Sozial orientiertes Unternehmertum ist in Deutschland an sich nicht neu. Genossenschaften wurden schon im 19. Jahrhundert mit einem gesellschaftsorientierten Ansatz gegründet, der über die reine Gewinnerzielungsabsicht hinausging. Damals war das Land ein Zentrum sozialer unternehmerischer Innovation (SEND/Bundesverband Deutsche Startups, 2017, 2). Doch im 20. Jahrhundert wurde mit dem Ausbau staatlicher Sicherungssysteme die Privatinitiative im gesellschaftlichen Bereich zunehmend ins Ehrenamt abgedrängt oder gemeinnützigen Organisationen überantwortet.

Im 21. Jahrhundert haben sich die Bedingungen für Innovationen mit gesellschaftlichem Nutzen durch das Internet und die darauf aufbauende Plattform Economy und Sharing Economy aber grundlegend geändert (vgl. Demary, 2016; 2017). Neue, oft internetbasierte Technologien bilden die Basis, auf der soziale Innovationen entwickelt und umgesetzt werden können. Staatliche Stellen und große gemeinnützige Organisationen sind jedoch zumeist keine guten Innovatoren (Funke, 2014), so dass engagierte Entrepreneure einen Mehrwert schaffen können. Diese haben sich 2017 im Social Entrepreneurship Netzwerk Deutschland (SEND) zusammengeschlossen, um sich besser zu vernetzen und als Ansprechpartner für die Politik zu dienen, die sich zunehmend für Innovationen im Sozialbereich interessiert. Inzwischen gibt es 214 Mitgliedsunternehmen vorwiegend in den Großstädten, wo die Umsetzung sozial oder ökologisch inspirierter Ideen durch Gründung eines eigenen Unternehmens offenbar bei vielen jungen Menschen einen Nerv getroffen hat. Hier entwickelt sich eine spezifische Gründerkultur, die auch Social Entrepreneurship begünstigt (Röhl, 2016).