Mit der anhaltenden wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Schockstarre speziell in Europa und Nordamerika stellt sich die Frage, wie lange die betroffenen Unternehmen der Luftfahrtbranche dies finanziell durchhalten können, und welche Hilfsmaßnahmen sinnvoll sind. Bereits in den letzten Jahren mussten diverse Fluggesellschaften Insolvenz anmelden, da sie im sehr wettbewerbsintensiven Flugreisemarkt Verluste einflogen. Hierzu zählten z.B. Air Berlin und Germania in Deutschland sowie jüngst Flybe im Vereinigten Königreich, die schon vor der Insolvenz mit der ersten virusbedingten Reduktion des Flugverkehrs Anfang März 2020 in Schwierigkeiten war. Weitere Fluglinien sind hoch verschuldet, weil sie seit Jahren keine Gewinne machen oder ihre Flotte stark ausgebaut haben. Zur ersten Kategorie gehört z.B. Alitalia, deren Wiederverstaatlichung in der aktuellen Krise durch die italienische Regierung bereits angekündigt wurde. In die zweite Gruppe fällt Norwegian, die ohne Hilfe der norwegischen Regierung akut insolvenzbedroht sein dürfte. Gefährdet erscheint auch die gerade erst von der polnischen LOT übernommene Charterlinie Condor.

In Deutschland ist der Luftverkehrsmarkt durch die Insolvenzen von Air Berlin 2017 und Germania 2019 bereits vor der Corona-Krise bereinigt worden. Die Lufthansa-Gruppe (LHG) ist der dominierende Carrier. Zudem ist sie mit den Töchtern Swiss, Austrian Airlines, Brussels Airlines, Air Dolomiti und Eurowings nach Passagierkilometern und Flotte die größte europäische Airline. Der innerdeutsche Markt wird von der LHG sowie den Billigfluglinien Easyjet und Ryanair dominiert. Diese drei Gesellschaften sind finanzstark und nicht akut insolvenzgefährdet. Trotzdem können sie einen anhaltenden Totalausfall des Geschäfts nicht lange überstehen und benötigen Staatshilfen, wenn der Shutdown über mehrere Wochen fortbesteht. Der Weltluftverband IATA schätzt, dass die Liquiditätsreserven der Fluglinien im Durchschnitt nur 2 bis 3 Monate reichen (IATA, 2020a).

Liquiditätshilfen kaum ausreichend

Die Gewinnsituation der Fluggesellschaften weltweit war im letzten Quartal 2019 besser als im Vorjahreszeitraum. Jedoch konnten mit 3,4 Milliarden US-Dollar nur nordamerikanische Airlines hohe Gewinne verbuchen. Alle europäischen Gesellschaften zusammen kamen lediglich auf einen Quartalsgewinn von 390 Millionen US-Dollar (IATA, 2020b). Darüber hinaus ist damit zu rechnen, dass der Reiseverkehr sich nach Aufhebung der aktuellen Beschränkungen nicht zügig normalisiert, sondern über Monate, eventuell sogar Jahre gedämpft bleibt. Auch nach dem Shutdown wäre es dann angesichts der schon im Normalbetrieb geringen Margen unmöglich, von den Regierungen gewährte Liquiditätshilfen zurückzuzahlen.

Der Welt-Luftfahrtverband IATA und die drei globalen Verbünde Oneworld, Skyteam und Star Alliance mit zusammen 60 Airlines fordern staatliche Hilfen und Maßnahmen, „um die beispiellosen Herausforderungen zu mildern, denen sich die globale Luftfahrtindustrie angesichts der Covid-19-Pandemie gegenübersieht“ (Airliners, 2020). Die IATA nannte zuletzt einen Betrag von 200 Milliarden US-Dollar als notwendige Soforthilfe für die globalen Airlines (IATA, 2020a).

Hilfen für den Luftverkehrssektor sollten daher langfristig angelegt sein und eine Kombination aus Liquiditätshilfen, Zuschüssen und gegebenenfalls Beteiligungen umfassen. Gleichzeitig muss aber nach der akuten Krise der Erhalt von Überkapazitäten vermieden werden.