Die Regierungsparteien haben sich in ihrem Koalitionsvertrag darauf verständigt, den Einsatz befristeter Beschäftigungsverhältnisse zu beschränken, um einem vermeintlichen Missbrauch des etablierten betrieblichen Flexibilisierungsinstruments entgegenzutreten. Dabei haben sie bereits konkrete Eckdaten formuliert (CDU/CSU/SPD, 2018): Die zulässige Dauer sachgrundloser Befristungen soll von maximal 24 auf 18 Monate verkürzt werden und in Unternehmen mit mehr als 75 Beschäftigten soll eine Quote von 2,5 Prozent sachgrundlos befristeter Beschäftigungsverhältnisse nicht mehr überschritten werden dürfen. Darüber hinaus soll auch eine maximale Beschäftigungsdauer für solche Beschäftigungsverhältnisse definiert werden, die auf Basis eines zulässigen Sachgrunds nach dem Teilzeit- und Befristungsgesetz geschlossen worden sind.

Sollte die Politik an ihrem Vorhaben festhalten, würde dies maßgeblich in die betriebliche Rekrutierungspraxis eingreifen, denn vier von zehn Neueinstellungen in der Privatwirtschaft sind zunächst befristet – ein Anteilswert, der sich aber seit 2010 im Grunde nicht verändert hat (Hohendanner, 2018). Im öffentlichen Dienst und im Dritten Sektor, dem zum Beispiel gemeinnützige Institutionen wie etwa Kirchen und Wohlfahrtsverbände zugeordnet sind, lag die Quote befristeter Neueinstellungen mit gut 61 Prozent und 63 Prozent im Jahr 2017 sogar deutlich darüber. Ein ähnlicher Befund ist auch bei dem Anteil der Befristungen an allen Beschäftigten zu beobachten. Mit 7,1 Prozent im Jahr 2017 hatten in der Privatwirtschaft weniger Arbeitsverträge ein automatisches Verfallsdatum als im öffentlichen Dienst (9,5 Prozent) oder im Dritten Sektor (15,5 Prozent).

Lediglich das Gewicht sachgrundloser Befristungen ist in den Betrieben der Privatwirtschaft größer als im öffentlichen Dienst. Dies ist aber zum einen die Folge der Definition von zulässigen Sachgründen im Teilzeit- und Befristungsgesetz. Kann sich der öffentliche Dienst zum Beispiel auf Haushaltsvorgaben und damit de facto auf die wirtschaftliche Unsicherheit als Sachgrund zurückziehen, ist dies Unternehmen der Privatwirtschaft versperrt. Zum anderen ist die Bezugnahme eines Arbeitsverhältnisses auf einen der zulässigen Sachgründe in der Praxis mittlerweile mit einer relativ hohen Rechtsunsicherheit verbunden. Arbeitsgerichte haben in juristischen Auseinandersetzungen vielerorts dem angegebenen Sachgrund die Anerkennung verweigert. Eine sachgrundlose Befristung ist vor diesem Hintergrund rechtssicherer. Ihre vermehrte Nutzung ist daher kein Missbrauch.

Warum die Politik gleichwohl einen Anhaltspunkt für einen potenziellen „Missbrauch“ sieht, erschließt sich vor dem Hintergrund der empirischen Fakten nicht. Dies gilt insbesondere mit Blick auf die Privatwirtschaft. Denn im ersten Halbjahr 2017 wurden knapp 46 Prozent der befristeten Beschäftigungsverhältnisse in privatwirtschaftlichen Betrieben in ein unbefristetes Beschäftigungsverhältnis umgewandelt (Hohendanner, 2018). Dies waren 10 Prozentpunkte mehr als noch im Jahr 2010 und gut 20 Prozentpunkte mehr im Vergleich zum öffentlichen Dienst. Mit anderen Worten: Die Umwandlung von befristeter in unbefristeter Beschäftigung erfolgt, wenn absehbar ist, dass sich ein Arbeitsplatz auch mittelfristig wirtschaftlich tragen wird und/oder sich die Person als für den Arbeitsplatz geeignet erwiesen hat.