Nicht nur in der Politik, auch in den Unternehmen wird dem Thema Materialeffizienz ein immer höherer Stellenwert eingeräumt. Eine Befragung des Ifo-Instituts von 2011 zeigt, dass bei einer deutlichen Mehrheit der Unternehmen die Bedeutung der Material- und Ressourceneffizienz in den vergangenen drei Jahren zugenommen hat.

Die Anstrengungen der Politik zielen darauf ab, über das Thema Materialeffizienz zu informieren und Unternehmen bei der Identifikation von Ansatzpunkten für Materialeffizienzsteigerungen sowie bei deren Umsetzung zu unterstützen. Die Politik arbeitet mit einer breiten Methodenvielfalt, um die Materialeffizienz in den Unternehmen zu steigern. Der Instrumentenmix fängt bei der Öffentlichkeitsarbeit an und geht über die externe Beratung bis hin zu Finanzierungsangeboten für konkrete Maßnahmen. Zum Beispiel wird seit 2004 jährlich der deutsche Materialeffizienzpreis ausgelobt, seit 2006 läuft das Programm für die Beratung von kleinen und mittleren Unternehmen zur Verbesserung der Materialeffizienz (VerMat) und über das Projekt „go-Inno“ sind seit 2011 Zuschüsse für Investitionen in die Rohstoffeffizienz erhältlich. Es stellt sich hierbei die Frage, was durch diese Programme bislang an Materialoder Kosteneinsparungen in den Unternehmen angestoßen beziehungsweise umgesetzt wurde.

Einige Programme zur Steigerung der Materialeffizienz werden recht detailliert ausgewertet. Zum Beispiel wurden durch den PIUS-Check (PIUS: Produktionsintegrierter Umweltschutz) in Nordrhein-Westfalen bis heute jährlich zwölf Millionen Euro im Produktionsprozess der Unternehmen eingespart. Darüber hinaus werden 1,2 Millionen Kubikmeter weniger Wasser benötigt. Die gesamtwirtschaftlichen Einsparungen über alle Programme hinweg sind hingegen unklar. Eine Auswertung aller Einzelmaßnahmen wäre aufgrund der vielfältigen Möglichkeiten zur Steigerung der Materialeffizienz in den Unternehmen kaum handhabbar. Um die Ergebnisse der Materialeffizienzpolitik in der Volkswirtschaft zu messen, muss daher ein geeigneter Indikator definiert werden. Dieser Indikator muss einigen Anforderungen genügen.

Wie andere Indikatoren auch muss er praktikabel und transparent sein. Das heißt, er muss einfach berechnet und nachvollzogen werden können, auch von Personen, die nicht unmittelbar mit dem Thema Materialeffizienz befasst sind. Darüber hinaus muss er die Materialeffizienz in den Unternehmen angemessen adressieren. Aus Perspektive der Unternehmen stehen Materialkosten im Vordergrund. Sie sind ein Hauptmotiv dafür, die Materialeffizienz zu steigern. Der Indikator muss also die Materialeffizienz in Euro ausdrücken.

In ihrer Nachhaltigkeitsberichterstattung lässt die Bundesregierung unter anderem die Steigerung der Materialeffizienz messen. Das Statistische Bundesamt berechnet dazu die „Rohstoffproduktivität“. Die Rohstoffproduktivität ist der Quotient aus der Entwicklung des Bruttoinlandsprodukts (in Euro) und der Entwicklung des eingesetzten abiotischen Primärmaterials (in Tonnen). Sie drückt also aus, wie viel Bruttoinlandsprodukt pro eingesetzter Tonne Primärmaterial erwirtschaftet wurde. Dieser Indikator ist zwar praktikabel und transparent. Er adressiert jedoch nicht angemessen die Materialeffizienz in den Unternehmen. Der Materialeinsatz geht für alle Materialien pauschal in Tonnen in den Indikator ein. Der effiziente Einsatz von Materialien, die zwar nur in kleinem Umfang verbraucht werden, dafür aber sehr teuer sind, wird damit nicht angemessen berücksichtigt. Zielsetzung bei der Materialeffizienz ist es aber gerade, effizient mit besonders knappen Ressourcen umzugehen. Zu Kritik am Indikator hat auch das Bruttoinlandsprodukt im Zähler geführt. Beim Bruttoinlandsprodukt im Zähler wird die Materialintensität der zugrunde liegenden Wertschöpfung nicht berücksichtigt. Es spielt also für den Wert des Indikators keine Rolle, ob zum Beispiel 25.000 Euro Wertschöpfung durch die Herstellung eines Autos oder durch eine Finanzdienstleistung erbracht werden. Die Rohstoffproduktivität eignet sich daher kaum als Indikator, um die Materialeffizienz in Unternehmen zu bewerten.

Ein aussagekräftiger Indikator muss den Materialverbrauch in ein angemessenes Verhältnis zu den Kosten setzen. Dazu muss er unter anderem unterschiedliche Knappheiten einzelner Materialien berücksichtigen. Ein effizienterer Einsatz knapper und teurer Metalle in der Halbleiterindustrie muss im Indikator also anders gewichtet werden, als eine mengenmäßig identische Effizienzsteigerung von den in Deutschland reichlich vorhandenen Rohstoffen Kies, Sand oder Schotter, die vorwiegend in der Bauwirtschaft eingesetzt werden. Fraglich ist daher, ob ein branchenübergreifender Indikator über alle Materialien hinweg überhaupt sinnvoll für die Bewertung der Materialeffizienz sein kann. Ebenfalls denkbar wäre nämlich ein branchen- oder stoffbezogenes Indikatorenset. Unterschiedlichen Materialinputs, Produktionsprozessen und Organisationsstrukturen in den Unternehmen könnte damit besser Rechnung getragen werden. Es ist jedoch zu bedenken, dass mit einem Set mehrerer Indikatoren auch eine höhere Komplexität einhergeht. Eine höhere Komplexität wirkt sich wiederum zu Lasten der Transparenz aus.

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