Vor der Klimakonferenz in Kopenhagen
Vor der Klimakonferenz in Kopenhagen

Das Kyoto-Protokoll läuft Ende 2012 aus. Aus diesem Grund kommt die Weltgemeinschaft vom 7. bis 18. Dezember dieses Jahres in Kopenhagen zusammen und entscheidet, ob und wie ein völkerrechtlich verbindliches globales Nachfolgeabkommen zu beschließen ist. Die Erfolgsaussichten sind aufgrund von politischen Divergenzen nicht vorhersehbar. Im Vorfeld der Konferenz besteht vor allem Unklarheit darüber, ob verbindliche globale Reduktionsziele und konkrete Maßnahmen zum Klimaschutz und der Klimaanpassung vereinbart werden können. So ist es unklar, ob ein Beschluss zum von der Europäischen Union favorisierten „Zwei-Grad-Ziel“ zustande kommt. Insbesondere bestehen Zweifel darüber, ob und in welchem Ausmaß sich der größte Emittent USA und Schwellenländer wie China und Indien zur Übernahme eines starken Klimaschutzbeitrags verpflichten. Die USA und Indien sind bisher skeptisch gegenüber einem völkerrechtlich verbindlichen Abkommen. Des Weiteren ist auch noch nicht geklärt, wie die Finanzierung des Klimaschutzes und der Klimaanpassung erfolgen soll. Bei den Finanzierungsfragen bestehen Differenzen zwischen Entwicklungs- und Schwellenländern, der EU und den USA. Vor diesem Hintergrund und wegen der zähen Verhandlungen im Vorfeld werden zum ersten Mal auch in der Europäischen Union Zweifel am Erfolg des Kopenhagener Weltklimagipfels angemeldet. Es ist sogar davon die Rede, die Entscheidung über technische Details nicht diesmal zu treffen, sondern auf 2010 zu verschieben.

Für die Europäische Union hat der Erfolg der internationalen Klimaschutzverhandlungen in Kopenhagen hohe Priorität. Die EU-Kommission hat daher Anfang des Jahres in ihrer Mitteilung „Ein umfassendes Klimaschutzübereinkommen als Ziel für Kopenhagen“ konkrete Vorschläge gemacht. Im Allgemeinen geht es dabei vorwiegend um Reduktionsziele und -maßnahmen, Finanzierung der Maßnahmen zum Klimaschutz und zur Anpassung an die Klimafolgen sowie Aufbau eines effizienten Kohlenstoffmarktes auf globaler Ebene.

Ein vereinbartes Ziel der EU besteht darin, den globalen Temperaturanstieg gegenüber vorindustriellen Werten auf maximal zwei Grad Celsius zu begrenzen. Um den Temperaturanstieg unter zwei Grad Celsius halten zu können, müssen jedoch die Treibhausgasemissionen weltweit bis 2050 gegenüber 1990 mindestens halbiert werden. Die Realisierung dieses Zieles verlangt große internationale Anstrengungen. Nach der EU-Mitteilung sollten in Kopenhagen absolute Reduktionsziele für die Industrieländer vorgegeben werden. Dabei bezieht sich die EU-Mitteilung auf Vorschläge des vierten IPCC-Berichts, wonach eine Emissionsverminderung um 25 bis 40 Prozent bis zum Jahre 2020 und um 80 bis 95 Prozent bis 2050 verlangt wird. Diese offenen Fragen werden auch in der Wirtschaft unterschiedlich wahrgenommen, wie die Ergebnisse der aktuellen IW-Umweltexpertenbefragung zeigen.

Bezüglich der Frage nach dem Beschluss eines Nachfolgeabkommens sind 62 Prozent der Befragten optimistisch. Nur jeder Fünfte vermutet, dass kein Nachfolgeabkommen zustande kommt. Ebenso herrscht bei der Mehrheit der befragten Umweltexperten Zuversicht, dass das „Zwei-Grad-Ziel“ beschlossen wird. Gleichzeitig sind über zwei Drittel der Befragten der Ansicht, dass in Kopenhagen keine verbindlichen Reduktionsziele für alle Industrieländer vereinbart werden. Die gleiche pessimistische Einschätzung herrscht ebenso bezüglich der Frage, ob die USA, China und Indien einen großen Klimabeitrag übernehmen werden. Auf dem Klimagipfel in Kopenhagen soll zudem entschieden werden, ob und wie die Entwicklungsländer auf dem Weg zum Klimaschutz und zur Anpassung finanziell unterstützt werden können. Rund 72 Prozent der Befragten gehen davon aus, dass es in Kopenhagen zu einer Ausweitung von Finanzmitteln für Entwicklungsländer kommen wird.

Mitteilung der Kommission: Ein umfassendes Klimaschutzübereinkommen als Ziel für Kopenhagen

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