Die halbjährliche Haushaltsrede des britischen Schatzkanzlers hat vor allem damit Schlagzeilen gemacht, dass er die finanziellen Risikopuffer für einen möglichen ungeordneten Brexit von 700 Millionen Pfund um mehr als 3 Milliarden Pfund aufgestockt hat. Auch die aktuelle Abwärtsrevision der Wachstumsprognosen für die nächsten Jahre wurde erwähnt. Interessanter ist es allerdings, noch weiter zurückzuschauen auf die Prognose des Office for Budget Responsibility (OBR) vom Herbst 2015 – also in die Zeit, bevor die Debatte um den Brexit an Dynamik gewann. Dabei wird deutlich, dass die Wachstumsperspektiven seitdem immer weiter zurückgenommen wurden. Das ist zweifellos auch der Verunsicherung durch den Brexit zuzuschreiben.

Im November 2015 prognostiziert das OBR für die Jahre 2016 bis 2020 ein recht dynamisches reales Wirtschaftswachstum von zwischen 2,3 und 2,5 Prozent pro Jahr. In der jüngsten Prognose wird dokumentiert, dass das reale Bruttoinlandsprodukt (BIP) schon im Jahr 2016 lediglich mit 1,8 Prozent wuchs. Die Abwärtskorrekturen haben sich seitdem fortgesetzt. Aktuell prognostiziert das OBR für 2017 nur noch ein reales BIP-Wachstum von 1,5 Prozent, für 2018 von 1,4 Prozent und für die beiden Folgejahre lediglich von jeweils 1,3 Prozent.

Damit klafft mit Blick auf 2020 eine erhebliche BIP-Lücke zwischen der Prognose aus dem Herbst 2015 und der gestrigen. Das lässt sich veranschaulichen, indem man die jeweils prognostizierten BIP-Wachstumsraten kumuliert und so das Wachstum über den gesamten Zeitraum 2016 bis 2020 errechnet (Abbildung). Im November 2015 ging das OBR noch von einem kumulierten Anstieg des realen BIP von insgesamt 12,6 Prozent in diesem Zeitraum aus. Aktuell prognostiziert es dagegen nur noch 7,6 Prozent. Wenn man beide Prognosen ernst nimmt, klafft damit eine Lücke von rund 5 Prozentpunkten zwischen den beiden sich ergebenden Niveaus des realen BIP im Jahr 2020.