von einer derzeit schlechteren Wirtschaftslage als vor einem Jahr. Der neu in der IW-Verbandsumfrage vertretene Deutsche Bauernverband bewertet die aktuelle Situation der Branche ebenfalls schlechter. Als Grund hierfür werden die Auswirkungen der Trockenheit im Sommer dieses Jahres genannt.

Von den Industrieunternehmen verzeichnen nur die Glas- und Ernährungsindustrie eine derzeit bessere Lage als vor einem Jahr. Gleiches kann die Bauindustrie berichten. Im Gastgewerbe hat sich die Geschäftslage im Lauf dieses Jahres ebenfalls verbessert. Dies fügt sich in das aktuelle Konjunkturbild: Während die von Protektionismus bedrängte Weltwirtschaft die Stimmung in der exportorientierten Industrie dämpft, profitieren sowohl die Bauwirtschaft und konsumnahe Branchen von der robusten Binnenkonjunktur.

Nachlassende Zuversicht für 2019

Die Zuversicht, mit der die Verbände vor einem Jahr in das Jahr 2018 blickten, hat sich merklich zurückgebildet. Erwarteten zum Jahreswechsel 2017/2018 noch 33 Verbände eine höhere Produktion als im Vorjahr, so sind es derzeit 28 Verbände (Abbildung). Dagegen schnellte die Anzahl der Verbände mit schlechteren Geschäftsperspektiven von zwei auf zehn hoch. Nunmehr rechnen zehn Verbände für 2019 mit dem gleichen Produktions- oder Umsatzniveau, vor einem Jahr waren es 13 Unternehmensvertretungen. Alles in allem stellen die Optimisten immer noch eine deutliche Mehrheit. Demnach wird die deutsche Wirtschaft in 2019 auf Wachstumskurs bleiben. Der Schwung dürfte jedoch spürbar niedriger ausfallen als in diesem Jahr. Dieses Erwartungsbild deckt sich auch mit der im Dezember 2018 vom IW veröffentlichten Konjunkturprognose (IW-Forschungsgruppe Gesamtwirtschaftliche Analysen und Konjunktur, 2018). Für das Jahr 2019 prognostiziert das IW nur noch ein Plus beim realen BIP in Höhe von 1,2 Prozent, nach einem Wachstum von voraussichtlich 1,5 Prozent in 2018.