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Kontrolle erfolgt durch Fristsetzung, vertragliche Regelungen, Vorschriften und Gesetze. Verträge werden kaum geschlossen ohne Anbahnung, Überwachung der Einhaltung oder die Durchsetzung der Ansprüche bei Vertragsbruch, die in der Regel von Anwälten übernommen werden. Ganz ohne Anwälte und Gesetze funktioniert eine arbeitsteilige Gesellschaft nicht, denkbar ist aber, dass sich Transaktionskosten und der Einsatz von Anwälten negativ auf Wirtschaft und Wohlstand auswirken. Stephen Magee (2010) hat untersucht, inwiefern die Anzahl der Anwälte eines Landes mit dessen Wirtschaftswachstum zusammenhängt und dabei einen kurvenförmigen Verlauf gefunden, die „Magee-Kurve“. Bis zu einer bestimmten Anzahl an Anwälten, ist deren Arbeit wohlstandssteigernd. Wird das Optimum aber überschritten, sinkt der Wohlstand wieder. Magees These besagt, dass Transaktionskosten und Verteilungskämpfe diese Entwicklung verursachen. Seine Erkenntnisse ernteten sowohl Anerkennung als auch Kritik, vor allem an der Datenbasis. So sollen die Auswahl der Wachstumsindikatoren und die Datengrundlage für die Zahl der Anwälte, unzulänglich sein. Wann Anwälte für Wachstum und Wohlstand sorgen, ist also umstritten.

Eindeutiger korreliert das Vertrauensniveau mit der Zahl der Anwälte in einem Land. Abbildung 2 zeigt die negative Beziehung zwischen der durchschnittlichen Zahl der Anwälte je 1.000 Einwohner – hier basierend auf der im Rat der europäischen Anwaltschaften vertretenen Anwälte – und dem Vertrauen innerhalb des Landes, das der kürzlich vorgestellte IW-Vertrauensindex für 17 europäische Länder misst. Sofern die Zahl der Anwälte im Rat der europäischen Anwaltschaften die Anzahl der Anwälte eines Landes abbildet, gilt: In Ländern mit einem hohen Vertrauensniveau arbeiten weniger Anwälte. Die skandinavischen Länder haben in Wirtschaft, Staat und Gesellschaft großes Vertrauen und dort gibt es weniger Anwälte je 1.000 Einwohner als in den südlichen Ländern, wo das Vertrauensniveau insgesamt niedriger ist. Ob nun weniger Anwälte für mehr Vertrauen in einem Land sorgen, oder ob in vertrauensvollen Ländern weniger Anwälte gebraucht werden, lässt sich aufgrund dieser Korrelation nicht bestimmen. Letzteres aber lässt sich besser begründen: Wer anderen nicht vertraut, braucht eher eine rechtliche Vertretung, um seine Interessen zu schützen. Wenn gegenseitiges Vertrauen herrscht, werden wasserdichte Verträge und Rechtsstreits überflüssig, der Bedarf an Anwälten schrumpft. So besiegeln McDonald’s und Coca Cola ihre Allianz angeblich jährlich per Handschlag und mit einer vierseitigen Rahmenvereinbarung. Der Rest basiert auf gegenseitigem Vertrauen.

Dass Vertrauen sich für Wohlstand und Wohlbefinden lohnt, zeigen auch andere Studien (vgl. z.B. W&E 2/2015). Es führt zu neuen Kooperationsmöglichkeiten, die bei Misstrauen ausbleiben. Insofern gilt eher: „Kontrolle ist gut, Vertrauen ist besser“. Ob Anwälte dem zustimmen, bleibt offen – ihre Auftragslage könnte von einem weniger vertrauensvollen gesellschaftlichen Umfeld profitieren. Je mehr vertraglich geregelt werden muss, desto mehr haben die Anwälte zu tun. Gleichwohl: Auch in der Beziehung zwischen Anwalt und Mandant läuft nichts ohne Vertrauen.

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