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Die Trump-Administration hat sich zum Ziel gesetzt, das Leistungsbilanzdefizit der USA deutlich zu senken und kritisiert dabei vor allem Deutschland. Sollte die deutsche Wirtschaft das Ziel von US-Strafzöllen werden, stellt sich die Frage, wie sehr die anderen EU-Mitgliedstaaten Deutschland dann den Rücken stärken und wie sehr sie über die Vorleistungsverflechtung an dem deutschen Exporterfolg in den USA teilhaben würden.

Ein erster Blick auf die relevanten Daten liefert bereits wichtige Hinweise:

  • Die USA sind Deutschlands wichtigstes Exportzielland. Mit 107 Milliarden Euro gingen im Jahr 2016 knapp 9 Prozent der deutschen Warenausfuhren in die Vereinigten Staaten.
  • Deutschland ist für viele EU-Nachbarn der wichtigste Handelspartner. So entfielen gemäß der Handelsstatistik im Jahr 2016 rund 32 Prozent der tschechischen Warenexporte auf Deutschland. Ebenfalls sehr hohe Werte verzeichneten Österreich (30 Prozent), Ungarn (28 Prozent), Polen (27 Prozent) und die Niederlande (24 Prozent). In der Slowakischen Republik und Rumänien betrug der Anteil jeweils 22 Prozent.
  • Um die gesamtwirtschaftliche Relevanz dieser Exporte nach Deutschland abzuschätzen, muss der Exportanteil am BIP in den EU-Partnerländern mit einbezogen werden. Dieser ist in kleinen Ländern höher als in größeren. Wird beides kombiniert, erhält man den Anteil der Warenexporte nach Deutschland an der Wirtschaftsleistung des jeweiligen Landes. In der Tschechischen Republik und Ungarn liegt diese Quote bei knapp über einem Fünftel, in der Slowakischen Republik knapp darunter. Die Niederlande kommen auf fast 16 Prozent.

Eine genauere Analyse muss die Vorleistungsverflechtungen berücksichtigen. Dazu dienen multinationale Input-Output-Tabellen der World Input-Output Database (WIOD), deren Daten derzeit bis 2014 reichen. Damit kann berechnet werden, wie viel Produktion, Wertschöpfung und Beschäftigung in den einzelnen EU-Mitgliedstaaten dadurch entsteht, dass Vorleis­tungen (Waren und Dienstleistungen) nach Deutschland fließen und von dort indirekt in die USA exportiert werden. Dabei wird gemäß der üblichen Proportionalitätsannahme unterstellt, dass sich Wertschöpfung und Beschäftigung anteilsmäßig wie der Produktionswert auf die Nachfrage verteilen. Datenlücken in den von Eurostat zugespielten Beschäftigungsdaten wurden approximiert.

Folgende Ergebnisse sind hervorzuheben:

  • Im Jahr 2014 wurden in den EU-Partner-Ländern insgesamt fast 40 Milliarden Euro an Produktion und knapp 14 Milliarden Euro an Wertschöpfung indirekt über Vorleistungslieferungen generiert, die in deutsche US-Exporte eingehen.
  • Damit hingen 2014 insgesamt über 253.000 Beschäftigte in den EU-Partnerländern von den deutschen US-Exporten ab. Dieser Wert ist seit dem Jahr 2000 um rund 16 Prozent gestiegen. Allein die deutschen US-Exporte der Automobilindustrie sicherten über die Vorleistungsverflechtung die Beschäftigung von knapp 110.000 Arbeitnehmern in anderen EU-Ländern.
  • Besonders hoch ist die Anzahl der indirekt vom deutschen US-Export abhängigen Beschäftigten bei einigen unserer Nachbarländer (Abbildung): In Italien, in der Tschechischen Republik, Frankreich und den Niederlanden sind es jeweils zwischen gut 22.000 und knapp 26.000.
  • In Polen hängen sogar knapp 45.000 Beschäftigte an den deutschen US-Exporten. Das ist fast ein Drittel der Beschäftigten, die direkt, das heißt von den polnischen US-Exporten, oder indirekt über die Vorleistungsverflechtung mit den deutschen US-Exporten am Handel mit den USA hängen.

Es wird deutlich, dass auch einige EU-Partner nennenswert vom deutschen Exporterfolg in den USA profitieren. Zudem haben sie auch ein Eigeninteresse daran, dass keine Strafzölle oder andere protektionistische Maßnahmen eingeführt werden, denn diese würden auch ihre eigenen Exporte treffen.

IW-Kurzbericht

Manuel Fritsch / Galina Kolev / Jürgen Matthes: Auch EU-Partner profitieren vom deutschen US-Exporterfolg

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IW-Kurzbericht

Manuel Fritsch / Galina Kolev / Jürgen Matthes: EU Partners benefit from Germany's US export success

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Ansprechpartner

29. August 2017

Matthias Diermeier / Henry Goecke / Adriana Neligan Riskante RohstoffquellenArrow

Vor allem die deutsche Industrie ist auf Rohstofflieferungen aus dem Ausland angewiesen. Der Wert dieser Importe hat sich zwischen 1995 und 2011 verfünffacht. Auch der Anteil der Einfuhren aus politisch und wirtschaftlich besonders risikobehafteten Ländern ist gestiegen – auf mittlerweile deutlich über 60 Prozent. mehr auf iwd.de

2. August 2017

Carsten Ruge M+E-Industrie bleibt Exportbranche Nummer einsArrow

Die wichtigste Exportbranche in Deutschland ist weiterhin die Metall- und Elektro-Industrie: Waren im Wert von 723 Milliarden Euro haben die M+E-Unternehmen 2016 im Ausland verkauft – 1 Prozent mehr als 2015. Damit hat sich der Zuwachs nach 3,2 Prozent im Jahr 2014 und 7,3 Prozent im Jahr 2015 allerdings deutlich verlangsamt. Größter Exportmarkt sind nach wie vor die USA, gefolgt von Frankreich und China. mehr auf iwd.de

Türkeipolitik: Die Zollunion ist der entscheidendere Hebel
Interview, 25. Juli 2017

Michael Hüther im Deutschlandfunk Türkeipolitik: Die Zollunion ist der entscheidendere HebelArrow

Die EU droht der Türkei mit Wirtschaftssanktionen und „die Drohung wirkt”, sagte Michael Hüther, Direktor des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln, im Interview mit dem Deutschlandfunk. Denn die türkische Wirtschaft sei stark angewiesen auf Importe aus der Europäischen Union. Doch Ankara habe auch noch Wege, einem möglichen Mittelentzug entgegenzuwirken. mehr