Diese Ursachen können zum einen in der landesspezifischen Entwicklung der gesamtwirtschaftlichen Nachfrage liegen, die im Fall eines Leistungsbilanzdefizits die gesamtwirtschaftliche Produktion und die Einkommen überschreitet. Defizitländer müssen eine Güter- und Einkommenslücke – über den Import von Gütern und Kapital – füllen. Dies kann zum Beispiel an einer hohen Staatsnachfrage liegen, die zu einem Zwillingsdefizit (Leistungsbilanz- und Staatsdefizit) führt. Die USA ist ein exzellentes Beispiel hierfür: Die Wirtschaftspolitik der aktuellen Regierung treibt das Staatsdefizit voraussichtlich weit über 1.000 Milliarden US-Dollar im kommenden Jahr. Die USA müssen dafür erst einmal auf globale Gelder in hohem Ausmaß zurückgreifen. Und auch die dadurch hohe Güternachfrage bekommen sie nicht aus eigener Leistung bedient.Zum anderen kann auch die Angebotsseite einer Volkswirtschaft eine bestimmte Leistungsbilanzkonstellation zur Folge haben. So kann eine spezielle Faktorausstattung oder eine historisch gewachsene Wirtschaftsstruktur im Fall eines globalen Schocks dazu führen, dass Produktion und Nachfrage voneinander abweichen. Die rohstoffreichen Länder haben zum Beispiel in der Phase einer hohen Rohstoffnachfrage und gleichzeitig steigender Preise Leistungsbilanzüberschüsse von insgesamt über 600 Milliarden US-Dollar pro Jahr erwirtschaftet (Grömling, 2014a). Selbst flexible Wechselkurse konnten im Fall eines für diese Länder positiven Ölpreisschocks die Salden nicht vermindern. Erst eine schwächere Weltkonjunktur und stark gefallene Rohstoffpreise haben zuletzt diese Überschussposition vollständig aufgelöst.